Rückblick und Fazit

Seit einigen Tagen bin ich jetzt schon zurück in Deutschland und habe mich überraschend schnell wieder eingelebt. In diesem abschließenden Post möchte ich noch einmal zurück blicken, ein bisschen Bilanz ziehen und ein paar letzte Überlegungen teilen.

Zuletzt hatte ich noch 2 Tage und Nächte in Bangkok verbracht, von wo mein Rückflug nach Deutschland mit Condor gegangen war. Aber auch dort war es wieder unfassbar heiss gewesen, um die 37°. Ich hatte eigentlich in einem Gästehaus ein kleines Zimmer für die letzten beiden Nächste gebucht, aber da es nur mit Ventilator und nicht mit A/C ausgestattet war, konnte ich die erste Nacht aufgrund der Hitze kaum schlafen. Obwohl das Zimmer schon für beide Nächste bezahlt war,  buchte ich daher für die letzte Nacht dann noch ein anderes Hotelzimmer am Flughafen - muss ja schließlich nicht sein, dass ich schon übermüdet bin, wenn ich in den Flieger einsteige ;-)
Ich muss mittlerweile bedauerlicherweise eingestehen, dass ich von dieser Hitze wirklich abgesättigt bin. Üblicherweise gab es für mich eigentlich bisher keine Kategorien "zu heiss", aber das hatte sich bei dieser Reise definitiv geändert. Die Sonne hatte ihren hohen Status für mich leider ein gutes Stück eingebüßt... das Ende einer langen Freundschaft :,-(

In Bangkok stopfte ich mich außerdem noch ein letztes Mal mit zahlreichen Nudelsuppen voll - wer weiß schließlich, wann ich die das nächste Mal bekomme - und erwarb auch noch ein paar T-Shirts, da der üblicherweise katastrophale Wäscheservice während meiner Reise einige meiner mitgebrachten T-Shirts ruiniert hatte. Der einzige Effekt dieser Wäschen war gewesen, dass Gerüche neutralisiert oder zumindest verändert wurden aber Schmutz war normalerweise nicht entfernt worden, sondern höchstens noch festgewaschen :-/ 
Ein T-Shirt war sonderbarerweise sogar nach der Wäsche ausgeleiert und ist jetzt ca. drei Nummern größer geworden. Keine Ahnung, wie die das hinbekommen haben...

Und dann ging es schließlich auch schon mit dem Flieger mit 12h Flug nach Frankfurt. Schlafen konnte ich wie üblich natürlich nicht, aber sonst lief alles ohne Komplikationen und von Frankfurt ging es dann mit dem Zug weiter nach Hannover wo ich nach insgesamt 20h on the road abends um 23 Uhr deutscher Zeit endlich, endlich völlig erschöpft ankam und von meinen Eltern empfangen wurde. Mein Zimmer in Berlin war auch noch untervermietet, weshalb ich mich erstmal für einige Tage bei meinen lieben Eltern einquartierte. Die folgenden Tage verbrachten wir dann Ostern im Familienkreis und das sogar weitgehend harmonisch und ich lebte mich überraschend schnell wieder ein. Überraschenderweise litt ich sogar fast gar nicht unter dem Jetlag, abgesehen davon, dass ich noch regelmäßig um 5 Uhr morgens wach wurde und dann aber einfach frühmorgendlich aufstand und den Tag begann.
Insgesamt fühlte es sich doch sehr gut an, wieder hier zu sein und das Abenteuer fürs erste hinter mir zu lassen im Austausch gegen Komfort, Sauberkeit und Gewohntes. So großartig die Reise gewesen war, war nun einfach der Punkt erreicht, wo ich genug hatte und voll war von Erlebnissen. So war mir die Rückkehr nicht mehr schwer gefallen.

Dazu sei aber auch gesagt, dass meine Reise auch einige Planänderungen beinhaltet hatte und damit sehr viel mehr Eindrücke mit sich gebracht hatte, als ursprünglich geplant. Myanmar etwa war ursprünglich ja gar nicht eingeplant gewesen. Hier ein Abgleich von Plan und Ergebnis:

Nun ein kleiner Abgleich mit meinen ursprünglichen Zielen für die Reise. Die vier Ziele waren gewesen:

  1. Persönliche Herausforderung und Abenteuer.
  2. Selbstfindung und Selbstbesinnung, Meditationsretreat
  3. Relaxen, Spaß und Sonne
  4. Produktiv sein, Krams erledigen und Sachen schreiben

Ich würde sagen, "1." wurde definitiv übererfüllt in Form von zahlreichen Rollertouren, wilden Schlangen oder abenteuerlicher Lebensmittelhygiene. Davon habe ich auch wirklich erstmal genug und freue mich, wieder in der Ordnung und Sicherheit Deutschlands zu sein ;-)

"2." wurde auch ausreichend erfüllt. Insbesondere bei den Reisen alleine blieb mir viel Zeit zur Selbstbesinnung und Reflexion, die mir auch ein paar neue Einsichten erbrachten. Bedauerlich ist natürlich, dass der Meditationsretreat in Indien ausgefallen ist, den ich eigentlich als einen der Höhepunkte der Reise geplant hatte, aber ich denke, das werde ich in nicht allzu ferner Zukunft nachholen. Und immerhin hatte ich ja noch den Kurzretreat in Chiang Mai eingeschoben, dem ich eine neue, deutlich kritischere Perspektive auf den praktizierten Buddhismus zu verdanken habe. Aber auch die Reise mit Joanna hatte mich diesbezüglich vorangebracht und mir neue Perspektiven und Erfahrungen gebracht.

"3." kam auch nicht zu kurz, schließlich gab es Sonne und Strände im Überfluss.

Lediglich "4." blieb hinter den Erwartungen deutlich zurück und ich hatte bei den beiden Organisationen, bei denen ich aktiv bin, zwar weiterhin dringende EMails beantwortet und an ein paar Skype-Konferenzen teilgenommen, aber ansonsten quasi keine der Aufgaben erledigt, die ich mir vorgenommen hatte. Dies war aber (wie ich zumindest glauben möchte) zu einem Großteil auch dem weitgehend katastrophalen Internet geschuldet, denn diese Aufgaben gestalten sich sehr leidig bei 10 Kbit Surfspeed :-/

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal um Verzeihung bitten, bei allen Freunden, die ich teilweise stark vernachlässigt habe. Vor allem in der zweiten Reisehälfte habe ich mit kaum jemanden geskypt oder Kontakt gehalten aber eben auch weil ich aufgrund der schlechten Verbindungen zu viele frustrierende Skype Sessions hatte und dann irgendwann resigniert habe ...und Joanna verlangte schließlich auch nach meiner vollen Aufmerksamkeit ;-)

Außerdem möchte ich nun noch gaaaanz exklusives Bildmaterial freigeben - Es sei an dieser Stelle auch noch gesagt, dass ich mittlerweile ernsthaft eingestehen muss, von Karl geläutert worden zu sein: Selfie-Sticks sind ultrageil!

Abschließend nun auch noch ein paar Worte zu den Gesamtkosten der Reise, die ich nun gut überblicken kann. Insgesamt waren das allen in allem nur 3500€ und damit im Grunde nicht einmal sehr viel mehr, als ich in Deutschland in 3 Monaten ausgebe. Davon fielen fast ein Drittel auf Flugkosten, die insbesondere durch den ungeplanten Abstecher nach Myanmar nochmal in die Höhe getrieben wurden. Dabei ist auch zu bedenken, dass ich eigentlich immer ein eigenes Zimmer hatte, dauernd in Restaurants essen war und mir einige Sonderausgaben gönnte und Souvenirs kaufte. Mit etwas mehr Sparsamkeit wäre das noch deutlich günstiger gegangen. Ich schätze, für 400€/Monat kann man in den Ländern gut leben wenn es drauf ankommt (ohne Flugkosten).
Fazit hier: Wer eine ähnliche Reise in die Gegend gerne machen würde, der sollte sich von den Kosten wirklich nicht abschrecken lassen!

Wie geht es nun bei mir weiter?
Ich habe auf jeden Fall entschieden, erstmal nicht zu promovieren, und meine ganze Energie dem Aktivisten-Dasein in Monetative e.V. sowie Netzwerk für Plurale Ökonomik zu widmen, und mich damit dafür einzusetzen, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Seit ich zurück bin, bin ich auch schon voll involviert und damit ziemlich beschäftigt.
Ansonsten bin ich recht optimistisch, dass sich in den nächsten Monaten dabei irgendeine Einkommenquelle auftut, sodass ich dann vom Aktivistendasein auch leben kann ;-)
Wenn die Zeit kommen sollte, da mein Engagement in diesen Organisationen sich nicht mehr passend anfühlt, kann ich mir aber auch gut vorstellen, irgend etwas eigenes zu starten und aufzubauen - was auch immer das heissen mag...
Mal schauen, was die Zukunft bringt :-)

Und auch wenn ich gerade erstmal genug vom Reise habe, so kann ich mir doch gut vorstellen, dass mich in 2 Jahren wieder das Reisefieber packt und hinauszieht. Da ich diesmal sehr viele Städte und Kultur gesehen habe, würde ich beim nächsten Mal einen stärkeren Fokus auf Natur und Wanderungen legen und könnte mir sehr gut vorstellen, dafür nochmal nach China und/oder Taiwan zu reisen. Wir werden sehen ;-)

Denn das Gesamtfazit ist wie immer: Taiwan ist Beste!

Euer Lino

Und zum Abschluss noch die crème de la crème bisher unveröffentlichter Aufnahmen: