Im Elephant Nature Park!

Da meine zurückliegenden Erlebnisse im "Elephant Nature Park", einem Elefantenreservat dermaßen beeindruckend waren, gibt es jetzt schon wieder einen Blogpost!

Reparierte Frisur

Reparierte Frisur

Der erste Tag zurück in Chiang Mai war nicht besonders erlebnisreich, da ich hauptsächlich ein paar Dinge erledigte, Emails beantwortet und z.b. 3kg dreckige Wäsche zu reinigen hatte. Highlight des Tages war es aber immerhin, dass ich es erfolgreich schaffte, meinen Haarschnitt zu reparieren, indem ich die Seiten etwas kürzen liess und meine Frisur somit jetzt in militärisch ordentlicher Kürze erstrahlte.

Als ich vor einer Woche den Chiang Mai den Zoo besucht hatte, gab es auch schon die Möglichkeit, für nur 4€ einen kurzen Elefantenritt zu machen, aber da die Tiere dort in Ketten lagen und nicht allzu glücklich aussahen, hatte ich mich dazu durchgerungen, diesem Angebot trotz des Wahnsinnspreises zu entsagen. Später hatte ich dann aber im Internet nach ethischeren Alternativen gesucht und war dabei auf den "Elephant Nature Park" gestoßen. Der Park war von einer mehrfach ausgezeichneten Tieraktivistin gegründet worden und nahm sich primär verletzen oder misshandelten Elefanten an, aber auch zahlreiche Hunde, Katzen und andere Tiere finden dort ein Zuhause.

Ich hatte schon ein paar Tage mit mir gerungen, ob ich den Elephant Nature Park besuchen sollte, da der Preis von ~60€ für einen Tag mir recht üppig erschien, aber hatte mich dann kurzerhand doch noch dafür entschieden und das war eine sehr gute Entscheidung.

Morgens ging es mit dem Minibus los. Auf der Fahrt gab es noch einen kleinen amüsanten Info-film über den Park und die Verhaltensregeln: immer in Sichtkontakt der Elefanten stehen, nur interagieren wenn der Mahout (der persönliche Führer jedes Elefanten) dabei ist, nicht ärgern, immer achtsam sein ;-)

Dann kamen wir an und vor uns lag der Park mit weiträumigen Landschaften und einer eindrucksvollen Wildniskulisse. Als erstes durften wir die Dickhäuter von der Gebäudeveranda aus mit Wassermelonenstückchen füttern, sodass der rote Saft den Tieren nur so aus den Mäulern floss. Elefanten fressen wohl täglich ein Zehntel ihres Gewichts, haben auch eine sehr schnelle Verdauung und essen (und kacken) daher quasi den ganzen Tag.
In meiner Besuchergruppe waren noch 10 andere Leute und als nächstes ging es mit unserem Guide zu einer Führung durch die Anlage und zu verschiedenen Elefanten, von deren Hintergrundgeschichten und Erlebnissen er uns erzählte. So gab es zum Beispiel einen Elefanten, der von seinem Besitzer zur Strafe die Augen zerstochen bekommen hatte und nun blind war und mehrere Exemplare die von Landminen schwere Fußverletzungen hatten. Entsprechend wurde uns auch gesagt, dass einige Elefanten aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit Menschen weniger freundlich als andere seien und wir uns vor diesen Exemplaren eher zurückhalten sollten. Elefanten werden übrigens ähnlich alt wie Menschen, ein Exemplar das man uns zeigte war auch schon 70 Jahre alt. Interessanterweise verlieren Elefanten mit dem Alter auch ihre Zähne, was in der Natur dann normalerweise den Tod bedeutet aber in der Anlage bekamen die "Senioren" extra geschälte Wassermelonen, gekochten Kürbis oder Reisbällchen.

Hier ein paar Impressionen:

Dabei war ich überwältigt von der Atmosphäre der Anlage und wie liebevoll mit den Tieren umgegangen wurde. Es machte tatsächlich den Eindruck, dass diese Anlage primär den Tieren diente und die Besucher nur als Finanzierung für die Elefanten dienen und gerade nicht die Elefanten lediglich als Unterhaltung für die menschlichen Besucher. Daher werden in der Anlage auch keine Elefanten geritten, was ich ursprünglich etwas bedauert hatte, aber im Nachhinein war es viel besser so - nämlich gerade nicht die Tiere zu dominieren und zu benutzen, sondern auf Augenhöhe mit Ihnen in ihrer vollen Kraft zu interagieren. Genau so sollte die Beziehung zwischen Mensch und Tier aussehen.

Es war für mich ziemlich beeindruckend, die Tiere so frei und voll in ihrem Element zu sehen, in ihrer vollen Kraft und Schönheit. Dieses Erlebnis hatte eine ganz andere Qualität als etwa der Zoobesuch und auch die wunderbar gelebten Ideale des Parks berührten mich sehr.

Zur Stärkung gab es mittags ein sehr umfangreiches Buffet (natürlich vegetarisch) und dann ging es weiter mit der Führung zu einem Jungtier. Auch das war ziemlich stark, denn das Tier war unglaublich verspielt, kaum anders als ein Hunde- oder Katzenbaby. So rollte es einen Autoreifen vor sich her, zog wild an einem Seil herum in dem es sich dann regelmäßig verhedderte, rannte auf Besuchergruppen zu, um mit diesen zu toben (zu deren Schrecken) und strotzte nur so vor Energie.
Einmal ergab sich dabei eine ziemlich krasse Situation, in der das Junge energisch auf eine Gruppe zueilte und eine ältere Frau beim Zurückweichen stolperte, hinfiel und sich dabei scheinbar verletzte, da sie liegen blieb. Die Mahouts scheuchten den Elefanten von der Frau weg und im nächsten Moment war das Elefantenjunge von drei Hunden umgeben die neben ihm herrannten und seinem peitschenden Rüssel auswichen und dann trötete aus der anderen Richtung auf einmal lautstark einer der erwachsenen Elefanten und alle waren in heller Aufregung! :D
Es ist aber nichts weiter passiert und in den mittlerweile 20 Jahren des Parkbestehens wurde wohl auch noch kein einziger Mensch von Elefanten verletzt, da man schon sehr vorsichtig ist. Also alles tutti ;-)

Dann gingen wir weiter zu einem anderen Ort mit einer Wasserstelle, wo noch ein anderes Elefantenjunges war und auch dort ereignete sich ein aufregender Vorfall. Wir waren auf einem kleinen Aussichtspunkt und beobachteten die Tiere als in der Ferne ein Mann hervorkam. Als das Elefantenjunge ihn sah, rannte es auf ihn zu und scheinbar alarmiert, röhrte einer der älteren Elefanten und plötzlich setzte sich die ganze Horde in Bewegung auf den Mann und das Junge zu. Man hatte uns erzählt, dass die Herde sich typischerweise bei der kleinsten Gefahr schützend um das Junge stellen würde, um Angreifer abzuwehren und das war es offensichtlich, was gerade passierte, nur dass dieser vereinzelte Mann nun auch mittendrin in dem Meer aus Dickhäutern verschwunden war. Ich wurde bereits etwas verstört, aber unser Guide war völlig relaxed und erzählte uns, dass der besagte Mann der Ehemann von der Parkgründerin sei und keine Angst vor den Tieren habe - alles kein Problem. Kurz darauf tauchte der Mann auch wieder auf und später sah ich ihn auch nochmal aus der Nähe, vollgeschlammt und breit grinsend neben einem der Tiere sitzen. Starker Typ!

Zum Abschluss war Elefanten-Waschen angesagt. So bekamen wir jeder einen bunten Eimer und im anliegenden Flussufer bekam ein größeres Exemplar einen Trog mit Wassermelone vorgesetzt und während er so vor sich hin fraß bespritzen wir ihn mit Wasser, um ihn in der warmen Sonne ein wenig abzukühlen - zumindest bis er davon genug hatte und davon trottete.

Damit hatte der Ausflug sein Ende und zurück ging es mit dem Minibus in die Stadt.
Was für ein Tag!