In Indien!!!

Indien ist vollkommenes Chaos und das pure Leben!
Gefällt mir sehr gut! :D

Im Flieger aus Bangkok hatte ich tatsächlich den Sitzplatz A1 und bin als allererster dem Flugzeug entstiegen. Der Immigration Officer war aber extrem grimmig: "WHAT YOU WANNA DO IN INDIA?" - "äääh travelling?" - "WHAT YOU WANNA DO IN INDIA???" - "just travelling..." - "hmmmm... WHERE DO YOU COME FROM?" ...
Zum Glück wurde ich aber dann doch reingelassen und weiter ging es mit dem Bus ins Stadtzentrum. Es war bereits ziemlich spät, so gegen Mitternacht und bei der Fahrt düste der Bus über eine Schnellstrasse. Einmal kamen wir an einem umgekippten Kleinlaster vorbei, der die halbe Strasse blockierte, was den Verkehr aber nicht weiter zu stören schien. Fängt schonmal gut verrückt an, dachte ich!

Mein Handyakku war leider leer, sodass ich kein google maps zur Orientierung nutzen konnte. Ich hatte lediglich die Adresse von meinem Hotel und die ungefähre Position im Kopf, was mich ein bisschen hilflos machte. Als ich dann im ungefähr passenden Stadtteil an einer großen Strasse ausstieg war ich erstmal völlig verloren und fragte zwei Inder, die auch ausgestiegen waren um Hilfe. Tatsächlich wollten die beiden zum selben Hotel und luden mich sogar bei der TukTuk Fahrt dahin ein. Super nett und was für ein Glück für mich!

Es hatte sich ergeben, dass ein Chinese, Doaoran, den ich bei dem gescheiterten Meditationsretreat in Chiang Mai kennen gelernt hatte, auch gerade in Bengalore war und er hatte sich im selben Hotel ein Zimmer gemietet, sodass wir uns bei meiner Ankunft in der Lobby trafen und wahrscheinlich die nächsten Tage zusammen verbringen würden (eigentlich wollten wir uns ein Zimmer teilen, aber ich konnte meine Buchung nicht mehr rechtzeitig stornieren).

Daoran

Daoran

Am nächsten Tag gingen wir dann los, um die Umgebung zu erkunden. Als erstes wollte ich mir eine indische SIM Karte zulegen, was wie ich gelesen hatte, ein aufwändiger bürokratischer Akt sei, da diverse Unterlagen und Dokumente und sogar ein Passbild notwendig seien. Der kleine Laden bei dem ich schließlich eine Karte erwarb, nahm die Regierungsauflagen aber scheinbar nicht so genau und wollte dann gar nichts weiter von mir sehen außer eben der Bezahlung für die Karte. Da hatte ich wohl schon wieder Glück gehabt!

Mittlerweile waren wir beide ziemlich hungrig und ich bestellte bei einem Imbiss einen frittierten Teigkloß mit Curry. Zu meinem Unmut, nahm der Verkäufer den Teigkloß mit seinen bloßen Händen (an denen sicherlich viele böse indische Bakterien klebten), legte ihn in eine kleine Schale und zerdrückte ihn freudig mit den Fingern in kleine Teile, um dann das Curry daraufzugießen sowie diverse Gewürze und Marinaden drüberzustreuen und überreichte mir dann die Schale.
Puh - was tun?! Essen oder besser nicht essen?
Die Höflicheit und der Hunger obsiegten und ich aß das Teil, was ausgesprochen gut schmeckte. Dann würde ich die Magenverstimmung eben eher früher als später hinter mich bringen...
Die Inder scheinen übrigens generell mit den Händen zu essen.

Als nächstes ging es in einen nahegelegenen Park wo wir uns auf eine Parkbank setzten und etwas ausruhten. Schließlich kam eine kleine Gruppe Schüler vorbei und einer der Jungen fragte Daoran nach seiner Wasserflasche, welche er in den Händen hielt. Völlig verwirrt gab er dem Jungen die Flasche, welche diese entgegennahm, damit wegging und dann zurück bei seiner Gruppe ordentlich daraus trank. Wir beide waren völlig verwirrt und ich musste laut loslachen - auch aus Schadenfreude, dass es seine und nicht meine Flasche war. Schließlich kam der Junge zurück und gab Daoran nun die fast leere Flasche wieder und ging davon...
Später erfuhren wir von einem Tuktuk Fahrer, dass das in Indien normal sei und man sich von Fremden einfach Wasser geben lasse, wenn man durstig sei. Hier scheint also so eine Art Wasserkommunismus zu herrschen! :D Stark!

Weiter ging es zu einem eindrucksvollen Regierungsgebäude und mit dem TukTuk zu einem Palast, der dann aber leider geschlossen war. Bei dem Palast kam ein TukTuk Fahrer zu uns und bot an, eine Sightseeing Tour für umgerechnet nur 1€ zu machen. Er würde dafür zu Markt, Tempel, Moschee und Gerichtsgebäude fahren, was verdächtig günstig schien. Naja, wir nahmen das Angebot erstmal an und als wir los fuhren, machte ich heimlich ein Foto von seiner ID, die hinten im Wagen klebte und schickte diese an einen Freund - nur zur Sicherheit. Alles lief aber ordnungsgemäß und er fuhr uns zu diversen Sehenswürdigkeiten aber bot dann schließlich an, uns auch noch zu zwei Souvenirshops zu fahren. Die Fahrt sei dann sogar für uns umsonst, da er von den Eigentümern Geld dafür bekäme, wenn er Touris heranbringt. Leicht amüsiert willigten wir ein. Insgesamt fuhren wir dann sogar zu 4 Souvenirläden, die quasi allesamt das exakt gleiche Angebot hatten und deren Verkäufer die krassesten Feilsch-Skills hatten! So kaufte ich dann auch für umgerechnet 3€ einen kleinen Holzelefanten und ein Tuch.
Schließlich ging es zum Hotel zurück und wir mussten tatsächlich nichts für die Fahrt bezahlen! Eigentlich hatte ich ja eher damit gerechnet, dass die Inder die Touris krass ausnehmen aber gegenseitig scheint man das auch zu machen :D Ein etwas schlechtes Gewissen hatten wir beide dann aber irgendwie schon und im Nachhinein würde ich das wohl eher nicht wieder mitmachen - vielleicht schon fairer, wenn die vergleichsweise reichen Touris ausgenommen werden... ;-) 

Hier ein paar Bilder vom ersten Tag:

Am nächsten Tag durfte ich zahlreiche weitere Indien-Klischees erleben:
Erstmal bekam ich vom Hotel eine Wasserflasche, die offensichtlich schon mal geöffnet und aufgefüllt war. Ich war zum Glück vor meiner Reise vor genau dieser Praktik vorgewarnt worden, sodass ich es rechtzeitig bemerkte und eine Neue verlangte.
Dann machte ich einen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Daoran hatte sich bereits eine leichte Magenverstimmung eingefangen und war zurückgeblieben und so machte ich mich alleine auf zu einem Markt. Auf dem Weg sah ich Kühe gemütlich durch die Strassen spazieren und auf die Gehwege scheißen, eine indische Filmcrew, probierte ausgesprochen leckere indische Süßigkeiten, erblickte Berge von Müll, verstümmelte Bettler, verrücktesten Verkehr und eine Studentendemonstration mit Trommeln. Alles war unglaublich lebendig und überall Menschen. Eine Reizüberflutung war quasi allgegenwärtig.
Im Folgenden ein paar Impressionen:

Angenehm an Bengalore ist, dass es kaum Touris gibt und mir am Tag höchstens 10 Exemplare begegneten und alles einen sehr authentisch-indischen Eindruck machte. Ich wurde auch nur sehr selten von Bettlern oder (Teppich-)Händlern bedrängt, was in besser besuchten Städten eine einzige Plage sein soll. Außerdem soll die Stadt für indische Verhältnisse wohl vergleichsweise sauber und ordentlich sein, was mir den Einstieg damit natürlich einfacher macht aber wirklich Böses ahnen lässt bezüglich anderer Städte...

Nachmittags ging es Daoren dann wieder etwas besser und wir entschieden, ins Kino zu gehen und uns einen indischen Film anzusehen, um etwas Bollywood zu erleben. Es lief nur ein Film, sodass uns die Qual der Wahl abgenommen wurde. Dieser lief jedoch nur auf Hindu ohne englische Untertitel aber wir dachten: egal - hauptsache Bollywood! Es fing auch direkt super an, mit einer ordentlichen Tanz- und Gesangseinlage zu indischer Düdelidü-Musik. Danach wurde es aber eher zu einem x-beliebigen Action/Thriller Plot a la Hollywood (es ging um indische Flüchtlinge während Saddam Husseins Einfall in Kuwait und wie der Hauptdarsteller alle rettet) und da wir ja eh nichts von den Dialogen verstanden, hatten wir genug und verließen nach der Hälfte des Films den Kinosaal. Es war aber schon stark, dass die Filmqualität meinem Eindruck nach Hollywood in Nichts nachstand.

Der Film: Airlift

Der Film: Airlift

In den ersten beiden Tagen hatte ich somit bereits die volle Breitseite Indien erlebt :D
Mein Eindruck ist, Indien kann man nur hassen oder lieben - es gibt nichts dazwischen - aber ich gehöre wohl zur zweiten Sorte! :-) Ich hatte vor ein paar Wochen in einem Hörbuch etwas gehört wie "Viele Menschen meinen, die Welt müsste nach Ihren Plänen und Vorstellungen funktionieren (was offensichtlich verrückt ist). Eine gute Übung, um dies abzulegen, ist eine Reise nach Indien, denn in Indien funktioniert nichts nach Plan." :D

Witzig ist auch, dass viele Inder tatsächlich so komisch mit dem Kopf hin und herwackeln wenn man mit Ihnen redet. Ich habe im Internet recherchiert, was das bedeutet, aber bin immer noch völlig ratlos.

Und dann dieser verflixte indische Akzent! -.- Als ich zum Beispiel beim Flughafen angekommen war, bestellte ich bei einem Subway-Laden ein Sandwich aber verstand einfach überhaupt nichts, was der Typ mich bezüglich meiner Belags-Wünsche fragte. Das einzige was ich verstand, war als er seiner Kollegin genervt zuraunte "He doesn't understand me" -.- Vor allem passiert es mir häufig, dass ich nach dem dritten Mal Nachfragen noch immer nichts kapiere, dann einfach okay sage und dann nach einer komischen Pause registriere, dass das keine Frage war auf die ein okay passt...
Ich hatte gedacht, ich würde mich innerhalb weniger Tage daran gewöhnen aber da hatte ich wohl falsch gedacht! :-/

Dafür ist das Essen ein Traum! Ich schätze, die Hälfte der Inder sind Vegetarier, sodass die Auswahl für mich hervorragend ist und egal was ich bisher gegessen habe - es schmeckt fantastisch!
Das Essen ist nur leider verflucht scharf! Egal ob Brot, Curry oder Suppe - alles brennt! Manchmal bekomme ich absurderweise Schluckauf, weil es so scharf ist. Meine Mundnerven scheinen sich durch Thailand aber zum Glück schon etwas angepasst zu haben und zumindest verschwindet der Schmerz mittlerweile relativ schnell...
Manchmal hatte ich auch schon ein komisches Gefühl im Verdauungstrakt und dachte dann, jetzt kommt der Dünnpfiff, was sich dann aber nur als "Nachbrenner" herausgestellt hat :D

Ich bin tatsächlich sehr überrascht, dass ich es mittlerweile schon 4 Tage in Indien geschaffte habe, noch keine schwere Magenverstimmung zu entwickeln. Mein Verdauungstrakt verdient meinen vollsten Respekt! Auf Rat eines Freundes aus Norwegen hattee ich die letzten Tage auch schon vorbeugend Kapseln mit probiotischen Bakterien eingenommen und vielleicht war das auch eine gute Sache...

Hier noch ein paar Bilder vom indischen Essen!


Genug fürs Erste! Schüss!