Auf nach Chiang Mai

Donnerstag begann ich frühmorgens mit einer Tour zum "Tiger Cave Temple". Das besondere daran war, dass sich dieser Tempel auf einer Bergspitze befand, mit 1237 Stufen hinauf. Durch den Aufstieg traf ich einen alten Bekannter wieder: Den lieben Herrn Zitterknie, mit dem ich bereits in China Bekanntschaft gemacht hatte!

Der Beweis: 1237 Stufen!

Der Beweis: 1237 Stufen!

Fast Lino-Beinlange Stufen

Fast Lino-Beinlange Stufen

Der Aufstieg war ein Kinderspiel!

Der Aufstieg war ein Kinderspiel!

Endlich Oben

Endlich Oben

Oben waren Streunende Hunde und dieses Exemplar hat sich mit so einer Intensität und Ausdauer den Eigenen Sack geleckt, dass ich es wert fand, ein Foto davon zu machen!

Oben waren Streunende Hunde und dieses Exemplar hat sich mit so einer Intensität und Ausdauer den Eigenen Sack geleckt, dass ich es wert fand, ein Foto davon zu machen!

Wieder unten entdeckte ich noch nebenan einen kleinen Dschungeltreck mit kleinen Höhlen, Riesenbäumen und nicht zuletzt natürlich wieder vielen hungrigen Äffchen.

Nach diesem Sportakt hatte ich mir natürlich wieder eine Massage verdient und beschloss, mich diesmal an eine Thaimassage zu wagen. Ich hatte bisher erst einmal in meinem Leben in einem Fitnessstudio in Berlin eine Thaimassage gehabt und das hatte ich eigentlich nur eingeschränkt positiv in Erinnerung: Die kleine Thailänderin hatte auf meinem Rücken gehockt und mir ihre Knie in die Schultern gerammt. Den nächsten Tag tat mein ganzer Körper weh. Aber ich dachte, alles verdient eine zweite Chance - auch die Thaimassage. Und das war keine schlechte Entscheidung, denn diesmal wurde die Schmerzgrenze nur ab und zu und nicht allgegenwärtig überschritten und insgesamt war das Ganze recht angenehm.

Dann war es bereits an der Zeit weiterzuziehen und Südthailand den Rücken zu kehren, denn ich hatte meine Reisepläne geändert und beschlossen, mich in den Norden nach Chiang Mai zu bewegen. Ich hatte bisher sehr Gutes von dieser Stadt gehört und außerdem hoffte ich (auch wenn es mir schwer fällt, das zuzugeben) auf etwas milderes Wetter. Denn bisher  brannte die Sonne selbst für meine Verhältnisse etwas zu stark. So war meine Angst vor Sonnenbrand omnipräsent und bedrohte mein eigentlich sehr gutes Verhältnis zur Sonne...

In Chiang Mai kam ich erst spätabends an, sodass meine Erkundung erst am nächsten Tag begann. Chiang Mai ist eine entspannte Stadt voller Bars, Cafes und Hostels für die vielen Touris und Auswanderer, die es scheinbar hierhin zieht. Am ersten Tag lieh ich mir ein Fahrrad (für 1,20€/Tag) und fuhr ziellos drauf los. Was mir schon mal auffiel war das interessante Ampelsystem an Kreuzungen. Es hatte immer nur eine einzige Strasse Grün (nicht eine Diagonale von beiden Seiten) und Ampelphasen dauerten durchaus eine ganze Weile, sodass ich teilweise extrem lange warten musste bis ich wieder fahren konnte. Schien mir erstmal ineffizient aber bei dem "whatever works" Verkehr hier vielleicht die einzige Lösung die funktioniert und nicht in heillosem Chaos endet.

Übrigens herrscht in Thailand Linksverkehr (was ich auch schon bei meiner Rollertour auf Ko Yao Yai festgestellt hatte). Ich gewöhnte mich aber schneller dran, als ich erwartet hätte und nur anfangs bei der Rollertour vergaß ich es beim Anfahren manchmal - zumindest immer solange bis mir "Geisterfahrer" entgegenkamen ;-)

Am ersten Tag wechselte ich auch meine Unterkunft und zog in Julie's Guesthouse wo ich für stolze 4€/Nacht ein eigenes Zimmer bekam! Zwar etwas schäbig und laut aber dafür gab es auch hier eine nette Dachterrasse mit Liegen und bei dem Preis kann man sich ja nun wirklich nicht beschweren. Generell ist es krass, wie günstig man hier leben könnte. Essen im Restaurant kostet auch nur 1-2€, also könnte man für 10-15€ pro Tag hier durchaus über die Runden kommen (zumindest wenn man auf all die anderen überflüssigen Dinge abseits von Essen und Schlafen verzichtet ;-) ).

Mein Zimmer bei Julie's Guesthouse

Mein Zimmer bei Julie's Guesthouse

Den nächsten Tag ließ ich, wie es sich gehörte, erstmal wieder ruhig angehen und fokussierte mich aufs Essen! So schaffte ich es auch, an diesem Tag gleich fünf mal essen zu gehen für insgesamt unter 10€ - so lässt sichs doch leben! Aber ich hatte ja auch noch ein bisschen was nachzuholen wegen dem Magen Darm Infekt...
Im Folgenden ein paar Impressionen vom Essen. Auf dem Programm stehen vor allem Nudelsuppen, Currys und Reisgerichte. Sehr hilfreich war für mich die App "Happy Cow" mit der sich vegetarische Restaurants finden lassen und das nutzte ich sehr viel, da die Auswahl in der Regel doch sehr fleischlastig ist und ich natürlich vegetarische Restaurants finanziell unterstützen möchte ;-)

Gestärkt und erholt, war es wieder Zeit für ein bisschen Action und für den nächsten Tag beschloss ich zu wandern. Im Westen der Stadt lag ein Nationalpark, der Doi Suthep, wie es sich gehört natürlich mit einem Tempel auf der Spitze.

Gestärkt durch ein Keksfrühstück und Nudelsuppe nahm ich ein Taxi zum Berg und ignorierte die Angebote der Taxifahrer, mich für 40 Baht(1€) hochzufahren. Die 12km krieg ich jawohl auch alleine hin, der Weg ist das Ziel!
Belohnt wurde ich dafür auch direkt mit einem kleinen Wasserfall und anschaulicher Natur.

Doch nach kurzem führte der Wanderweg zurück auf die Hauptstrasse und ich musste mir mit zahlreichen lärmenden Autos und Mofas den Weg teilen :-/
Das wars dann also mit der stillen Idylle und da nach einer Stunde Aufstieg keine Besserung in Sicht war, kapitulierte ich und winkte das nächste Taxi heran, das bereits eine Horde Touris den Berg hochfuhr. Oben wars ganz nett aber sehr überfüllt mit Touris, sodass ich relativ bald wieder mit dem Taxi runterfuhr aber dafür spontan beschloss, den Zoo zu besuchen, der direkt zu den Füßen des Berges lag. Und der Zoo war ein ziemliches Highlight! Vor allem gefiel mit die Möglichkeit, sehr billig Tierfutter zu kaufen und dann Giraffen, Elefanten und Rehe zu füttern.

Inzwischen hatte ich die Unterkunft gewechselt und war in ein Hotel etwas abseits des Stadtzentrums (man könnte auch sagen, am Arsch der Welt) abgestiegen, da ich nach Julie's Guesthouse das Bedürfnis nach ein bisschen Komfort und Ruhe hatte. Komfort bekam ich, aber Ruhe nur eingeschränkt dank einer lärmenden chinesischen Familie im Nebenzimmer, Bauarbeiten in der Nähe und einer Horde Hunde die regelmäßig in ein verstörendes Geheule verfiel.

Abschließend noch ein paar Worte zu meinem bisherigen Gesamteindruck von Thailand:
Thailand ist zweifellos wunderschön, sehr lebenswert und günstig aber bisher fühle ich mich nicht in der Form magisch berührt wie ich das z.B. in Taiwan, Japan oder China erlebt hatte. Ich glaube das könnte mit den vielen Touris hier zu tun haben, durch die meinem Empfinden nach doch einiges an Authentizität verloren geht.

Ökonomisch geht es den Leuten meinem Eindruck nach gar nicht so schlecht für die Region. Ein typisches Einkommen beträgt wohl so um die 300€/Monat aber dafür ist ja auch alles sehr günstig, die Leute scheinen einen sehr lockeren Bezug zur Arbeit zu haben, überall sind Hängematten und es wird viel gechillt. Auch habe ich bisher keinen einzigen Obdachlosen oder Bettler gesehen! Mein Eindruck ist, Abwesenheit von materiellem Reichtum ja, harte Armut nein.

Übrigens habe ich bisher kaum etwas vom Sextourismus erlebt, der das Land ja zumindest etwas in Verruf bringt. Zwar habe ich einige alte weiße Säcke mit verdächtig gutaussehenden, jungen Thailänderinnen an deren Seite gesehen, wo ich mich dann doch frage ob da Geld im Spiel ist und in vielen Bars sind wohl "bar-girls" unterwegs, die gewisse Dienste für die Abendstunden anbieten aber das ist alles überhaupt nicht so an der Oberfläche wie ich das erwartet hätte.

Im Folgenden noch ein paar visuelle Impressionen von Thailand:

Thailändische Pfadfinder?

Thailändische Pfadfinder?

Irgendein komisches Strassenfest bei em die Leute sehr interessant gekleidet waren und sich hier paarweise Bälle zuwarfen...

Irgendein komisches Strassenfest bei em die Leute sehr interessant gekleidet waren und sich hier paarweise Bälle zuwarfen...

Typische Impression des Stadtlebens an einer größeren Strasse

Typische Impression des Stadtlebens an einer größeren Strasse

Nachtmarkt, sehr viel los

Nachtmarkt, sehr viel los

Während mein Magen sich ja wieder beruhigt hatte, bin ich meinen hartnäckigen Husten immer noch nicht losgeworden. Da ich den Eindruck habe, dass Sprechen den Husten verschlimmert, habe ich deshalb bereits während der gesamten bisherigen Reise Gespräche mit anderen Reisenden vermieden und eher die Einsamkeit gesucht. An dieser Stelle auch nochmal eine kleine Entschuldigung an alle, von denen ich mich kaum anständig in Deutschland verabschiedet habe, bzw. die ich die letzten Wochen möglicherweise etwas vernachlässigt habe. Ich hab es irgendwie geschafft, seit Ende Oktober quasi die ganze Zeit mehr oder weniger stark erkältet zu sein und daher meine ganzen sozialen Kontakte stark vernachlässigt...

Und nun noch eine überraschende Wendung. Heute morgen bin ich beim Frühstück an einem Tempel vorbeigekommen, der auf einem Banner mit Meditationsretreats warb, habe mich direkt informiert und kurzfristig beschlossen, ab morgen ein zusätzliches 10-tägiges Meditationsretreat im Tempel Wat Ram Poeng zu machen. Da ich mit der Erkältung ja eh kaum rede, passt mir das Schweigen dann eigentlich ganz gut und falls das Ganze nichts für mich sein sollte, dann brauche ich die Erfahrung nicht mehr in Indien machen bzw. kann das absagen oder falls es super ist, kann ich die Erfahrung dort gleich nochmal machen :-)
Ich werde die nächsten Tage also nicht erreichbar sein, aber dann wieder ab dem ca. 30.01. Über die weiteren Beweggründe und Erfahrungen berichte ich dann etwas ausführlicher im nächsten Post ;-)

Bis dahin!
Euer Lino