Mumbai 1: Chaos, Cricket und Kino!

Gehupe, Gestank, Chaosund Menschenmassen wohin das Auge blickt - nach Goa hätte der Kontrast, der sich uns in Mumbai bot, wohl kaum größer sein können!

Von Goa aus hatten wir den Nachtzug nach Mumbai genommen. Die Fahrt ging um 19 Uhr abends los, und schön bis 4 Uhr morgens – also 8 Stunden für die ca. 450km. Alle zeitlich günstigeren Züge waren leider ausgebucht gewesen aber immerhin hatten wir noch ein 2. Klasse Ticket bekommen, was die komfortablere Wahl darstellt gegenüber der schlichten und in der Regel überfüllten Sleeper-Class. Die Plätze waren eigentlich ganz gut, nur für mich wie üblich ein bisschen kurz geraten. Schlafen konnte ich aber trotzdem nicht wirklich, auch dank des Lärms und Schaukelns.

Kurz vor 5 Uhr morgens kamen wir endlich todmüde bei unserem Hotel "Elphinstone" an. Auf der Fahrt sahen wir auch einige Leute auf den Gehwegen schlafen und waren sehr froh, das Taxi für die kurze Strecke zum Hotel genommen zu haben, statt zu laufen!
Check-In war offiziell erst ab 12 Uhr, aber wir hatten gehofft, dass man vielleicht Mitleid mit uns haben würde und wir eher ein Zimmer beziehen könnten. Leider hatten wir jedoch kein Glück: Mitleid war zwar vorhanden aber alle Zimmer waren noch belegt. So entschieden wir schließlich, einen frühmorgendlichen Besuch an den nahegelegenen Strand zu wagen.
An dem Strand schienen auch einige Menschen die Nacht zu verbringen und wir beobachteten ein paar kleine Kinder, die dort bei einem Fahnenmast ihr großes Morgengeschäft verrichteten und ein paar Jugendliche die sich im Meer wuschen.
Auch wir versuchten, dort im Sand ein Nickerchen zu machen aber das gelang uns nicht so richtig... 

Als wir zum Hotel zurück fuhren, durften wir dann ab 11 endlich, endlich einchecken, fielen komplett zermatscht in unsere Betten und schliefen erstmal bis 15 Uhr. Der frühe Vogel fängt den Wurm!
Es schien, dass wir uns gewissermaßen einen Zugfahrtjetlag erworben hatten :-/ Die Nachtzugfahrt war damit auf jeden Fall eher mäßig erfolgreich gewesen: Wir hatten bei der Dunkelheit weder etwas von der Landschaft an der Zugstrecke gesehen (die extrem schön sein soll), noch anständig geschlafen und den nächsten Tag konnten wir dann offensichtlich auch nicht so richtig nutzen, weil wir Schlaf nachholen mussten. Top!

Dann wagten wir noch einen kleinen Ausflug in die Nachbarschaft und erlebten das geschäftige Treiben Mumbais. Es war unfassbar viel los auf den Strassen und überall Menschen und dann dieses ununterbrochene Hupen! Als wir an einer Kreuzung standen, schlug Karl vor, einmal zu lauschen, was der längste zeitliche Abstand sei, bei dem wir kein Hupen vernehmen würden. Die Antwort war null. Hup-Pausen gab es nicht! Der einzige Unterschied war die Entfernung aus der man das nächste Hupen wahrnahm - direkt neben einem oder wenn es mal „leise“ war, dann aus 100m Entfernung. Wirklich krass!
Auch olfaktorisch hat Mumbai einiges zu bieten: Die Gerüche reichen von Stinkefuß oder faulen Eiern zu Urin und Autoabgas – mjami!

Bei unserem Streifzug durch Mumbai kamen wir durch eine Gegend, in der es sonderbarerweise zahlreiche Läden für Pokale und Trophäen gab und hatten den überragenden Einfall, einen Pokal für unsere Blobby-Volley Meisterschaften zu besorgen. Von da an trugen wir regelmäßige Blobby-Volley Weltmeisterschaften aus. Den ersten Sieg errang ich, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Den Tag darauf ging es dann aber richtig los. Den Morgen verbrachten wir damit, zu versuchen, ein Zugticket in das nahegelegene Pune zu erwerben, da Karl noch eine weitere indische Stadt außer Mumbai sehen wollte. Eigentlich wollten wir ein Ticket online buchen, da Punkt 10 Uhr am Vortag vor den Zugfahrten immer ein zusätzliches Ticketkontingent bereitgestellt wird, aaaaber da in Indien ja nie irgendetwas nach Plan funktioniert, stellten wir dann fest, dass an diesem Tag Wartungsarbeiten an der Website stattfanden -.-
Also fuhren wir zum Bahnhof und versuchten dort unser Glück. Nach zahlreichem Durchfragen und kurzem Anstellen an komplett überfüllten Schaltern folgten wir schließlich einem Typen, der uns anbot, ein Ticket über sein Reisebüro (gegen geringe Gebühr) zu buchen. Auch das klappte aber (wie fast schon zu erwarten) nicht, da mittlerweile alle Tickets für den Zug, den wir nehmen wollten, ausverkauft waren.
So gaben wir uns erstmal geschlagen und gingen ins Kino! Karl wollte sich nämlich unbedingt den Film „Dilwale Dulhaniya Le Jaayenge (DDLJ)“ reinziehen, da der Film bereits 20 Jahre in Mumbai läuft und einer der berühmtesten Filme Bollywoods ist. Als wir den Kinosaal leicht verspätet betraten, trafen wir auf eine wild pfeifende und johlende Horde Inder, die vor allem in die Hauptdarstellerin vernarrt zu sein schienen, welche Gesangs- und Tanzeinlagen performte. Ansonsten spielte der mittlerweile wohl berühmteste Bollywood Star, Shah Rukh Khan, einen verwöhnten, spätpubertären Macho, der allen auf der Nase rumtanzt. Als er ihre Bekanntschaft macht und sie natürlich auch verarscht und schlecht behandelt, verliebt sie sich in ihn (wie Frauen das ja zu tun pflegen bei dieser Sorte Mann :-P ) und so weiter. 
Da dieser Film aber auch wieder nur in Hindi ohne englische Untertitel war und wir deshalb von den Dialogen leider nichts verstanden, gingen wir nach ca. einer Stunde. Insgesamt war der Besuch aber trotzdem ein ziemlicher Erfolg. Vor allem das Publikum, das die Schlüsselmomente hart abfeierte, gefiel uns sehr gut! Die nächsten Tage hatten wir dann auch direkt einen Dauerohrwurm von der Titelmusik, die Karl uns auch am Handy regelmäßig vorspielte. (zu finden hier, sehr empfehlenswert)
Danach stolzierten wir ziellos über ein nahegelegenes Marktviertel, in dem ein sehr reges Treiben herrschte. Spontan wurden wir in einer Seitengasse auch zu einem kleinen Cricketmatch eingeladen. Das hieß, dass Karl zuerst einem kleinen Jungen mit Cricketschläger den Ball zuwerfen sollte und danach Karl und ich uns gegenseitig den Ball zuwerfen, schlagen und wieder auffangen sollten. Als uns das direkt beim ersten Mal gelang, feierte man uns hart - sehr lustiges Erlebnis!

Hier noch einige weitere Impressionen:

Danach hatten wir das Gefühl, unser Erlebnispensum für einen Tag Mumbai mehr als erfüllt zu haben und fuhren erschöpft zurück zum Hotel, wo wir dann noch ein (zeitlich nicht optimales) Ticket für den Zug am nächsten Tag nach Pune ergatterten.

Das reicht erstmal für einen Blogpost! Zeitnah gibt es hier den bereits fertiggestellten Gastbeitrag von Karl und den zweiten Teil zu unseren Erlebnissen in Mumbai und Pune.
Mittlerweile bin ich aber übrigens bereits in Myanmar, denn es gab ein paar größere Planänderungen – wie es dazu kam, erzähl ich auch in meinem nächsten Post!
Bis dahin!
Euer Lino