In Mandalay

Von Bagan ging es mal wieder mit unserem Reisemittel der Wahl, dem Fernbus, weiter nach Mandalay. Diesmal bespaßte uns der Frontfernseher erstmal eine Stunde mit eintönigem Sprechgesang eines buddhistischen Mönches und dann mit burmesischen Musikvideos – natürlich wieder im 90er Style!
Die Fahrt von ca. 200 km dauerte mal wieder stolze 7 Stunden da der Bus auch diesmal wieder an jeder Ecke anhielt, um Fahrgäste ein- und auszuladen. Ich muss wirklich sagen, dass Myanmar fortbewegungstechnisch eine einzige Katastrophe ist, in diesem Zusammenhang das bisher schlimmste Land. Eigentlich hatten Joanna und ich noch einige andere Orte bereisen wollen, aber das war uns einfach zu anstregend mit diesen verflixten Fernbussen...

Unser erstes Hotel in Mandalay war etwas sonderbar und hatte ein Badezimmer mit gearbeiteten Wänden im Vulkanstil(?) und auch einen etwas strengem Geruch, weshalb wir in ein neues Establishment wechselten, bei dem wir ein Zimmer im 7. Stock auf dem Dach mit Blick über die Stadt beziehen konnten. Der Ausblick war phänomenal und bei einem der regelmäßig auftretenden Stromausfälle (ca. 3 täglich) bot sich uns abends der Blick über eine nun völlig dunkle Häuserfront der Stadt.
Nur leider war im Zimmer die Klimaanlage kaputt und aufgrund der Dachlage heizte es sich unerträglich auf, weshalb wir später dann doch eine Zimmer-Tieferlegung unternahmen.

In den folgenden Tagen machten wir Bekanntschaft mit zwei Rollertaxifahrern, die immer vor unserem Hotel abhingen und ließen uns von diesen zu verschiedenen Orten fahren. Auch in Mandalay herrscht offensichtlich eine irrationale Abneigung gegen effektive Unfallschutzmaßnahmen, denn wenngleich viele Rollerfahrer sich wohl angesichts der Helmpflicht Helme aufsetzen, ließen viele die Verschlusslasche offen, sodass die Helme lediglich lose auf dem Kopf saßen und damit bei einem Unfall wohl davonfliegen und wenig Schutz bieten würden. WTF?

Ein Ausflug an den nahe gelegenen Fluss bot ziemlich krasse Einblicke in die Härte des Lebens einiger Menschen in Burma. Das Flussufer war zugemüllt, Gestank, Lärm, Männer die schwere Säcke und Fässer verluden, kleine Kinder kackten in einen Müllhaufen. Diese Eindrücke waren schon ziemlich krass, wenngleich ich feststellen musste, dass ich bezüglich des Anblicks solcher Armut erschreckenderweise definitiv bereits deutlich abgestumpft bin. Vor meiner ersten Asienreise vor zwei Jahren hätten mich solche Eindrücke wahrscheinlich für einige Zeit komplett fertig gemacht aber jetzt fand ich es zwar durchaus noch extrem unangenehm und nahm die Armut mit meinem rationalen Verstand zur Kenntnis, aber das brach kaum mehr tiefer zu mir durch. Früher hatte ich mich gefragt, wie reiche Leute es in solch armen Ländern fertig bringen, in ihren Luxusautos zum Shoppen zu fahren, wenn nebenan Menschen im Dreck leben und verhungern. Aber wenn man offensichtlich so schnell abstumpfen kann, dann verwundert mich das nicht mehr. Eine traurige Erkenntnis.

Hier ein paar Bilder dieser Eindrücke am Flussufer.

Ein weiteres großes Erlebnis war eine Rollertour in das Örtchen Pyin Oo Lwin, welches uns für seine Natur und einen paradiesischen botanischen Garten empfohlen worden war. Wir heuerten dafür unsere beiden Rollerfahrer an und los ging die ca. 2 stündige Fahrt. Die Fahrt über holprige Strassen und Bergserpentinen auf dem Rollerrücksitz war leider unfassbar unbequem, dazu kam der andauernde Verkehrslärm und ein extremer Dreck und Staub der von den Strassen aufwirbelte. Joanna hatte zum Glück Gesichtsmasken für uns dabei und die ungeschützen Gesichtsstellen waren nach der Fahrt durch eine ansehnliche Dreckschicht schnell deutlich dunkler als die geschützte Mundpartie.

Bevor es zum Botanischen Garten ging, hielten wir noch bei einem kleinen Wasserfall und einem Tempel und als wir schließlich in Pyin Oo Lwin ankamen, waren Joanna und ich beide völlig fertig. Beim Botanischen Garten hatten wir dann auch erstmal kein Interesse an dem Grünzeug und suchten uns stattdessen ein ruhiges Plätzchen, breiteten eine Decke aus und verschliefen erstmal anderthalb Stunden. Als wir aufwachten, war es dann bereits nicht mehr lange bis zur Dämmerung und so tourten wir noch kurz durch den mittelmäßig aufregenden Garten bis wir zu unseren Fahrern zurückkehrten und die Rückfahrt antraten. Der Weg ist das Ziel ;-)
Während der Fahrt wurde es dann auch dunkel und dadurch auf den recht engen Straßen mit einigen fetten Lastern nochmal etwas abenteuerlicher als sowieso schon. Dazu kam auch noch, dass das wenig vertrauenserweckende Gefährt von Joannas Fahrer offensichtlich auch noch ein defektes Licht hatte und als wir endlich zurück beim Hotel heile angekommen waren, waren wir beide wirklich extrem extrem erleichtert! 

Es scheint mir unfassbar, solche Fahrten regelmäßig als Beruf (wie unsere Fahrer) durchzuführen und dass dies für viele Burmesen zum Alltag gehört. Generell habe ich den Eindruck, dass sowas wie Komfort und Fahrsicherheit hier in Burma weitgehend irrelevant ist. Es scheint, die Leute haben andere Probleme, als sich über solch einen "Luxus" zu scheren. Ich kann mich nur zutiefst glücklich schätzen, in einer anderen Lebenswirklichkeit aufgewachsen zu sein.

Hier einige Bilder der Rollertour nach Pyin Oo Lwin:

Am nächsten Tag machten wir noch einen Ausflug zum Mandalay Hill, einem Aussichtspunkt-Tempel über die Stadt und dann wurde es Zeit für den Abschied von Joanna. Für mich ging es weiter nach Bangkok für den Rückflug von dort nach Hause und für Joanna über Chiang Rai in Nordthailand nach Laos. Bisher hatten wir es vermieden, groß über das Ende der Reise zu reden und versucht, stattdessen einfach nur den Moment und die Zeit gemeinsam zu genießen, aber am Tag vor dem Abschied wurde es dann doch ein wenig sentimental. Es war eine großartige Zeit zusammen mit ihr gewesen und nachdem mein Liebesleben das vergangene Jahr eher beschränkt erfolgreich war, war mit der Reise zusammen mit Joanna ein tiefer Wunsch von mir in Erfüllung gegangen.

Am Flughafen erschien mir der Abschied dann aber wiederum sehr unwirklich und ich fühlte mich (ggf. auch da ich mal wieder nicht ausgeschlafen war) ein wenig gefühlstaub. Erst als ich im Hostel in Bangkok angekommen war und alleine im meinem Zimmer lag, überkam mich dann so richtig die Erkenntnis, dass Joanna jetzt erstmal weg ist. Ich schätze, die Chancen stehen aber ganz gut, dass sie mich irgendwann in den nächsten Monaten mal in Berlin besuchen wird.

Hier noch ein paar letzte Impressionen aus Mandalay:

Und abschließend auch noch ein paar kurze Infos zu meinen Ausgaben in Myanmar: Meine Gesamtkosten für einen Monat reisen in Myanmar waren ca. 850€ plus 300€ für den Flug aus Indien nach Myanmar sowie 100€ für den Weiterflug nach Bangkok. Während Fahrtkosten und Verpflegung in Myanmar extrem günstig sind, schlugen vor allem die Hotelkosten ins Gewicht, da man kaum etwas unter 20€ findet. Es scheint von der Regierung eine Art vorgegebene Untergrenze für Hotels für Ausländer zu geben, jedenfalls gibt es quasi keine günstigen Unterkünfte. Dafür ist der Komfort der Unterkünfte wenigstens aber auch entsprechend der Preise recht angenehm.

Das wars erstmal wieder von Mandalay. Gestern hatte ich meinen Rückflug aus Bangkok und bin mittlerweile nach 20h Rückreise wohlbehalten zurück bei meinen Eltern in Hannover angekommen. Einen letzten abschließenden Post zu meiner großen Asienreise wird es aber in den nächsten Tagen noch geben.

Bis dahin!
Lino