In der Geisterhauptstadt Naypyitaw

Von Yangon aus ging es weiter mit dem Bus zur offiziellen Hauptstadt Myanmars, nach Naypyitaw. Für die knapp 250km brauchte der Bus schön 6 Stunden und damit die Fahrt auch ordentlich Spaß macht, wurden wir durch einen Frontfernseher in angemessen hoher Lautstärke mit einem burmesischen Film beschallt. Dabei war festzustellen, dass die burmesische Filmindustrie in den 90ern festzuhängen scheint - denn der Film war extrem albern-kindisch, die Leute hatten komische Frisuren, präsentierten andauernd ihre Sonnenbrillen und generell schienen sehr primitive Vorstellungen von Romantik vorzuherrschen.

In der Busstation von Naypyitaw angekommen, mussten wir erstmal hart mit den Taxifahrern feilschen, welche für die Fahrt zum Hotel umgerechnet 10€ forderten, was den Kosten für die 6h Busfahrt entsprach und uns sehr unrealistisch erschien. Nach einigem Verhandeln und etwas Recherche stellten wir jedoch fest, dass das Hotel tatsächlich ein ganzes Stück entfernt war. Generell scheinen die Busstationen in Myanmar immer schön unpraktisch sehr weit abseits der Stadtzentren gelegen zu sein :-/

Und generell scheinen die Leute in Myanmar eine irrationale Abneigung gegen Helme und Anschnallgurte zu haben. Die Anschnallgurte für die hinteren Sitze in Taxis werden hier regelmäßig deaktiviert oder entfernt und in einem Taxi war der Anschnallstecker im Vordersitz sogar durch einen Plastikstecker in Katzenform blockiert. Als ob man mir einen extra Service bietet, dadurch dass ich mich nicht anschnallen kann – wtf?!

Vorab aber noch ein paar Hintergrundinfos zu Naypyitaw: Vor 20 Jahren existierte Naypyitaw schlicht noch nicht, denn erst 2002 wurde der Bau der Stadt von der Militärregierung Myanmars heimlich begonnen. 2005 wurde diese dann offiziell eröffnet und zur neuen Hauptstadt ernannt und der gesamte Regierungsapparat dorthin verlegt.

Bei der Fahrt zum Hotel hatten wir dann erste Einblicke in diese Absurdität von Myanmars Regierung. So fuhren wir am neuen, gewaltigen Regierungspalast vorbei, der aber hinter hohen Zäunen und Schutzgräben geschützt war. Davor war eine riesige Strasse mit 10 Spuren JEWEILS für beide Fahrtrichtungen! Und das absurdeste: Die Strasse war völlig leer – man hätte dort Fußball spielen können und wäre von den vereinzelten Autos ab und an kaum gestört gewesen.

Weiter ging es vorbei an massenhaft gepflegten Grünanlagen an den Strassenrändern, die offensichtlich sehr viele Arbeitsplätze schaffen, denn wir sahen sehr viele Burmesen, die diese Anlagen bewässerten. Die mittlerweile nur noch je 4 spurigen Strassen waren weiterhin jedoch völlig menschenleer.
Naypyitaw ist in mehrere Zonen sortiert und so gibt es das Ministerienviertel, eine Hotelzone, eine Einkaufszone etc. und als wir schließlich die "Hotelzone" erreichten, kamen wir an vereinzelten riesigen Hotelbauten vorbei. Als wir bei unserem Hotel ankamen wurden wir in der riesigen (aber natürlich auch menschenleeren) Lobby sehr freundlich begrüßt und zu unserem Zimmer gebracht und es schien a,ls ob wir in dem fetten Hotelkomplex tatsächlich die einzigen Gäste waren – ein Pool für uns allein!
In den nächsten Tagen sahen wir zwar noch ein paar andere Gäste aber es können kaum mehr als insgesamt 5 gewesen sein.
Uns gefiel die Ruhe aber ausgesprochen gut, auch da wir beide noch immer etwas mit Erkältung angeschlagen waren und ich mir auch erstmal eine leichte Magenverstimmung zuzog.

Hier ein paar Impressionen von Naypyitaw:

In den folgenden Tagen chillten wir sehr viel in unserem Hotel und machten eine Rollertour in die Umgebung. Der Term Geisterstadt trifft es auf jeden Fall sehr gut und in einem Reisebericht hatte ich auch Vergleiche mit George Orwells Dystopien gelesen und auch das war sehr passend. 

Naypyitaw ist zugegebenermaßen zentraler gelegen als die vorherige Hauptstadt Yangon aber der wahre Grund für das Ganze Projekt ist vermutlich eher, damit die Sicherheit des Systems vor Volksaufständen zu schützen. Denn Naypyitaw ist so leblos und menschenleer, dass ein Umsturz durch Volksdemonstrationen schlicht unmöglich erscheint – selbst wenn andere Städte „fallen“ sollten, so wäre die Regierung hier immer noch sicher und könnte mit dem Militär andere Orte zurückerobern.

Hier noch ein paar Bilder von der Rollertour:

Naypyitaw ist als Reiseziel auf jeden Fall sehr empfehlenswert für alle, die Ruhe und Einsamkeit suchen. Auch für Fahranfänger und Geisterfahrer sehr geeignet: Wer sich ausversehen auf die Gegenspur verläuft oder in falscher Richtung im Kreisverkehr einfährt, wird den Fehler wahrscheinlich nicht mal bemerken.

Was ich sonst noch los werden will, ist dass das Essen in Myanmar leider nicht so prall ist. Erstens ist in der Regel die Hygiene problematisch und zweitens ist das Essen NOCH fettiger als in Indien. Curry „Myanmar Style“ etwa bedeutet, dass das Essen in Öl ertrinkt und auch sonst ist alles extrem fettig oder gleich frittiert. Die vegetarische Auswahl ist leider auch eher begrenzt und regelmäßig ist meine einzige Option in der Speisekarte mit 100 Fleischgerichten eine vegetarische Nudelsuppe :-/
Dafür sind die Burmesen aber unfassbar freundlich und man wird in der Öffentlichkeit immerzu angelächelt und generell sehr höflich und zuvorkommend behandelt. Außerdem ist Myanmar extrem sicher, sodass man sich nicht dauernd Gedanken um Wertsachen etc. machen muss. Hier noch ein paar letzte Bilder aber das wars auch erstmal - als nächstes kommt dann mein Bericht zu Bagan.