Hart chillen in Bengalore

Jetzt bin ich schon eine Woche in Indien und es wurde hart relaxt!

Ich hatte es irgendwie schon wieder geschafft, mich leicht zu erkälten und daher bin ich die letzten Tage eher ruhig angegangen, habe viel gelesen und gechillt und in sehr angenehmen Hotelzimmerchen verbracht. Meine täglichen Ausgaben waren ziemlich minimalistisch: 8-13€/Tag für drei-Sterne Hotelzimmer inklusive Frühstück und dann nochmal so 4€ für 3 Mahlzeiten plus ggf. nach einem längeren Spaziergang durch die Nachbarschaft eine TukTuk-Taxifahrt zurück zum Hotel für nochmal 1€. Also wenn es drauf ankäme, könnte man hier für 15€ durchaus sehr angenehm über die Runden kommen.

In meinem letzten Post hatte ich einen Hörbuch Ausschnitt zitiert, dass in Indien so viel schief laufe und das kann ich mittlerweile sehr bestätigen. Ich war zwar nicht allzu aktiv die letzte Woche und daher gibt es eigentlich gar nicht so ausgesprochen viel, was schief laufen konnte, aber wo es ging da läuft es schief! So wird regelmäßig mein Frühstück vergessen, falsche Bestellungen gebracht, das WLan geht kaputt, die Hotelbuchung ist fehlerhaft etc. etc. Und auch in den 3-Sterne Hotelzimmern ist bei einem genaueren Blick immer sehr viel verhunzt: Im Bad ist alles undicht und überflutet, das Fenster schließt nicht, Brandloch im Bettlaken, Dreck auf den Möbeln, Schimmel in irgendeiner Ecke…

8€/Nacht! aber der erste Eindruck trügt über die ganzen verhunzten Details weg ;-)

8€/Nacht! aber der erste Eindruck trügt über die ganzen verhunzten Details weg ;-)


Bisher bin ich aber fast schon von mir selbst überrascht, wie locker ich diese Dinge nehme. Ich denke meist, „es is wies is“ und grinse in mich hinein. Hilft ja eh nichts sich aufzuregen ;-)
Lediglich etwas Stress bekomme ich noch manchmal wenn ich Pläne schmiede, wann ich was machen will und dann beispielsweise befürchte irgendwo zu spät zu kommen oder einen Bus zu verpassen will oder sowas. Mal gucken, ob ich es schaffe, mit diesem deutschen Pünktlichkeitswahn auch noch einen etwas lockereren Umgang zu finden...

Nachdem ich letztes mal so positiv über das Essen geschwärmt habe, hat sich die Situation hier aber leider ein wenig geändert. Scheinbar war eine Woche lang drei mal täglich irgendwelche Currys essen dann doch zu viel, denn auf einmal hängt es mir schon fast zum Hals raus -.-
Ich glaube das Problem ist, dass das Essen einfach zu fettig und scharf ist. Wirklich alles schwimmt im Fett, egal ob indisches Brot, Reisgerichte oder Omelette. Sogar viele der Süßigkeiten bestehen scheinbar aus einer Art Butterschmalz namens Ghee wie ich gelesen habe...
Darauf hat mein Körper jetzt scheinbar keinen Bock mehr und resigniert ein wenig und ich stelle bedeutend weniger Appetit fest als noch in Thailand wo ich mit dem Essen zeitweise kaum hinterher kam.
Wobei ich bei den letzten Gerichten aber auch manchmal einfach Pech hatte und an Dinge geraten war, die einfach nicht so lecker waren. Es ist auch ein bisschen wie Vokabeln lernen mit den ganzen Essensnamen, ich habe teilweise wirklich die Speisekarten fotografiert und dann zurück im Hotel die ganzen Namen gegoogelt: Thali, Dosa, Palak, Idly…
Zuletzt habe ich daher dann versucht auf etwas andere Gerichte auszuweichen und war zweimal Chinesisch essen. Aber worauf ich mittlerweile mal wieder richtig Bock hätte, wäre schööön deutsches Körnerbrot. Und dazu etwas leichte Rohkost, so ein hübsches, saftiges Möhrchen zum Beispiel! Mmmmmmmmh :D ...klingt komisch, ist aber so!
Wie Helge Schneider schon sagte „Tu mal lieber die Möhrchen!“

Hier nochmal ein paar Impressionen vom Essen:

So langsam wurde es dann Zeit, mich um meine Weiterfahrt nach Goa zu kümmern, wo ich zeitnah mit Karl zusammentreffen wollte.
Ich hatte mir überlegt, eine Zugfahrt dorthin zu wagen und fragte in kleinen Reisebüros nach Zugtickets. Diese verwiesen mich dann aber an einen Bahnschalter in einem Einkaufsblock, den ich nach viel umherirren im zweiten Stock eines wirren Gebäudes mit vielen kleinen Gängen fand. Doch leider waren in dem Schalterraum ein Haufen Leute, die scheinbar alle Zugtickets kaufen wollten. Als ich jemanden um Hilfe fragte wurde mir gesagt, das könne noch so anderthalb Stunden dauern bis ich dran käme, wenn ich mich in die Schlange einreihen würde. Na toll! Ich recherchierte kurz mit dem Smartphone im Internet und stellte fest, dass man Zugtickets wohl auch online kaufen kann und machte mich auf den Rückweg zum Hotel.
Im Verlauf der nächsten Stunden durfte ich dann feststellen, wie verdammt geil und benutzerfreundlich die Deutsche Bahn vergleichsweise doch ist! Denn das indische Zugbuchungssystem ist eine einzige Katastrophe: Es gibt 6 Sitzkategorien, man kann aber bei Verbindungen nur nach einer Kategorie suchen, außerdem werden keine Umstiegsverbindungen angezeigt, Züge sind oft schon Wochen vorher ausgebucht, es gibt aber spezielle Tickets für Ausländer und es gibt auch noch andere spezielle Tickets für Ausländer aber manche Züge kann man als Ausländer nicht online buchen und und und...

Nach über 3 Stunden intensiver Recherche gab ich mich daher geschlagen und buchte einen Flug.
Zwar hatte ich eine Verbindung gefunden, wo es noch ein Ausländerspezialticket gab aber das waren 15 Stunden Fahrt in der billigsten Kategorie… und das wollte ich mir dann doch nicht unbedingt antun (dafür wären es aber auch nur 8€ gewesen!).

Mittwoch machte ich noch einen Ausflug in den Botanischen Garten Bengalores. Die Größe der Parkanlage war überwältigend und was mich am meisten faszinierte, waren die Bäume. Gewaltige, machtvolle Exemplare von oft 3 Meters Stammdurchmesser.
Außerdem gab es mal wieder ein paar Affen zu bespaßen – das wurde aber auch mal Zeit! Ich hatte mich schon gefragt, wo denn in Indien die ganzen Affen versteckt sind...

Am Ende des Parkbesuchs setzte ich mich noch auf eine felsige Anhöhe und betrachtete die Umgebung und die versmoggte Stadt in der Ferne. Punkt 17 Uhr ertönten dann plötzlich aus allen Richtungen auf Lautsprechern laute "Alllaaaaaaahs aghbaaaaaaar lalaaaaaaaa, daaahaahaa allaaaaa". Es war wohl Zeit für das muslimische Abendgebet!

Ich packte also meinen Handtuchteppich aus und betete in Richtung Knut!
(kleiner Insider...)

Noch ein paar Impressionen von Indien:

Wie man sich denken kann, ist die Gesellschaft ziemlich patriarchisch und mir fällt auf, dass auf den Strassen sehr viel mehr Männer als Frauen herumlaufen. Auf eine Frau in der Öffentlichkeit kommen ca. vier Männer. Überraschenderweise habe ich aber einmal eine Gruppe von drei Transgender-Frauen (also Männer die als Frauen aufgemacht waren) gesehen, was mich etwas überrascht hat. Denn Homosexualität ist in Indien nicht allzu toleriert und daher hätte ich so etwas nicht erwartet.
Ansonsten sind die Menschen zwar meist hilfsbereit (wenn ich sie denn verstehe) aber doch insgesamt etwas stur und kaltschnäuzig (das ist aber natürlich nur eine Tendenz und es gibt auch sehr viele Ausnahmen). Wenn ich Leute anlächle, dann lächelt nur etwa jeder dritte zurück. Und viele wirken extrem gelangweilt. Und was etwas komisch ist, dass ich schon dreimal von Indern angesprochen und nach dem Weg oder sowas gefragt wurde – ich meine, normalerweise fragt man Touris nicht nach dem Weg und in anderen Reiseländern ist mir das noch nie passiert. Ich habe mich schon gefragt, ob ich mit meinem Aussehen möglicherweise als Inder durchgehen könnte (die Spanne an Erscheinungsbildern von Indern scheint sehr breit) aber dann würde es keinen Sinn machen, dass ich von anderen Indern wiederum manchmal angestarrt werde. Naja, egal.

Das Wetter wiederum ist fantastisch! Schön konstant 30° aber die Sonne brennt nicht zu stark (auch dank des dichten Smogs wie ich annehme :D)

Und übrigens habe ich in den bald 6 zurückliegenden Wochen kein einziges Mal Socken getragen! Bin immer nur in Flip-Flops oder meinen Barfußschuhen unterwegs. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal eine kleine Hommage an meine Barfußschuhe (Modell: Merrell Vapor Glove 2) aussprechen. Sind einfach perfekt zum Reisen: super leicht und luftig, man schwitzt nicht aber trotzdem bequemer und fester als Flip Flops, man kann damit auch Wandern und der große Bonus: sie sind auch für Sport geeignet, d.h. ich bin damit auch schon ein paar mal joggen gewesen. Die ultimativen Schuhe zum Reisen!

Abschließend noch ein paar verrückte Bilderchen:

Donnerstag mittag ging es dann schließlich zum Flughafen und diesmal bekam ich den allerletzten Platz im Flieger, Platz 30D! Das ist dann wohl die ausgleichende Gerechtigkeit des Universums :D
Dafür bekam ich dann aber immerhin als erster Essen.

Nun bin ich ziemlich lange alleine gereist und ich weiss, dass manchen das etwas ungewöhnlich vorkommen mag. Aber ich muss sagen, dass ich diese Zeit sehr genossen habe und mir nie langweilig war. So hatte ich die letzten Wochen sehr viel Zeit zum lesen (und quasi jede Woche ein Buch verschlungen), konnte viel nachdenken und in mich gehen. Dabei haben sich mir bereits einige neue Perspektiven und tiefere Erkenntnisse eröffnet (die aber natürlich strengster Geheimhaltung unterliegen).
Ich habe in dem Buch „Die Schriften von Accra“ von Paulo Coelho ein schönes Zitat gelesen, das mir diesbezüglich sehr aus dem Herzen sprach:
„Solitude is not the absence of company, but the moment when our soul is free to speak to us and help us decide what to do with our life.“ (Der volle Textauszug findet sich hier.)

Aber das alleine reisen hat sehr bald ein Ende denn bereits in wenigen Stunden werde ich Karl treffen und damit beginnt der zweite Teil meiner Reise.
Ich bin schon sehr gespannt! :D