Abschied von Thailand: Bars, Bahn und Bangkok

Nach dem Elefantenreservat gab es für mich den restlichen Tag noch einen krassen Kontrast zu erleben: Da ich alter Partybär es geschafft hatte, in knapp einem Monat Thailand kein einziges Mal abends auszugehen, beschloss ich einen Ausflug in die Barszene zu machen und spazierte in die nahegelegene Partymeile. Dort reihte sich eine Bar an die andere und bot mir ein neues Gesicht von Thailand: Zahreiche "Bar Girls" standen an den Eingängen der Lokale und waren aggressiv auf Besucherjagd. So wurde mir schon mal der Weg versperrt, der Arm festgehalten und auch einen Griff an den Po und von einem Ladyboy auch gleich in den Schritt musste ich über mich ergehen lassen. In den zahlreichen Massagesalons, in denen tagsüber eher ältere Frauen und Männer arbeiteten, standen jetzt vor allem junge Frauen, was mich vermuten ließ, dass nun auch gewisse andere Dienste im Angebot waren. Das Bild hatte sich somit ziemlich gewandelt!
Schließlich endete ich dann bei einem Thaibox-Ring und da ich mir noch nie irgendeine Art Kampfsport-Wettkampf live angeschaut hatte und ich auch dachte, dass sei ein guter Abschluss meiner Thailand Reise holte ich mir für 5€ ein Ticket und schaute dem Spektakel zu. Beim ersten Kampf ging es recht langsam und vorsichtig los, eskalierte dann aber immer weiter und endete schließlich in der dritten Runde, da sich einer der Kontrahenten den Arm verletzt (gebrochen?) hatte. Dann kam ein eher komisch-absurdes Getümmel mit 4 Typen von denen dreien die Augen verbunden wurden, sodass es ein orientierungsloses Luftschlag-Chaos gab und die Kämpfer sich teilweise in einem wilden Knäuel auf dem Boden rauften.
Der dritte Kampf hatte es dann in sich: Ein hämisch grinsender Thai wie aus dem Film gegen einen etwas stämmigeren Südländer. Und BAM BAM BAM wurden die Schläge verteilt. Ziemlich krass was die Typen so einstecken konnten! In der dritten Runde ging der Thai dann aber K.O. zu Boden und ich hatte auch erstmal genug.

Ich muss zugeben, dass mich die Kämpfe durchaus ziemlich fasziniert und gepackt hatten aber gleichzeitig fand ich es auch ziemlich abartig, so auf sich einzudreschen - wie ein modernes Kolosseum halt...

Für den Abend hatte ich damit genug erlebt und trat den Nachhauseweg an, auf dem ich dann auch nochmal einige offensive Bar Girls zurückweisen musste.

Am nächsten Tag (Sonntag) überfraß ich mich mittags erstmal völlig bei einem Indischen Restaurant. Danach musste ich mich vom Fresskoma auch erstmal ein paar Stunden ausruhen. Abends ging ich dann noch zu einem extrem großer Markt in der Nähe und kaufte mir für je ca. 3€ ein Schal-Tuch-Irgendwas und zwei T-shirts als Souvenirs für meine Reise. Es gab unglaublich viele verschiedenste Sachen und wenn ich nicht noch 2 Monate Reisen vor mir gehabt hätte, hätte ich mir die Taschen wahrscheinlich mit Souvenirs vollgepackt...
Als ich so durch den Markt spazierte, ertönte eine Lautsprecherdurchsage und plötzlich blieben alle wie erstarrt stehen (und ich dann auch) - es wurde nämlich die Thailändische Nationalhymne gespielt! Wie ich dann erfuhr, geschieht das auf öffentlichen Plätzen täglich um 8 Uhr morgens sowie 18 Uhr abends. Das wäre doch vielleicht auch mal was für Deutschland - fände die AfD bestimmt super! :D

Ich hatte tagsüber viel über das Geschehen des vorigen Abend in der Barszene nachgedacht und beschloss schließlich, noch einen weiteren Ausflug dorthin zu machen, um mir das Geschehen etwas aus der Nähe anzusehen und mich mit einem Bar-Girls zu unterhalten und sie etwas auszufragen. Das Ganze war mir aber dermaßen unangenehm, dass ich mehrere Anläufe brauchte, bis ich es schließlich über mich brachte, eine der besagten Bars zu betreten. Der Laden war nach draußen offen, es gab gerade Live-Musik und alles schien wie eine x-beliebige Bar, nur eben dass am Eingang einige der besagten Damen standen und so erkennbar machten, dass man hier noch mehr als nur Getränke bestellen konnte. So setzte ich mich an einen Tisch, bestellte eine Sprite und Fritten und wartete bis schließlich eine Thailänderin zu mir kam und fragte ob sie sich dazusetzen könnte. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde (sie war 21) kam dann auch gleich die Frage ob ich einen "horny evening" hätte, woraufhin ich mich entschuldigte, dass ich für so etwas nicht gekommen sei und ich mich nur unterhalten wolle. Ich hätte das Mädchen eigentlich zu gerne über ihren Job, ihr Leben und das ganze Geschehen ausgefragt aber ihr Englisch war leider sehr brüchig, sie war ganz neu in der Stadt und hatte den Job wohl erst vor 2 Tagen angefangen und wir fühlten uns beide offensichtlich extrem unwohl in unserer Haut. Die anderen Bar-Girls an den Nebentischen schienen deutlich lockerer und lachten und flirteten mit ihren Gästen (viele Männer zwischen 40-60) und ich vermutete, dass das Mädchen mir zugewiesen worden war, weil ich eher harmlos, jung und freundlich aussah und damit vielleicht besser geeignet für ihren "Berufseinstieg" als die älteren Herren. Ich gab ihr dann noch einen überteuerten "Lady-Drink" aus (das muss man scheinbar so machen als Preis für die Unterhaltung), während sie immer näher rückte und mein Bein betätschelte, was ich versuchte, freundlich zurückzuweisen. Nach noch ein bisschen kränkelndem Small Talk (ihr Lieblingssänger war tatsächlich Rod Stewart!) trat ich dann auch den Rückzug an.
Heilige Scheiße - ich hatte mich wirklich schon lange nicht mehr dermaßen unwohl gefühlt!

Ich habe mir mittlerweile viele Gedanken zu der Thematik gemacht und habe überlegt, ob ich hier einen kleinen Aufsatz schreibe aber mich dagegen entschieden. Nur kurz sei gesagt, dass ich zwar schon den Eindruck habe, dass für viele Thailänderinnen ein Job als Bar-Girls (gegeben die Berufsalternativen) wahrscheinlich durchaus oft eine Chance darstellen kann, der Armut zu entfliehen und wohl auch gar nicht so selten funktionierende Pärchen zwischen den (vergleichsweise) reichen, weißen Männern und hübschen, jungen Thailänderinnen entstehen, was eine win-win Situation ergeben kann.
ABER insgesamt ist das Ganze in meinen Augen auch einfach extrem abgefuckt! So wie ein Organhandel mit einer verhungernden Person auch komplett abgefuckt ist (vielen Dank an JiaXiaSha für diesen schönen Vergleich!).
Die extreme Ungleichheit zwischen den Ländern hat ihre Wurzeln definitiv auch in der historischen Ausbeutung und Kolonialisierung und andauernden institutionalisierten Machtstrukturen. Wer wo geboren wird und damit eben reich oder arm ist, ist letztendlich weitestgehend purer Zufall. Der Zustand, dass die mit dem glücklichen Los, in andere Länder reisen können, um sich eine schöne Frau zu "kaufen" hat etwas ziemlich menschenverachtendes an sich und selbst wenn eine Heirat mit einer Thailänderin deren Los objektiv verbessern kann, so erscheint es mir einfach falsch. Sollten wir Privilegierten unsere Mittel nicht viel eher darauf verwenden, das Leben der anderen zu verbessern, die Ungerechtigkeit abzumildern und uns damit würdig erweisen für unser glückliches Los und uns nicht mit dem Geld eine günstige Frau kaufen?

Am nächsten Tag, Montag ging es schon weiter mit dem Zug nach Bangkok. Überraschenderweise startete der Zug seine Reise sogar eine Minute zu früh, was wie ich hoffte, ein gutes Omen war. Der Zug tuckerte die nächsten Stunden mit gefühlten 30kmh vor sich hin aber bei der zweiten Fahrthälfte nahm er an Fahrt auf und fing krass an, hin und her zu wackeln. Als ich dann einmal zur Toilette ging, um meinem Außenminister die Hand zu schütteln, war das schon eine gewisse Herausforderung bei extremsten hin und her Geschwanke.

Brennende Felder

Brennende Felder

Übrigens stoße ich mir ungefähr ca. einmal täglich den Kopf (auch im Zug)...

Da ich in Bangkok erst abends (sogar relativ pünktlich) ankam, blieb nicht mehr viel zu tun aber für den nächsten Tag machte ich ein bisschen Sightseeing und besuchte einen Park und eine Schlangenfarm. Vor allem die Schlangenfarm war ziemlich cool und hatte eine Show, bei der Tiere diverser Größen und Aggressivitäts-Persönlichkeiten präsentiert wurden. Auch identifizierte man für mich die Schlange, die mir auf der Strasse von Pai begegnet war als nicht giftig. Wäre ich gebissen worden, dann hätte ich aber Glück gehabt!

Abends ging dann bereits mein Flug nach Indien und die Anreise zum Flughafen schaffte ich für nur 2,50€! 2€ für ein Rollertaxi zu einer Busstation und 0,50€ für die 90min Busfahrt zum Flughafen!

mit dem Rollertaxi Richtung Flughafen! Die Roller haben den Vorteil, dass sie zwischen den ganzen Autos einfach vorbeiziehen und so sehr viel schneller unterwegs sind - vor allem in der Rush-Hour wenn alles steht.

mit dem Rollertaxi Richtung Flughafen! Die Roller haben den Vorteil, dass sie zwischen den ganzen Autos einfach vorbeiziehen und so sehr viel schneller unterwegs sind - vor allem in der Rush-Hour wenn alles steht.

Somit hatte ich einen Monat Thailand bereits hinter mir liegen - unglaublich! Und an dieser Stelle muss ich auch nochmal zwei Aussagen aus vorherigen Blogposts revidieren:

Erstens muss ich zurücknehmen, dass Thailand mich nicht berührt hat, denn mittlerweile hat es das! Vor allem die Fahrt nach Pai hatte etwas magisches und auch das Gesamtpaket, die Vielfalt und die vielen exotischen Tiere waren großartig!
Ich denke, Thailand ist als bewährtes Reiseziel extrem lebenswert und vergleichsweise einfach, komfortabel und sicher. Die Menschen sind nett, die Natur überwältigend, das Leben günstig.

Zweitens muss ich wohl auch korrigieren, dass der Sextourismus nicht so präsent ist. Die Einschätzung war wohl etwas vorschnell und verzerrt durch meinen gering ausgeprägte Partytrieb.

Nun ein paar Infos zu meinen bisherigen Reisekosten: In Thailand habe ich ziemlich genau 1000€ ausgegeben, ausgenommen die Flüge, die 360€ für den Hinflug, 70€ für den Flug nach Chiang Mai und 100€ für den Flug nach Indien. Geht eigentlich ziemlich klar! Ich schätze, Indien wird sogar noch ein bisschen günstiger, vielleicht 800€ im Monat - mal schauen.

Und zum Abschlus noch kurz meine Pläne für Indien: Als erstes geht der Flug nach Bengalore, dann werde ich weiterziehen an die Küste nach Goa, wo mein Kumpel Karl in anderthalb Wochen dazustoßen wird und dann werden wir etwas Strandurlaub machen und uns an der Küste gen Norden nach Mumbai bewegen. Von dort wird Karl wieder nach Deutschland zurückfliegen und ich werde in der Nähe von Mumbai den ursprünglich geplanten 10 Tage Vipassana-Meditationsretreat machen (wenn ich durchhalte). Mitte-Ende März geht es dann für mich zurück nach Deutschland, vielleicht noch mit einem Zwischenstop in Dubai um das höchste Gebäude der Welt, das Burj Khalifa, zu erklimmen. So zumindest der Plan...