Rückblick und Fazit

Seit einigen Tagen bin ich jetzt schon zurück in Deutschland und habe mich überraschend schnell wieder eingelebt. In diesem abschließenden Post möchte ich noch einmal zurück blicken, ein bisschen Bilanz ziehen und ein paar letzte Überlegungen teilen.

Zuletzt hatte ich noch 2 Tage und Nächte in Bangkok verbracht, von wo mein Rückflug nach Deutschland mit Condor gegangen war. Aber auch dort war es wieder unfassbar heiss gewesen, um die 37°. Ich hatte eigentlich in einem Gästehaus ein kleines Zimmer für die letzten beiden Nächste gebucht, aber da es nur mit Ventilator und nicht mit A/C ausgestattet war, konnte ich die erste Nacht aufgrund der Hitze kaum schlafen. Obwohl das Zimmer schon für beide Nächste bezahlt war,  buchte ich daher für die letzte Nacht dann noch ein anderes Hotelzimmer am Flughafen - muss ja schließlich nicht sein, dass ich schon übermüdet bin, wenn ich in den Flieger einsteige ;-)
Ich muss mittlerweile bedauerlicherweise eingestehen, dass ich von dieser Hitze wirklich abgesättigt bin. Üblicherweise gab es für mich eigentlich bisher keine Kategorien "zu heiss", aber das hatte sich bei dieser Reise definitiv geändert. Die Sonne hatte ihren hohen Status für mich leider ein gutes Stück eingebüßt... das Ende einer langen Freundschaft :,-(

In Bangkok stopfte ich mich außerdem noch ein letztes Mal mit zahlreichen Nudelsuppen voll - wer weiß schließlich, wann ich die das nächste Mal bekomme - und erwarb auch noch ein paar T-Shirts, da der üblicherweise katastrophale Wäscheservice während meiner Reise einige meiner mitgebrachten T-Shirts ruiniert hatte. Der einzige Effekt dieser Wäschen war gewesen, dass Gerüche neutralisiert oder zumindest verändert wurden aber Schmutz war normalerweise nicht entfernt worden, sondern höchstens noch festgewaschen :-/ 
Ein T-Shirt war sonderbarerweise sogar nach der Wäsche ausgeleiert und ist jetzt ca. drei Nummern größer geworden. Keine Ahnung, wie die das hinbekommen haben...

Und dann ging es schließlich auch schon mit dem Flieger mit 12h Flug nach Frankfurt. Schlafen konnte ich wie üblich natürlich nicht, aber sonst lief alles ohne Komplikationen und von Frankfurt ging es dann mit dem Zug weiter nach Hannover wo ich nach insgesamt 20h on the road abends um 23 Uhr deutscher Zeit endlich, endlich völlig erschöpft ankam und von meinen Eltern empfangen wurde. Mein Zimmer in Berlin war auch noch untervermietet, weshalb ich mich erstmal für einige Tage bei meinen lieben Eltern einquartierte. Die folgenden Tage verbrachten wir dann Ostern im Familienkreis und das sogar weitgehend harmonisch und ich lebte mich überraschend schnell wieder ein. Überraschenderweise litt ich sogar fast gar nicht unter dem Jetlag, abgesehen davon, dass ich noch regelmäßig um 5 Uhr morgens wach wurde und dann aber einfach frühmorgendlich aufstand und den Tag begann.
Insgesamt fühlte es sich doch sehr gut an, wieder hier zu sein und das Abenteuer fürs erste hinter mir zu lassen im Austausch gegen Komfort, Sauberkeit und Gewohntes. So großartig die Reise gewesen war, war nun einfach der Punkt erreicht, wo ich genug hatte und voll war von Erlebnissen. So war mir die Rückkehr nicht mehr schwer gefallen.

Dazu sei aber auch gesagt, dass meine Reise auch einige Planänderungen beinhaltet hatte und damit sehr viel mehr Eindrücke mit sich gebracht hatte, als ursprünglich geplant. Myanmar etwa war ursprünglich ja gar nicht eingeplant gewesen. Hier ein Abgleich von Plan und Ergebnis:

Nun ein kleiner Abgleich mit meinen ursprünglichen Zielen für die Reise. Die vier Ziele waren gewesen:

  1. Persönliche Herausforderung und Abenteuer.
  2. Selbstfindung und Selbstbesinnung, Meditationsretreat
  3. Relaxen, Spaß und Sonne
  4. Produktiv sein, Krams erledigen und Sachen schreiben

Ich würde sagen, "1." wurde definitiv übererfüllt in Form von zahlreichen Rollertouren, wilden Schlangen oder abenteuerlicher Lebensmittelhygiene. Davon habe ich auch wirklich erstmal genug und freue mich, wieder in der Ordnung und Sicherheit Deutschlands zu sein ;-)

"2." wurde auch ausreichend erfüllt. Insbesondere bei den Reisen alleine blieb mir viel Zeit zur Selbstbesinnung und Reflexion, die mir auch ein paar neue Einsichten erbrachten. Bedauerlich ist natürlich, dass der Meditationsretreat in Indien ausgefallen ist, den ich eigentlich als einen der Höhepunkte der Reise geplant hatte, aber ich denke, das werde ich in nicht allzu ferner Zukunft nachholen. Und immerhin hatte ich ja noch den Kurzretreat in Chiang Mai eingeschoben, dem ich eine neue, deutlich kritischere Perspektive auf den praktizierten Buddhismus zu verdanken habe. Aber auch die Reise mit Joanna hatte mich diesbezüglich vorangebracht und mir neue Perspektiven und Erfahrungen gebracht.

"3." kam auch nicht zu kurz, schließlich gab es Sonne und Strände im Überfluss.

Lediglich "4." blieb hinter den Erwartungen deutlich zurück und ich hatte bei den beiden Organisationen, bei denen ich aktiv bin, zwar weiterhin dringende EMails beantwortet und an ein paar Skype-Konferenzen teilgenommen, aber ansonsten quasi keine der Aufgaben erledigt, die ich mir vorgenommen hatte. Dies war aber (wie ich zumindest glauben möchte) zu einem Großteil auch dem weitgehend katastrophalen Internet geschuldet, denn diese Aufgaben gestalten sich sehr leidig bei 10 Kbit Surfspeed :-/

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal um Verzeihung bitten, bei allen Freunden, die ich teilweise stark vernachlässigt habe. Vor allem in der zweiten Reisehälfte habe ich mit kaum jemanden geskypt oder Kontakt gehalten aber eben auch weil ich aufgrund der schlechten Verbindungen zu viele frustrierende Skype Sessions hatte und dann irgendwann resigniert habe ...und Joanna verlangte schließlich auch nach meiner vollen Aufmerksamkeit ;-)

Außerdem möchte ich nun noch gaaaanz exklusives Bildmaterial freigeben - Es sei an dieser Stelle auch noch gesagt, dass ich mittlerweile ernsthaft eingestehen muss, von Karl geläutert worden zu sein: Selfie-Sticks sind ultrageil!

Abschließend nun auch noch ein paar Worte zu den Gesamtkosten der Reise, die ich nun gut überblicken kann. Insgesamt waren das allen in allem nur 3500€ und damit im Grunde nicht einmal sehr viel mehr, als ich in Deutschland in 3 Monaten ausgebe. Davon fielen fast ein Drittel auf Flugkosten, die insbesondere durch den ungeplanten Abstecher nach Myanmar nochmal in die Höhe getrieben wurden. Dabei ist auch zu bedenken, dass ich eigentlich immer ein eigenes Zimmer hatte, dauernd in Restaurants essen war und mir einige Sonderausgaben gönnte und Souvenirs kaufte. Mit etwas mehr Sparsamkeit wäre das noch deutlich günstiger gegangen. Ich schätze, für 400€/Monat kann man in den Ländern gut leben wenn es drauf ankommt (ohne Flugkosten).
Fazit hier: Wer eine ähnliche Reise in die Gegend gerne machen würde, der sollte sich von den Kosten wirklich nicht abschrecken lassen!

Wie geht es nun bei mir weiter?
Ich habe auf jeden Fall entschieden, erstmal nicht zu promovieren, und meine ganze Energie dem Aktivisten-Dasein in Monetative e.V. sowie Netzwerk für Plurale Ökonomik zu widmen, und mich damit dafür einzusetzen, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Seit ich zurück bin, bin ich auch schon voll involviert und damit ziemlich beschäftigt.
Ansonsten bin ich recht optimistisch, dass sich in den nächsten Monaten dabei irgendeine Einkommenquelle auftut, sodass ich dann vom Aktivistendasein auch leben kann ;-)
Wenn die Zeit kommen sollte, da mein Engagement in diesen Organisationen sich nicht mehr passend anfühlt, kann ich mir aber auch gut vorstellen, irgend etwas eigenes zu starten und aufzubauen - was auch immer das heissen mag...
Mal schauen, was die Zukunft bringt :-)

Und auch wenn ich gerade erstmal genug vom Reise habe, so kann ich mir doch gut vorstellen, dass mich in 2 Jahren wieder das Reisefieber packt und hinauszieht. Da ich diesmal sehr viele Städte und Kultur gesehen habe, würde ich beim nächsten Mal einen stärkeren Fokus auf Natur und Wanderungen legen und könnte mir sehr gut vorstellen, dafür nochmal nach China und/oder Taiwan zu reisen. Wir werden sehen ;-)

Denn das Gesamtfazit ist wie immer: Taiwan ist Beste!

Euer Lino

Und zum Abschluss noch die crème de la crème bisher unveröffentlichter Aufnahmen:

In Mandalay

Von Bagan ging es mal wieder mit unserem Reisemittel der Wahl, dem Fernbus, weiter nach Mandalay. Diesmal bespaßte uns der Frontfernseher erstmal eine Stunde mit eintönigem Sprechgesang eines buddhistischen Mönches und dann mit burmesischen Musikvideos – natürlich wieder im 90er Style!
Die Fahrt von ca. 200 km dauerte mal wieder stolze 7 Stunden da der Bus auch diesmal wieder an jeder Ecke anhielt, um Fahrgäste ein- und auszuladen. Ich muss wirklich sagen, dass Myanmar fortbewegungstechnisch eine einzige Katastrophe ist, in diesem Zusammenhang das bisher schlimmste Land. Eigentlich hatten Joanna und ich noch einige andere Orte bereisen wollen, aber das war uns einfach zu anstregend mit diesen verflixten Fernbussen...

Unser erstes Hotel in Mandalay war etwas sonderbar und hatte ein Badezimmer mit gearbeiteten Wänden im Vulkanstil(?) und auch einen etwas strengem Geruch, weshalb wir in ein neues Establishment wechselten, bei dem wir ein Zimmer im 7. Stock auf dem Dach mit Blick über die Stadt beziehen konnten. Der Ausblick war phänomenal und bei einem der regelmäßig auftretenden Stromausfälle (ca. 3 täglich) bot sich uns abends der Blick über eine nun völlig dunkle Häuserfront der Stadt.
Nur leider war im Zimmer die Klimaanlage kaputt und aufgrund der Dachlage heizte es sich unerträglich auf, weshalb wir später dann doch eine Zimmer-Tieferlegung unternahmen.

In den folgenden Tagen machten wir Bekanntschaft mit zwei Rollertaxifahrern, die immer vor unserem Hotel abhingen und ließen uns von diesen zu verschiedenen Orten fahren. Auch in Mandalay herrscht offensichtlich eine irrationale Abneigung gegen effektive Unfallschutzmaßnahmen, denn wenngleich viele Rollerfahrer sich wohl angesichts der Helmpflicht Helme aufsetzen, ließen viele die Verschlusslasche offen, sodass die Helme lediglich lose auf dem Kopf saßen und damit bei einem Unfall wohl davonfliegen und wenig Schutz bieten würden. WTF?

Ein Ausflug an den nahe gelegenen Fluss bot ziemlich krasse Einblicke in die Härte des Lebens einiger Menschen in Burma. Das Flussufer war zugemüllt, Gestank, Lärm, Männer die schwere Säcke und Fässer verluden, kleine Kinder kackten in einen Müllhaufen. Diese Eindrücke waren schon ziemlich krass, wenngleich ich feststellen musste, dass ich bezüglich des Anblicks solcher Armut erschreckenderweise definitiv bereits deutlich abgestumpft bin. Vor meiner ersten Asienreise vor zwei Jahren hätten mich solche Eindrücke wahrscheinlich für einige Zeit komplett fertig gemacht aber jetzt fand ich es zwar durchaus noch extrem unangenehm und nahm die Armut mit meinem rationalen Verstand zur Kenntnis, aber das brach kaum mehr tiefer zu mir durch. Früher hatte ich mich gefragt, wie reiche Leute es in solch armen Ländern fertig bringen, in ihren Luxusautos zum Shoppen zu fahren, wenn nebenan Menschen im Dreck leben und verhungern. Aber wenn man offensichtlich so schnell abstumpfen kann, dann verwundert mich das nicht mehr. Eine traurige Erkenntnis.

Hier ein paar Bilder dieser Eindrücke am Flussufer.

Ein weiteres großes Erlebnis war eine Rollertour in das Örtchen Pyin Oo Lwin, welches uns für seine Natur und einen paradiesischen botanischen Garten empfohlen worden war. Wir heuerten dafür unsere beiden Rollerfahrer an und los ging die ca. 2 stündige Fahrt. Die Fahrt über holprige Strassen und Bergserpentinen auf dem Rollerrücksitz war leider unfassbar unbequem, dazu kam der andauernde Verkehrslärm und ein extremer Dreck und Staub der von den Strassen aufwirbelte. Joanna hatte zum Glück Gesichtsmasken für uns dabei und die ungeschützen Gesichtsstellen waren nach der Fahrt durch eine ansehnliche Dreckschicht schnell deutlich dunkler als die geschützte Mundpartie.

Bevor es zum Botanischen Garten ging, hielten wir noch bei einem kleinen Wasserfall und einem Tempel und als wir schließlich in Pyin Oo Lwin ankamen, waren Joanna und ich beide völlig fertig. Beim Botanischen Garten hatten wir dann auch erstmal kein Interesse an dem Grünzeug und suchten uns stattdessen ein ruhiges Plätzchen, breiteten eine Decke aus und verschliefen erstmal anderthalb Stunden. Als wir aufwachten, war es dann bereits nicht mehr lange bis zur Dämmerung und so tourten wir noch kurz durch den mittelmäßig aufregenden Garten bis wir zu unseren Fahrern zurückkehrten und die Rückfahrt antraten. Der Weg ist das Ziel ;-)
Während der Fahrt wurde es dann auch dunkel und dadurch auf den recht engen Straßen mit einigen fetten Lastern nochmal etwas abenteuerlicher als sowieso schon. Dazu kam auch noch, dass das wenig vertrauenserweckende Gefährt von Joannas Fahrer offensichtlich auch noch ein defektes Licht hatte und als wir endlich zurück beim Hotel heile angekommen waren, waren wir beide wirklich extrem extrem erleichtert! 

Es scheint mir unfassbar, solche Fahrten regelmäßig als Beruf (wie unsere Fahrer) durchzuführen und dass dies für viele Burmesen zum Alltag gehört. Generell habe ich den Eindruck, dass sowas wie Komfort und Fahrsicherheit hier in Burma weitgehend irrelevant ist. Es scheint, die Leute haben andere Probleme, als sich über solch einen "Luxus" zu scheren. Ich kann mich nur zutiefst glücklich schätzen, in einer anderen Lebenswirklichkeit aufgewachsen zu sein.

Hier einige Bilder der Rollertour nach Pyin Oo Lwin:

Am nächsten Tag machten wir noch einen Ausflug zum Mandalay Hill, einem Aussichtspunkt-Tempel über die Stadt und dann wurde es Zeit für den Abschied von Joanna. Für mich ging es weiter nach Bangkok für den Rückflug von dort nach Hause und für Joanna über Chiang Rai in Nordthailand nach Laos. Bisher hatten wir es vermieden, groß über das Ende der Reise zu reden und versucht, stattdessen einfach nur den Moment und die Zeit gemeinsam zu genießen, aber am Tag vor dem Abschied wurde es dann doch ein wenig sentimental. Es war eine großartige Zeit zusammen mit ihr gewesen und nachdem mein Liebesleben das vergangene Jahr eher beschränkt erfolgreich war, war mit der Reise zusammen mit Joanna ein tiefer Wunsch von mir in Erfüllung gegangen.

Am Flughafen erschien mir der Abschied dann aber wiederum sehr unwirklich und ich fühlte mich (ggf. auch da ich mal wieder nicht ausgeschlafen war) ein wenig gefühlstaub. Erst als ich im Hostel in Bangkok angekommen war und alleine im meinem Zimmer lag, überkam mich dann so richtig die Erkenntnis, dass Joanna jetzt erstmal weg ist. Ich schätze, die Chancen stehen aber ganz gut, dass sie mich irgendwann in den nächsten Monaten mal in Berlin besuchen wird.

Hier noch ein paar letzte Impressionen aus Mandalay:

Und abschließend auch noch ein paar kurze Infos zu meinen Ausgaben in Myanmar: Meine Gesamtkosten für einen Monat reisen in Myanmar waren ca. 850€ plus 300€ für den Flug aus Indien nach Myanmar sowie 100€ für den Weiterflug nach Bangkok. Während Fahrtkosten und Verpflegung in Myanmar extrem günstig sind, schlugen vor allem die Hotelkosten ins Gewicht, da man kaum etwas unter 20€ findet. Es scheint von der Regierung eine Art vorgegebene Untergrenze für Hotels für Ausländer zu geben, jedenfalls gibt es quasi keine günstigen Unterkünfte. Dafür ist der Komfort der Unterkünfte wenigstens aber auch entsprechend der Preise recht angenehm.

Das wars erstmal wieder von Mandalay. Gestern hatte ich meinen Rückflug aus Bangkok und bin mittlerweile nach 20h Rückreise wohlbehalten zurück bei meinen Eltern in Hannover angekommen. Einen letzten abschließenden Post zu meiner großen Asienreise wird es aber in den nächsten Tagen noch geben.

Bis dahin!
Lino

Tempelhochburg Bagan

Unser nächstes Reiseziel war die ehemalige Königsstadt und Tempellandschaft Bagan.
Die Busfahrt von Naypyitaw nach Bagan war leider schon wieder eine Katastrophe. Wir waren diesmal scheinbar an einen Bus für locals geraten, jedenfalls waren wir die einzigen Ausländer, es gab extrem wenig Beinfreiheit und der Bus stoppte gefühlt alle 5 Meter um Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen. Als wir losgefahren waren, hatte ich mich noch gefreut, dass der Bus so leer war und so mehr Platz für uns blieb, aber innerhalb kürzester Zeit war der Bus dann komplett überfüllt und es saßen sogar Leute zwischen den Sitzreihen. Der scheinbar obligatorische Schnarcher saß diesmal auch direkt hinter uns und wir wurden wieder lautstark mit burmesischem Fernsehen beglückt. Diesmal gab es „lustige“ Amateurkurzvideos zu sehen, ähnlich dem was ich mit 12 Jahren und einer Kamera hervorgebracht hätte. Toll.
Damit auch ausreichend Zeit blieb, diese Videos zu genießen, dauerte die Fahrt von ca. 270km dann auch stolze 7 Stunden. Supergeil.
Die Fahrt durch viele Dörfer, Felder und kleine Örtchen bot zwar einige interessante Einblicke in das Leben in Myanmar aber leider war ich auch zu müde, um das so richtig geniessen zu können, da wir bereits um 5 hatten aufstehen müssen (denn die Fernbusse starten in der Regel scheinbar immer um 7 Uhr morgens -.-)
Regelmäßig, wenn der Bus hielt, kamen auch Strassenhändler und boten diverse "Snacks" feil, die sie auf ihren Köpfen umhertrugen und damit auch durch den Bus spazierten:

Endlich in Bagan angekommen, war die Busstation natürlich auch wieder außerhalb der Stadt, sodass wir für die letzten paar Meter mal wieder ein Taxi zum Preis der gesamten Busfahrt anheuern mussten. Es gab zwar auch einen Pickup, in den die ganzen Locals gestiegen waren, aber dieser hatte wie man uns sagte keine Lizenz für Ausländer :-/

In unserer Unterkunft mussten wir uns dann auch erstmal von der Fahrt erholen, sodass der weitere Tag erstmal verloren war. Und generell hatte ich das Gefühl, dass meine „Batterie“ vom Reisen ein stück weit leer war. Bald 3 Monate "on the road" hatten ihre Spuren hinterlassen und ich war einfach nur müde und merkte, dass ich auch die Sehenswürdigkeiten und Eindrücke Myanmars kaum mehr angemessen würdigen konnte. Mittlerweile sah ich auch schon vorfreudig der Zucht und Ordnung sowie dem Komforts des deutschen Alltags entgegen.
Aus Erfahrung wusste ich eigentlich schon, dass ich in der Regel nach gut einem Monat Reisen erstmal genug habe und „voll“ bin mit Erlebnissen, aber Schuld war (wie natürlich immer) die Frau gewesen – in diesem Fall Joanna, die mich weiterhin zum Sightseeing antrieb. Daher musste ich sie erstmal überzeugen, dass wir es fürs erste ein bisschen ruhiger angehen mussten und einen halben Tag fuhr sie zwischenzeitlich auch ohne mich los auf Sightseeing-tour.

In den nächsten Tagen mieteten wir uns E-bikes mit denen wir durch die Tempellandschaft düsten. Die Szenerie war ziemlich eindrucksvoll aber so langsam hatte ich dann auch wirklich genug von Tempeln - schon Karl hatte sich von mir mehrfach "Tempel: Kennste einen, kennste alle" anhören dürfen und das zu sagen verkniff ich mir zwar bei Joanna, aber ich glaube sie bemerkte meine verringerte Tempelbesuchsmotivation trotzdem.

Bagan war aber trotz allem ziemlich eindrucksvoll und hier sind ein paar Bilder der Tempellandschaften:

Außerdem ergab sich dieser Tage noch eine weitere Besonderheit: Myanmar war einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in die Demokratie gegangen, denn es hatte Präsidentschaftswahlen gegeben und mit einer überwältigenden Mehrheit hatte die Reformpartei von Aung San Suu Kyi gewonnen und deren Kandidat wird nun der neue erstmalig seit Jahrzehnten demokratisch gewählte Präsident Myanmars. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese politischen Veränderungen auch große reale Verbesserungen für das Leben der Burmesen herbeiführen werden!

Im Folgenden noch ein paar verschiedenartige Impressionen aus Bagan:

Das wars erstmal wieder. Mittlerweile ist das Ende der Reise in Sicht und als nächstes kommt noch ein Post zu unserem Aufenthalt in Mandalay und dann der offizielle Abschluss der Reise. Bis bald!

In der Geisterhauptstadt Naypyitaw

Von Yangon aus ging es weiter mit dem Bus zur offiziellen Hauptstadt Myanmars, nach Naypyitaw. Für die knapp 250km brauchte der Bus schön 6 Stunden und damit die Fahrt auch ordentlich Spaß macht, wurden wir durch einen Frontfernseher in angemessen hoher Lautstärke mit einem burmesischen Film beschallt. Dabei war festzustellen, dass die burmesische Filmindustrie in den 90ern festzuhängen scheint - denn der Film war extrem albern-kindisch, die Leute hatten komische Frisuren, präsentierten andauernd ihre Sonnenbrillen und generell schienen sehr primitive Vorstellungen von Romantik vorzuherrschen.

In der Busstation von Naypyitaw angekommen, mussten wir erstmal hart mit den Taxifahrern feilschen, welche für die Fahrt zum Hotel umgerechnet 10€ forderten, was den Kosten für die 6h Busfahrt entsprach und uns sehr unrealistisch erschien. Nach einigem Verhandeln und etwas Recherche stellten wir jedoch fest, dass das Hotel tatsächlich ein ganzes Stück entfernt war. Generell scheinen die Busstationen in Myanmar immer schön unpraktisch sehr weit abseits der Stadtzentren gelegen zu sein :-/

Und generell scheinen die Leute in Myanmar eine irrationale Abneigung gegen Helme und Anschnallgurte zu haben. Die Anschnallgurte für die hinteren Sitze in Taxis werden hier regelmäßig deaktiviert oder entfernt und in einem Taxi war der Anschnallstecker im Vordersitz sogar durch einen Plastikstecker in Katzenform blockiert. Als ob man mir einen extra Service bietet, dadurch dass ich mich nicht anschnallen kann – wtf?!

Vorab aber noch ein paar Hintergrundinfos zu Naypyitaw: Vor 20 Jahren existierte Naypyitaw schlicht noch nicht, denn erst 2002 wurde der Bau der Stadt von der Militärregierung Myanmars heimlich begonnen. 2005 wurde diese dann offiziell eröffnet und zur neuen Hauptstadt ernannt und der gesamte Regierungsapparat dorthin verlegt.

Bei der Fahrt zum Hotel hatten wir dann erste Einblicke in diese Absurdität von Myanmars Regierung. So fuhren wir am neuen, gewaltigen Regierungspalast vorbei, der aber hinter hohen Zäunen und Schutzgräben geschützt war. Davor war eine riesige Strasse mit 10 Spuren JEWEILS für beide Fahrtrichtungen! Und das absurdeste: Die Strasse war völlig leer – man hätte dort Fußball spielen können und wäre von den vereinzelten Autos ab und an kaum gestört gewesen.

Weiter ging es vorbei an massenhaft gepflegten Grünanlagen an den Strassenrändern, die offensichtlich sehr viele Arbeitsplätze schaffen, denn wir sahen sehr viele Burmesen, die diese Anlagen bewässerten. Die mittlerweile nur noch je 4 spurigen Strassen waren weiterhin jedoch völlig menschenleer.
Naypyitaw ist in mehrere Zonen sortiert und so gibt es das Ministerienviertel, eine Hotelzone, eine Einkaufszone etc. und als wir schließlich die "Hotelzone" erreichten, kamen wir an vereinzelten riesigen Hotelbauten vorbei. Als wir bei unserem Hotel ankamen wurden wir in der riesigen (aber natürlich auch menschenleeren) Lobby sehr freundlich begrüßt und zu unserem Zimmer gebracht und es schien a,ls ob wir in dem fetten Hotelkomplex tatsächlich die einzigen Gäste waren – ein Pool für uns allein!
In den nächsten Tagen sahen wir zwar noch ein paar andere Gäste aber es können kaum mehr als insgesamt 5 gewesen sein.
Uns gefiel die Ruhe aber ausgesprochen gut, auch da wir beide noch immer etwas mit Erkältung angeschlagen waren und ich mir auch erstmal eine leichte Magenverstimmung zuzog.

Hier ein paar Impressionen von Naypyitaw:

In den folgenden Tagen chillten wir sehr viel in unserem Hotel und machten eine Rollertour in die Umgebung. Der Term Geisterstadt trifft es auf jeden Fall sehr gut und in einem Reisebericht hatte ich auch Vergleiche mit George Orwells Dystopien gelesen und auch das war sehr passend. 

Naypyitaw ist zugegebenermaßen zentraler gelegen als die vorherige Hauptstadt Yangon aber der wahre Grund für das Ganze Projekt ist vermutlich eher, damit die Sicherheit des Systems vor Volksaufständen zu schützen. Denn Naypyitaw ist so leblos und menschenleer, dass ein Umsturz durch Volksdemonstrationen schlicht unmöglich erscheint – selbst wenn andere Städte „fallen“ sollten, so wäre die Regierung hier immer noch sicher und könnte mit dem Militär andere Orte zurückerobern.

Hier noch ein paar Bilder von der Rollertour:

Naypyitaw ist als Reiseziel auf jeden Fall sehr empfehlenswert für alle, die Ruhe und Einsamkeit suchen. Auch für Fahranfänger und Geisterfahrer sehr geeignet: Wer sich ausversehen auf die Gegenspur verläuft oder in falscher Richtung im Kreisverkehr einfährt, wird den Fehler wahrscheinlich nicht mal bemerken.

Was ich sonst noch los werden will, ist dass das Essen in Myanmar leider nicht so prall ist. Erstens ist in der Regel die Hygiene problematisch und zweitens ist das Essen NOCH fettiger als in Indien. Curry „Myanmar Style“ etwa bedeutet, dass das Essen in Öl ertrinkt und auch sonst ist alles extrem fettig oder gleich frittiert. Die vegetarische Auswahl ist leider auch eher begrenzt und regelmäßig ist meine einzige Option in der Speisekarte mit 100 Fleischgerichten eine vegetarische Nudelsuppe :-/
Dafür sind die Burmesen aber unfassbar freundlich und man wird in der Öffentlichkeit immerzu angelächelt und generell sehr höflich und zuvorkommend behandelt. Außerdem ist Myanmar extrem sicher, sodass man sich nicht dauernd Gedanken um Wertsachen etc. machen muss. Hier noch ein paar letzte Bilder aber das wars auch erstmal - als nächstes kommt dann mein Bericht zu Bagan.

Myanmar 1: Mit Joanna in Yangon

Von Mumbai ging es mit dem Flieger über Bangkok dann schließlich nach Myanmar. Am Flughafen angekommen teilte ich mir mit 2 Thailändern ein Taxi ins Stadtzentrum was dann auch direkt eine Stunde Fahrt bedeutete (für insgesamt 10$). Meine Unterkunft war im China Town von Yangon und ich wurde von einem sehr herzlichen Burmesen empfangen, der mir ein spartanisches Zimmerchen zuwies. Ich verweilte im Zimmer aber nicht lange, denn Joanna war bereits seit dem Vortag auch in Yangon und natürlich wollte ich sie endlich wiedersehen.
Nur leider hatte sie sich pünktlich zu meinem Eintreffen eine Lebensmittelvergiftung eingefangen und mir bereits geschrieben, dass ich zu ihrem Hostel kommen solle, da sie in ihrem Elend Gesellschaft brauche.
Die Lebensmittelvergiftung überwand sie glücklicherweise jedoch recht schnell, nur kam dazu auch noch eine hartnäckige Erkältung, die ich mir dann natürlich auch noch einfing. Aber so gingen wir das Ganze dann eben etwas ruhiger an. Am nächsten Tag zog Joanna dann auch um in meine Unterkunft (aber in ein eigens Zimmer) und wir machten erste vorsichtige Erkundungsausflüge in der Stadt.

Was direkt auffällt, ist dass Myanmar einen besonderen Charme und viele kulturelle Eigenheiten hat. Die meisten Männer etwa tragen Röcke, die sich Longyi nennen. Ich war aber überrascht, wie schnell man sich an den Anblick von Männern in Röcken gewöhnt und innerhalb kürzester Zeit fiel mir das kaum noch auf bzw. ich wurde selber neugierig, einmal einen Longyi zu tragen.
Und die burmesischen Frauen tragen fast alle ein helles, pflanzliches Puder auf den Wangen, was wohl auch vor der Sonne schützen soll.
Außerdem kauen die meisten burmesischen Männer Betelnüsse und haben dadurch einen roten Saft im Mund. Das Zeug hat eine aufputschende, stimulierende Wirkung und ist daher wohl vor allen unter Fahrern sehr verbreitet. So nutzen unsere Taxifahrer die meisten Gelegenheiten, wenn das Auto stand, um die Fahrertür ein Stückchen zu öffnen und den roten Saft regelmäßig auszuspucken. Die Strassen sind daher auch alle übersät von solchen entsprechenden roten Flecken. Außerdem hat das Zeug den wohl eher unpraktischen Nebeneffekt, dass die Zähne und das Zahnfleisch davon verfaulen und daher die meisten Männer ziemlich unansehnliche Zahnpartien haben. Ich kann auch wirklich nicht nachvollziehen, wie man das Zeug dann noch kauen kann, wenn so offensichtlich ist, dass davon die Zähne weggammeln?!

Ansonsten ist Yangon sehr lebendig, überall herrscht geschäftiges Treiben und es herrscht krassester Verkehr! Überall und zu scheinbar auch jeder Zeit ist Stau. Für die meisten Fahrten irgendwohin brauchten wir daher dann auch 30-40 Minuten, obwohl es sich eigentlich nicht um allzu große Distanzen handelte - aber die Taxis sind zum Glück unfassbar günstig und selbst eine 30 min Fahrt kostet nur so um die 3€. 
Der massive Stau liegt wohl auch daran, dass in der Stadt Roller verboten sind, da wohl irgendein hoher Beamter mal entschieden hat, dass ihm die Geräte auf den Sack gehen und diese daher kurzerhand in Yangon verboten hat. Klingt komisch aber je länger ich mich in Myanmar aufhalte, desto plausibler erscheint mir die Geschichte.

Hier sind ein paar erste Impressionen aus Yangon:

Stark war auch eine kleine Zugfahrt die wir von unserem Hotel ins Stadtzentrum unternahmen. Der Zug schaukelte extrem stark hin und her (da wohl die Gleise sehr eng beieinander stehen), die Türen waren wie in Indien die ganze Zeit offen.
Das Abteil war auch ziemlich überfüllt und die Leute transportierten große Gemüsekisten und allen möglichen anderen Krams und an einer Haltestelle trugen Leute riesige Säcke voller leerer Plastikflaschen herein - auf jeden Fall ein Erlebnis!
Dabei fuhren wir die ganze Zeit aber kaum schneller als Gehgeschwindigkeit und eine Rundtour um den Stadtring herum dauert wohl tatsächlich bis zu 3 Stunden!

In den nächsten Tagen besuchten wir noch ein Museum, in dem es einige ziemlich eindrucksvolle Antiquitäten gab, die den historischen Reichtum Myanmars verdeutlichten (Königsgewänder und so Zeug), besuchten eine der bedeutendsten Pagoden Myanmars und ein paar Parks. Hier ein paar Bilder:

Und dann ging es auch schon weiter in die wundersame offizielle Hauptstadt Myanmars, Naypyitaw - doch davon mehr im nächsten Post!

Zwei Babos in Pune und Slums in Mumbai

Eine gute Nachricht vorweg: Karl und ich haben es unglaublicherweise tatsächlich geschafft, die Indien-Reise ohne Lebensmittelvergiftung zu überstehen! Wer hätte das jemals für möglich gehalten?! Was vielleicht dabei geholfen hat, waren Kapseln mit probiotischen Bakterien die wir regelmäßig einnahmen. Diese sollen die Darmflora unterstützen, indem vor allem die „bösen“ Bakterien abgehalten werden, sich niederzulassen und ein Kumpel aus Norwegen hatte mir diese Kapseln empfohlen, da er damit auch unversehrt durch Indien gekommen war.
Wir waren zusätzlich aber auch sehr sehr vorsichtig und aßen nur vegetarisch (bis auf zwei kleine Ausnahmen von Karl), frisch gekochte/gebratene Gerichte, verrichteten das Zähneputzen mit Wasser aus Flaschen und hielten uns sogar der Versuchung von allen Fruchtshakes und Säften fern.
Denn obwohl unser Motto zwar eigentlich „no risk, no fun“ war, beachteten wir gleichermaßen den Grundsatz „better safe than sorry“!

Von Mumbai sollte es somit erstmal mit dem Zug weitergehen nach Pune. Auf dem morgendlichen Weg zum Bahnhof wollten wir eine Abkürzung nehmen und gerieten in eine Gasse, die uns den wohl abstoßendsten Moment unserer Indien-Reise beschwerte: In der Gasse wurde wohl Fisch verarbeitet, jedenfalls lagen überall zerpulte Fischteile und es stank unfassbar widerlich und den ganzen Boden bedeckte ein klebriger Schleim und überall Dreck und Müll. Als wir endlich wieder dort raus kamen, waren wir wirklich extrem erleichtert.
Bei der Zugfahrt bot sich uns entgegen unserer Erwartungen leider keine schöne Landschaft. Zu sehen gab es stattdessen Smog, viel Müll und Mietskasernen. Bei der Zugfahrt unterhielten wir uns mit einem Inder und als wir ihn zu Indiens Beziehung zu Pakistan fragten sagte er, das sei gegenwärtig nicht so gut, es habe schon lange kein Cricket Match zwischen den Ländern mehr gegeben.
Welch ein höchst interessanter Maßstab für diplomatische Beziehungen! Ich schätze zwischen Deutschland und Griechenland hat es auch schon lange kein Cricket Match mehr gegeben…

Hier ein paar Bilder von der Zugfahrt:

In Pune angekommen fuhren wir mit dem Taxi erstmal zum falschen Hotel (das einfach mal genau den gleichen Namen hatte), denn wie schon gesagt läuft in Indien ja immer alles schief. Den Abend verbrachten wir dann mit Essen und erkundeten ein wenig die Nachbarschaft.
Das Sightseeing ging dann am nächsten Tag so richtig los mit dem Besuch des Aga Khan Palace der dafür berühmt ist, dass Gandhi dort viel Zeit unter Hausarrest verbracht hat und seine Frau irgendwann dort starb. Zeitgleich besuchten auch mehrere Schulklassen die Anlage, für die wir scheinbar eine gewisse Attraktion darstellten. Außerdem ging es noch zu einem Tempel.

Danach hatte ich eine wichtige Skype-Konferenz, bei der aber das Internet mal wieder sehr große Probleme bereitete, während Karl alleine auf Tour ging und mit zahlreichen indischen Hochzeits-Einladungskarten als Postkarten wiederkam.

Am nächsten Tag bestiegen wir einen kleinen Hügel auf dem sich auch ein Tempel befand, um von dort eine hervorragende Aussicht über die Stadt zu genießen. Dann war der Plan eigentlich ein bisschen auf Shoppingtour zu gehen, aber irgendwie schafften wir es nicht, das Geschäftsviertel mit Hochzeitssachen und Frauenkleidung zu verlassen (in Asien scheinen die Geschäfte generell meist thematisch sortiert zu sein) und gaben dann irgendwann müde und frustriert auf.
Für den Abend hatte Karl uns über meinen eigentlich stillgelegten Tinder Account ein „Date“ mit einer Inderin klar gemacht, mit der wir uns in einer Bar treffen wollten. Vorher holten wir uns aber noch eine T-Shirt Bestellung ab, die wir am Vortag gemacht hatten: Unsere extra angefertigten „Babos am Start“ T-Shirts :D

No COmment...

No COmment...

Dann trafen wir uns mit der Inderin und stellten ihr ein paar Fragen zu den indischen Eigenarten (Kopfwackeln und ob die streunenden Kühe eigentlich irgendwem gehören), die sie uns aber leider nur unzureichend beantworten konnte. Sie schien auch eher aus der indischen Oberschicht zu kommen und hatte sogar ein Auslandssemester in Aachen verbracht, weshalb ihr Lebensstil wohl auch ein wenig westlich geprägt schien. Es war aber insgesamt ein ziemlich cooler Abend.
Hier noch ein paar Bilder unserer Erlebnisse in Pune:

Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück mit dem Zug nach Mumbai wo wir erstmal hart auf Shopping-Tour gingen. Ich ersteigerte unter anderem ein gutes Dutzend Curry-Mischungen, damit ich zuhause erstmal ordentlich mit dem Indisch-Kochen loslegen kann. Insgesamt fiel jedoch auch dabei wieder auf, wie wenig Touristen in Mumbai/Indien unterwegs sind und insgesamt sahen wir bei unserer gesamten Mumbai Reise wahrscheinlich kaum viel mehr als 20 andere Touristen.

Am vorletzten Abend beschloss ich, auch noch eine Rasur bei einem der winzigen Frisörläden zu wagen. Ich hatte mich noch nie nass rasiert (immer nur mit Elektrorasierer) und wollte das mal ausprobieren. In dem winzigen Laden arbeiteten 5 Inder, deren Hauptkonzentration jedoch weniger beim Haarschnitt war, sondern vielmehr bei einer indischen Fernsehserie, die sie nebenbei schauten. Außerdem wurde ich während meiner Rasur von meinem Frisör einmal kommentarlos angerülpst :D

Für den letzten Tag hatten wir mit der NGO Reality Tours eine Tour durch das Slum Dharavi gebucht.  Fotos waren bei der Tour aber leider verboten, um etwas Respekt zu wahren…
Es war ein ziemlich krasses Erlebnis - insgesamt schien es mir ein bisschen so, wie die Menschen im Mittelalter gelebt haben müssen, mit vielen Menschen auf engstem Raum unter minimalistischen Lebens- und Arbeitsbedingungen (abgesehen von dem ganzen Plastikmüll etc.). Beeindruckend und wohl auch eine Besonderheit des Slums war jedoch, was dort alles an Gütern unter einfachsten Arbeitsbedingungen hervorgebracht wird. Es wird sehr viel recycelt, Körbe geflochten, Tongefäße erstellt, Leder verarbeitet, Handtaschen und Koffer hergestellt und sogar Aluminium gegossen und aufbereitet. Uns wurde erzählt, dass die meisten Menschen auch direkt in ihrer Arbeitsstätte schlafen, um Kosten für eine Unterkunft zu sparen und so dann in einem 12 m² Raum in dem z.B. Kleidung genäht wird dann auch gleichzeitig vier Leute wohnen. Ein typisches Einkommen ist dann etwas wie 3$ pro Tag.
Und dann überall dieser Müll… wir kamen an kleinen Plätzen vorbei die komplett von Müll bedeckt waren und auf denen Kinder spielten. So ein Anblick macht einen schon ein bisschen fertig aber andererseits ist es dann auch wieder komisch, Kinder zu sehen die dort toben und lachen und scheinbar trotz dieser Bedingungen einfach Kinder sein können.
Trotz alledem muss ich jedoch sagen, dass ich es mir noch deutlich schlimmer vorgestellt hatte und nicht derart erschütternd empfand, wie ich erwartet hätte. Karl ging es ähnlich und wir fragten uns erst, ob wir durch die Reisen schon derart abgestumpft seien. Wir kamen jedoch zu dem Schluss, dass die materielle Armut zwar erdrückend sei, aber es beispielsweise im Gegensatz zu der krassen Armut in Manila hier sehr viel humaner zuging und vor allem der Umgang der Menschen untereinander ein ganz anderer ist: Die meisten Menschen bringen sich gegenseitig Respekt und Wertschätzung entgegen, scherzen und lächeln viel und es gibt wenig Kriminalität sodass man sich generell sicher fühlen kann. Im Gegensatz dazu hatten wir in Manila das Gefühl, dass wir für die Menschen nur wandelnde Geldbörsen sind und man sich dort eben auch untereinander weitgehend objektifiziert und kaum mehr als vollwertigen Mensch wahrnimmt. Und auch die materielle Ungleichheit war dort noch um einiges krasser mit funkelnden Shopping Malls vor denen die Menschen auf der Straße schliefen, während in Indien generell einfach wenig Luxus zu sehen ist, wodurch der Kontrast weniger krass ist.
Das alles soll aber natürlich nicht heißen, dass alles super ist, so wie es ist - im Gegenteil. 
Auf jeden Fall war die Tour aber eine ziemlich wertvolle Erfahrung für mich. Und es wurde mir wieder einmal bewusst, wie unfassbar privilegiert ich bin, so aufgewachsen zu sein wie ich bin. Dabei empfinde ich auch ein Gefühl der Verantwortung, mich für diese Privilegien würdig zu erweisen, indem ich etwas zurückgebe und meine Motivation, mich zurück in Deutschland für gesellschaftliche Veränderungen einzusetzen ist auf jeden Fall wieder ordentlich hoch.

Hier noch ein paar letzte visuelle Eindrücke von Indien:

Das war also Indien. Eine krasse Konfrontation mit dem Chaos und dem puren Leben. Ausgesprochen gut gefallen haben mir vor allem die Kühe, die überall auf den Strassen rumlaufen :D
Aber ich habe auch das Gefühl, wirklich erst einen kleinen Ausschnitt des Landes erlebt zu haben und kann mir gut vorstellen, dass es noch sehr viele weitere Facetten gibt, die mir dieses Mal verborgen geblieben sind.

Meine Gesamtausgaben für knapp einen Monat Indien betrugen ca. 800€ plus Flugkosten. 

Und es gibt wie in meinem letzten Post angedeutet größere Änderungen für meine weiteren Reisepläne:
Denn nach meiner Reise nach Pai, wo ich die Bekanntschaft mit der bezaubernden Chinesin Joanna gemacht hatte, blieben wir per Whatsapp und Skype sehr viel in Kontakt und haben schließlich beschlossen nun im März gemeinsam nach Myanmar zu reisen.
Der in Indien eigentlich anberaumte Meditationsretreat wurde dabei gewissermaßen in gegenseitigem Einvernehmen abgesagt, da es mich erstens nun selber stärker nach Myanmar als zur Meditation trieb und da das Retreat-Team zwei Monate nach meiner Anmeldung scheinbar plötzlich festgestellt hat, dass man doch bereits voll sei und für mich nun kein Platz mehr sei. Normalerweise hätte mich eine so kurzfristige und etwas schlecht begründete Absage sehr geärgert, aber so passte mir das natürlich ausgesprochen gut in den Kram (um es ökonomisch ausdzudrücken: Die Opportunitätskosten der Reise nach Myanmar waren quasi gesunken ;-) )
Mehr zu Myanmar erzähle ich dann in meinem nächsten Post.
Und mein Rückflug nach Deutschland ist mittlerweile auch gebucht: Ich werde am 25. März von Bangkok nach Frankfurt mit Condor zurückfliegen.

Karls Gastpost: Indischer Verkehr

Die Inder haben keine Ahnung von Verkehr, außer von Geschlechtsverkehr.
— Karl A., 2016

Als Mensch, der in den globalen Norden geboren wurde, ist der alltägliche Wahnsinn auf Indiens Straßen selbstverständlich eines der ersten Dinge, die einem nach der Landung auffallen. Der Kontrast ist groß, besonders weil man zuerst selbstverschuldet den “Linksverkehr” unterschätzt und beinahe von einem LKW überrollt wird. “Linksverkehr” deshalb, weil oft eher in der Mitte oder rechts gefahren wird, um zu überholen. Somit handelt es sich im Mittelwert um einen Halb-Linksverkehr.
Eigentlich ist es wie überall (Taiwan, Iran, China, Vietnam etc.): Chaos, Stress, Gehupe und eine höhere Unfallrate (und das sage ich jetzt mal ohne irgendwelche Quellen zu konsultieren, stimmt auch so).
Und im Zuge dieses Beitrags möchte ich auch gerne mit einer weit verbreiteten Fehleinschätzung aufräumen, nämlich der, dass das hiesige Chaos-System gleichwertig mit der zivilisierten Ordnung des Nordens (Deutschland, Schweden, VK, VS, Österreich, ...) ist. Das ist leider nicht so, hier gibt es mehr Unfälle, Verkehrstote, es geht langsamer voran, man hat ständig Angst, Lärmbelästigung durch Hupen, uswusf. (Quelle: Katharina Scholz). Klar, die ökonomischen Mittel für ABS, Airbag und automatische  Abstandssysteme sind nicht da, aber links vor rechts etc. würde schon helfen. 
Denn auf unserer kleinen Rollertour haben wir, obwohl meist auf unbefahrenen Wegen unterwegs, Verkehrsverletzte gesehen, brenzlige Situationen erlebt und den Kopf geschüttelt: Da das Tragen eines Gurtes nur auf der Autobahn kontrolliert wird schnallte sich unser Fahrer ab, sobald er, ohne den Blinker zu setzen, von dieser herunter fuhr. Wie hoch muss der negative Nutzen vom Gurt-Tragen, wie klein die subjektive Wahrscheinlichkeit eines Unfalls sein, damit dieses Verhalten einen positiven Erwartungsnutzen erzeugt?
Somit stellt sich auch die Frage zum Versagen  des Kolonialismuses: Wie kann es sein, das die Leute hier auch Jahrzehnte nach Abzug der Engländer und Portugiesen massiv christlich sind aber immer noch so fahren, als gebe es kein Morgen? Dies ist bedenklich, denn sowohl die Loslösung vom Glauben, als auch geregelter Verkehr würden Leben retten und ein längeres, selbstbestimmtes Leben unterstützen. 
Noch in Goa fiel auf, dass alle größeren Lastwagen die Aufschrift "Blow OK Horn" trugen - die Aufforderung an andere Verkehrsteilnehmer, vor dem Überholen zu hupen. Mithin eine völlig andere Funktion der Hupe als bei uns. Als wir dann nach einer Woche Goa in Mumbai ankamen, zeigte sich zweierlei: Erstens dass sich der indische Verkehr außerhalb der Provinz chaostechnisch keinesfalls hinter anderen Städten verstecken muss, sondern in der Großstadt durchaus maximal chaotisch ist und dass wenn jeder Überholversuch mit Hupen angekündigt wird, ein ohrenbetäubender Lärm entsteht.
Der Verkehr in Mumbai ist wirklich verrückt. Jegliche selbstverständlich erscheinenden Regeln werden missachtet. Auf beiden Spuren kann irgendwie in beide Richtungen gefahren werden, Ampeln sind nur Empfehlungen, die Straßen sind uneben wie die Haut eines Teenagers. Das es nicht dauernd kracht, liegt an der bewundernswerten Ruhe der indischen Verkehrsteilnehmer und der sehr langsamen Geschwindigkeit des Verkehrs. So ruckelt und tuckert man dahin, bremst ab, wenn in anderes Gefährt den Weg blockiert und schneidet anderen den Weg ab. 
Positiv ist, dass wir uns dank der billigen Preise (eine Fahrt zwischen 20 Cent und 5 Euro) nur noch chauffieren ließen und teilweise selbst kürzeste Strecken im Tuktuk, Taxi oder Uber-Auto zurücklegten, wobei Lino sich in diesem Punkt besonders konsumfreudig zeigte. 

Mumbai 1: Chaos, Cricket und Kino!

Gehupe, Gestank, Chaosund Menschenmassen wohin das Auge blickt - nach Goa hätte der Kontrast, der sich uns in Mumbai bot, wohl kaum größer sein können!

Von Goa aus hatten wir den Nachtzug nach Mumbai genommen. Die Fahrt ging um 19 Uhr abends los, und schön bis 4 Uhr morgens – also 8 Stunden für die ca. 450km. Alle zeitlich günstigeren Züge waren leider ausgebucht gewesen aber immerhin hatten wir noch ein 2. Klasse Ticket bekommen, was die komfortablere Wahl darstellt gegenüber der schlichten und in der Regel überfüllten Sleeper-Class. Die Plätze waren eigentlich ganz gut, nur für mich wie üblich ein bisschen kurz geraten. Schlafen konnte ich aber trotzdem nicht wirklich, auch dank des Lärms und Schaukelns.

Kurz vor 5 Uhr morgens kamen wir endlich todmüde bei unserem Hotel "Elphinstone" an. Auf der Fahrt sahen wir auch einige Leute auf den Gehwegen schlafen und waren sehr froh, das Taxi für die kurze Strecke zum Hotel genommen zu haben, statt zu laufen!
Check-In war offiziell erst ab 12 Uhr, aber wir hatten gehofft, dass man vielleicht Mitleid mit uns haben würde und wir eher ein Zimmer beziehen könnten. Leider hatten wir jedoch kein Glück: Mitleid war zwar vorhanden aber alle Zimmer waren noch belegt. So entschieden wir schließlich, einen frühmorgendlichen Besuch an den nahegelegenen Strand zu wagen.
An dem Strand schienen auch einige Menschen die Nacht zu verbringen und wir beobachteten ein paar kleine Kinder, die dort bei einem Fahnenmast ihr großes Morgengeschäft verrichteten und ein paar Jugendliche die sich im Meer wuschen.
Auch wir versuchten, dort im Sand ein Nickerchen zu machen aber das gelang uns nicht so richtig... 

Als wir zum Hotel zurück fuhren, durften wir dann ab 11 endlich, endlich einchecken, fielen komplett zermatscht in unsere Betten und schliefen erstmal bis 15 Uhr. Der frühe Vogel fängt den Wurm!
Es schien, dass wir uns gewissermaßen einen Zugfahrtjetlag erworben hatten :-/ Die Nachtzugfahrt war damit auf jeden Fall eher mäßig erfolgreich gewesen: Wir hatten bei der Dunkelheit weder etwas von der Landschaft an der Zugstrecke gesehen (die extrem schön sein soll), noch anständig geschlafen und den nächsten Tag konnten wir dann offensichtlich auch nicht so richtig nutzen, weil wir Schlaf nachholen mussten. Top!

Dann wagten wir noch einen kleinen Ausflug in die Nachbarschaft und erlebten das geschäftige Treiben Mumbais. Es war unfassbar viel los auf den Strassen und überall Menschen und dann dieses ununterbrochene Hupen! Als wir an einer Kreuzung standen, schlug Karl vor, einmal zu lauschen, was der längste zeitliche Abstand sei, bei dem wir kein Hupen vernehmen würden. Die Antwort war null. Hup-Pausen gab es nicht! Der einzige Unterschied war die Entfernung aus der man das nächste Hupen wahrnahm - direkt neben einem oder wenn es mal „leise“ war, dann aus 100m Entfernung. Wirklich krass!
Auch olfaktorisch hat Mumbai einiges zu bieten: Die Gerüche reichen von Stinkefuß oder faulen Eiern zu Urin und Autoabgas – mjami!

Bei unserem Streifzug durch Mumbai kamen wir durch eine Gegend, in der es sonderbarerweise zahlreiche Läden für Pokale und Trophäen gab und hatten den überragenden Einfall, einen Pokal für unsere Blobby-Volley Meisterschaften zu besorgen. Von da an trugen wir regelmäßige Blobby-Volley Weltmeisterschaften aus. Den ersten Sieg errang ich, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Den Tag darauf ging es dann aber richtig los. Den Morgen verbrachten wir damit, zu versuchen, ein Zugticket in das nahegelegene Pune zu erwerben, da Karl noch eine weitere indische Stadt außer Mumbai sehen wollte. Eigentlich wollten wir ein Ticket online buchen, da Punkt 10 Uhr am Vortag vor den Zugfahrten immer ein zusätzliches Ticketkontingent bereitgestellt wird, aaaaber da in Indien ja nie irgendetwas nach Plan funktioniert, stellten wir dann fest, dass an diesem Tag Wartungsarbeiten an der Website stattfanden -.-
Also fuhren wir zum Bahnhof und versuchten dort unser Glück. Nach zahlreichem Durchfragen und kurzem Anstellen an komplett überfüllten Schaltern folgten wir schließlich einem Typen, der uns anbot, ein Ticket über sein Reisebüro (gegen geringe Gebühr) zu buchen. Auch das klappte aber (wie fast schon zu erwarten) nicht, da mittlerweile alle Tickets für den Zug, den wir nehmen wollten, ausverkauft waren.
So gaben wir uns erstmal geschlagen und gingen ins Kino! Karl wollte sich nämlich unbedingt den Film „Dilwale Dulhaniya Le Jaayenge (DDLJ)“ reinziehen, da der Film bereits 20 Jahre in Mumbai läuft und einer der berühmtesten Filme Bollywoods ist. Als wir den Kinosaal leicht verspätet betraten, trafen wir auf eine wild pfeifende und johlende Horde Inder, die vor allem in die Hauptdarstellerin vernarrt zu sein schienen, welche Gesangs- und Tanzeinlagen performte. Ansonsten spielte der mittlerweile wohl berühmteste Bollywood Star, Shah Rukh Khan, einen verwöhnten, spätpubertären Macho, der allen auf der Nase rumtanzt. Als er ihre Bekanntschaft macht und sie natürlich auch verarscht und schlecht behandelt, verliebt sie sich in ihn (wie Frauen das ja zu tun pflegen bei dieser Sorte Mann :-P ) und so weiter. 
Da dieser Film aber auch wieder nur in Hindi ohne englische Untertitel war und wir deshalb von den Dialogen leider nichts verstanden, gingen wir nach ca. einer Stunde. Insgesamt war der Besuch aber trotzdem ein ziemlicher Erfolg. Vor allem das Publikum, das die Schlüsselmomente hart abfeierte, gefiel uns sehr gut! Die nächsten Tage hatten wir dann auch direkt einen Dauerohrwurm von der Titelmusik, die Karl uns auch am Handy regelmäßig vorspielte. (zu finden hier, sehr empfehlenswert)
Danach stolzierten wir ziellos über ein nahegelegenes Marktviertel, in dem ein sehr reges Treiben herrschte. Spontan wurden wir in einer Seitengasse auch zu einem kleinen Cricketmatch eingeladen. Das hieß, dass Karl zuerst einem kleinen Jungen mit Cricketschläger den Ball zuwerfen sollte und danach Karl und ich uns gegenseitig den Ball zuwerfen, schlagen und wieder auffangen sollten. Als uns das direkt beim ersten Mal gelang, feierte man uns hart - sehr lustiges Erlebnis!

Hier noch einige weitere Impressionen:

Danach hatten wir das Gefühl, unser Erlebnispensum für einen Tag Mumbai mehr als erfüllt zu haben und fuhren erschöpft zurück zum Hotel, wo wir dann noch ein (zeitlich nicht optimales) Ticket für den Zug am nächsten Tag nach Pune ergatterten.

Das reicht erstmal für einen Blogpost! Zeitnah gibt es hier den bereits fertiggestellten Gastbeitrag von Karl und den zweiten Teil zu unseren Erlebnissen in Mumbai und Pune.
Mittlerweile bin ich aber übrigens bereits in Myanmar, denn es gab ein paar größere Planänderungen – wie es dazu kam, erzähl ich auch in meinem nächsten Post!
Bis dahin!
Euer Lino

Mit Karl an den Stränden Goas

Freitag Nacht flog Karl im Flughafen von „Vasco da Gama“ in Goa ein und damit begannen für uns ein paar außerordentlich entspannte Strandtage!

DER ANBLICK meiner kleinen Karl-Prinzessin AM ERSTEN MORGEN

DER ANBLICK meiner kleinen Karl-Prinzessin AM ERSTEN MORGEN

Am ersten Tag besuchten wir einen nahe gelegenen Strand, der traumhaft schön aber völlig leer war. Schließlich gesellte sich aber eine Horde kleiner Karate-Kids dazu und wollten ein paar Fotos mit uns machen.

Beim Rückweg sprang uns mal wieder der wundersame Anblick eines Hakenkreuzes bei einem Tempel ins Auge. Toll!

Doch dann war es Zeit, das Stadtleben hinter uns zu lassen und wir bewegten uns zu den Stränden an der Südküste. Die erste Unterkunft war das Woodstock Cottages, das von dem immer-grinsenden Jamaica-Dreadlock-Hippie Nick gemanaged wurde – „How are you doing bro?“. Außerdem arbeitete dort der etwas dickliche Inder Lloyd, der Nick regelmäßig ankackte und für alles kritisierte. Dieses Duo gefiel uns ausgesprochen gut!
Der Strand war jedoch deutlich voller und auch fiel uns auf, dass hier sehr viele Russen unterwegs waren. Später erfuhren wir, dass viele Russen aufgrund der kränkelnden Wirtschaftslage mittlerweile ihre Urlaube nach Indien verlegen weil es günstiger sei als andere Länder.
Hier ein paar Bilder vom Benaulim Beach in Goa:

Da es uns nach maximaler Ruhe dürstete, mieteten wir uns einen Roller und fuhren weiter gen Süden. Die Fahrt durch kleine Gemeinden, Felder und Landschafen war ziemlich schön.

Schließlich erreichten wir das Strändchen Agonda und entschieden uns, ein paar Tage dort zu verbringen. Wir hatten am Strand beim „Harmonium Resort“ höchst bequeme Liegesäcke mit Sonnenschirm gefunden und so pilgerten wir täglich zu unseren Stammplätzen dort, um dann für je ca. 1€ Tee und Sprite zu bestellen und den mehr oder weniger kompletten Tag dort hart abzuchilllen.

In Agonda scheint fast jeder Yoga oder Meditation zu machen und alle sind extrem entspannt. Es ist aber doch ein bisschen touristisch und auffällig ist zum Beispiel, dass das Essen überhaupt nicht scharf ist. Das Essen ist aber sonst recht lecker und es scheint die Köche hier haben sich extrem internationale Kochkompetenzen angeeignet, denn in den Speisekarten gibt es üblicherweise gleichzeitig ein Angebot von Mexikanisch, Italienisch, Amerikanisch, Britisch, Kontinental bis (natürlich) Indisch und dann sitzt am Restaurant ggf. nebenan noch eine „deutsche“ Bäckerei (deren Angebot aber mit deutschen Backwaren eher wenig zu tun hat).
Das Internet war natürlich wieder katastrophal und außerdem gab es auch wieder ein paar Stromausfälle. Aber das war ja nichts neues mehr ;-)
Karl und ich hatten übrigens leicht inkompatible Schlafzeiten. Karl schlief in der Regel so 10 Stunden von 12 bis 10 Uhr morgens und ich war in der Regel schon eher müde, schlief dann aber auch nur 7 Stunden. Die Matratzen waren auch eher scheiße: Fingerdick und durchgelegen, weshalb ich mir den Rücken ziemlich verspannt habe.
Außerdem spielten wir natürlich, wie es sich gehört, mit unseren Smartphones exzessiv Blobby-Volley (zwei hüpfende Wackelpudding-Figürchen die Volleyball gegeneinander spielen), obwohl Karl für mich natürlich keinen gleichwertigen Gegner darstellt und seine Blobby-skills extrem mangelhaft und lächerlich sind.

Hier ein paar Impressionen:

Karl auf seinem Harmonium Premium Liegesack

Karl auf seinem Harmonium Premium Liegesack

Goa ist schon extrem entspannt und chillig und ich muss auch sagen, dass die Inder dort deutlich lässiger und freundlicher waren als in Bengalore. Vielleicht ist Goa so eine Art Kalifornien Indiens ;-)

Aber wir fühlten uns nie so richtig frisch. Man schwitzt gewissermaßen ununterbrochen (das Basisgeschwitze nimmt man irgendwann schon gar nicht mehr bewusst war), sodass die eigene Haut immer etwas schmierig ist und dazu gesellen sich in der Regel noch weitere Schichten aus Sand, Sonnencreme sowie Mückenspray. Ich glaube, mir damit auch bereits ein paar Tshirts ruiniert zu haben dank den besagten „Schmierschichten“ die nicht mehr so richtig rausgehen (was insbesondere bei weißen T-Shirts eher weniger schicklich aussieht). 
Bei einem Bad im Meer wurde außerdem unglücklicherweise meine Sonnenbrille verschluckt. Dafür brachte mir das Meer am nächsten Tag ein billiges Armband zurück – toller Tausch!

Ein letzter Moment mit SOnnenbrille, bevor das Meer sie Frass...

Ein letzter Moment mit SOnnenbrille, bevor das Meer sie Frass...

Schließlich war aber auch schon wieder eine Woche um, und es wurde Zeit, weiterzuziehen. Bei der Rückfahrt in das Stadtzentrum, von wo aus wir einen Zug nach Mumbai nehmen wollten, hatten wir wieder einen schönen Vorfall bezüglich des indischen Dialekts: So hielten wir zwischenzeitlich am Straßenrand, um uns nochmal mit Sonnenschutz einzucremen, als uns ein vorbeikommender Inder ansprach mit etwas wie „wahte heladhgm?“. Nach zweimaligem Nachfragen glaubte ich endlich verstanden zu haben was er meinte und rief aus „Watermelon?“, war aber auch etwa verwirrt, da er eigentlich keine Wassermelonen dabei hatte und auch kein Stand in der Nähe zu sein schien. Er schien von meinem Ausruf aber auch nicht gänzlich befriedigt zu sein.
Nach weiterem nachhaken und großer Verwirrung verstand Karl schließlich – der Typ hatte wohl gedacht, wir hätten ein Problem mit dem Scooter und gefragt „What happened?“ -.-

Von der Zugfahrt nach Mumbai und unseren Erlebnissen dort werde ich im nächsten Post berichten. Und zeitnah will Karl noch einen Gastbeitrag zum indischen Verkehr schreiben. Zumindest ist das der Plan aber theoretisch wollte Karl mir auch schon in Taiwan einen Gastbeitrag schreiben, der dann nie gekommen ist! Skandal! :-P

Am Bahnhof kurz vor Abfahrt

Am Bahnhof kurz vor Abfahrt

Hier auch nochmal der Link zum Eintragen in meinen Reiseblog-Newsletter:
http://www.linozeddies.com/subscribe-reiseblog

Bis baldrian! Euer Lino

Hart chillen in Bengalore

Jetzt bin ich schon eine Woche in Indien und es wurde hart relaxt!

Ich hatte es irgendwie schon wieder geschafft, mich leicht zu erkälten und daher bin ich die letzten Tage eher ruhig angegangen, habe viel gelesen und gechillt und in sehr angenehmen Hotelzimmerchen verbracht. Meine täglichen Ausgaben waren ziemlich minimalistisch: 8-13€/Tag für drei-Sterne Hotelzimmer inklusive Frühstück und dann nochmal so 4€ für 3 Mahlzeiten plus ggf. nach einem längeren Spaziergang durch die Nachbarschaft eine TukTuk-Taxifahrt zurück zum Hotel für nochmal 1€. Also wenn es drauf ankäme, könnte man hier für 15€ durchaus sehr angenehm über die Runden kommen.

In meinem letzten Post hatte ich einen Hörbuch Ausschnitt zitiert, dass in Indien so viel schief laufe und das kann ich mittlerweile sehr bestätigen. Ich war zwar nicht allzu aktiv die letzte Woche und daher gibt es eigentlich gar nicht so ausgesprochen viel, was schief laufen konnte, aber wo es ging da läuft es schief! So wird regelmäßig mein Frühstück vergessen, falsche Bestellungen gebracht, das WLan geht kaputt, die Hotelbuchung ist fehlerhaft etc. etc. Und auch in den 3-Sterne Hotelzimmern ist bei einem genaueren Blick immer sehr viel verhunzt: Im Bad ist alles undicht und überflutet, das Fenster schließt nicht, Brandloch im Bettlaken, Dreck auf den Möbeln, Schimmel in irgendeiner Ecke…

8€/Nacht! aber der erste Eindruck trügt über die ganzen verhunzten Details weg ;-)

8€/Nacht! aber der erste Eindruck trügt über die ganzen verhunzten Details weg ;-)


Bisher bin ich aber fast schon von mir selbst überrascht, wie locker ich diese Dinge nehme. Ich denke meist, „es is wies is“ und grinse in mich hinein. Hilft ja eh nichts sich aufzuregen ;-)
Lediglich etwas Stress bekomme ich noch manchmal wenn ich Pläne schmiede, wann ich was machen will und dann beispielsweise befürchte irgendwo zu spät zu kommen oder einen Bus zu verpassen will oder sowas. Mal gucken, ob ich es schaffe, mit diesem deutschen Pünktlichkeitswahn auch noch einen etwas lockereren Umgang zu finden...

Nachdem ich letztes mal so positiv über das Essen geschwärmt habe, hat sich die Situation hier aber leider ein wenig geändert. Scheinbar war eine Woche lang drei mal täglich irgendwelche Currys essen dann doch zu viel, denn auf einmal hängt es mir schon fast zum Hals raus -.-
Ich glaube das Problem ist, dass das Essen einfach zu fettig und scharf ist. Wirklich alles schwimmt im Fett, egal ob indisches Brot, Reisgerichte oder Omelette. Sogar viele der Süßigkeiten bestehen scheinbar aus einer Art Butterschmalz namens Ghee wie ich gelesen habe...
Darauf hat mein Körper jetzt scheinbar keinen Bock mehr und resigniert ein wenig und ich stelle bedeutend weniger Appetit fest als noch in Thailand wo ich mit dem Essen zeitweise kaum hinterher kam.
Wobei ich bei den letzten Gerichten aber auch manchmal einfach Pech hatte und an Dinge geraten war, die einfach nicht so lecker waren. Es ist auch ein bisschen wie Vokabeln lernen mit den ganzen Essensnamen, ich habe teilweise wirklich die Speisekarten fotografiert und dann zurück im Hotel die ganzen Namen gegoogelt: Thali, Dosa, Palak, Idly…
Zuletzt habe ich daher dann versucht auf etwas andere Gerichte auszuweichen und war zweimal Chinesisch essen. Aber worauf ich mittlerweile mal wieder richtig Bock hätte, wäre schööön deutsches Körnerbrot. Und dazu etwas leichte Rohkost, so ein hübsches, saftiges Möhrchen zum Beispiel! Mmmmmmmmh :D ...klingt komisch, ist aber so!
Wie Helge Schneider schon sagte „Tu mal lieber die Möhrchen!“

Hier nochmal ein paar Impressionen vom Essen:

So langsam wurde es dann Zeit, mich um meine Weiterfahrt nach Goa zu kümmern, wo ich zeitnah mit Karl zusammentreffen wollte.
Ich hatte mir überlegt, eine Zugfahrt dorthin zu wagen und fragte in kleinen Reisebüros nach Zugtickets. Diese verwiesen mich dann aber an einen Bahnschalter in einem Einkaufsblock, den ich nach viel umherirren im zweiten Stock eines wirren Gebäudes mit vielen kleinen Gängen fand. Doch leider waren in dem Schalterraum ein Haufen Leute, die scheinbar alle Zugtickets kaufen wollten. Als ich jemanden um Hilfe fragte wurde mir gesagt, das könne noch so anderthalb Stunden dauern bis ich dran käme, wenn ich mich in die Schlange einreihen würde. Na toll! Ich recherchierte kurz mit dem Smartphone im Internet und stellte fest, dass man Zugtickets wohl auch online kaufen kann und machte mich auf den Rückweg zum Hotel.
Im Verlauf der nächsten Stunden durfte ich dann feststellen, wie verdammt geil und benutzerfreundlich die Deutsche Bahn vergleichsweise doch ist! Denn das indische Zugbuchungssystem ist eine einzige Katastrophe: Es gibt 6 Sitzkategorien, man kann aber bei Verbindungen nur nach einer Kategorie suchen, außerdem werden keine Umstiegsverbindungen angezeigt, Züge sind oft schon Wochen vorher ausgebucht, es gibt aber spezielle Tickets für Ausländer und es gibt auch noch andere spezielle Tickets für Ausländer aber manche Züge kann man als Ausländer nicht online buchen und und und...

Nach über 3 Stunden intensiver Recherche gab ich mich daher geschlagen und buchte einen Flug.
Zwar hatte ich eine Verbindung gefunden, wo es noch ein Ausländerspezialticket gab aber das waren 15 Stunden Fahrt in der billigsten Kategorie… und das wollte ich mir dann doch nicht unbedingt antun (dafür wären es aber auch nur 8€ gewesen!).

Mittwoch machte ich noch einen Ausflug in den Botanischen Garten Bengalores. Die Größe der Parkanlage war überwältigend und was mich am meisten faszinierte, waren die Bäume. Gewaltige, machtvolle Exemplare von oft 3 Meters Stammdurchmesser.
Außerdem gab es mal wieder ein paar Affen zu bespaßen – das wurde aber auch mal Zeit! Ich hatte mich schon gefragt, wo denn in Indien die ganzen Affen versteckt sind...

Am Ende des Parkbesuchs setzte ich mich noch auf eine felsige Anhöhe und betrachtete die Umgebung und die versmoggte Stadt in der Ferne. Punkt 17 Uhr ertönten dann plötzlich aus allen Richtungen auf Lautsprechern laute "Alllaaaaaaahs aghbaaaaaaar lalaaaaaaaa, daaahaahaa allaaaaa". Es war wohl Zeit für das muslimische Abendgebet!

Ich packte also meinen Handtuchteppich aus und betete in Richtung Knut!
(kleiner Insider...)

Noch ein paar Impressionen von Indien:

Wie man sich denken kann, ist die Gesellschaft ziemlich patriarchisch und mir fällt auf, dass auf den Strassen sehr viel mehr Männer als Frauen herumlaufen. Auf eine Frau in der Öffentlichkeit kommen ca. vier Männer. Überraschenderweise habe ich aber einmal eine Gruppe von drei Transgender-Frauen (also Männer die als Frauen aufgemacht waren) gesehen, was mich etwas überrascht hat. Denn Homosexualität ist in Indien nicht allzu toleriert und daher hätte ich so etwas nicht erwartet.
Ansonsten sind die Menschen zwar meist hilfsbereit (wenn ich sie denn verstehe) aber doch insgesamt etwas stur und kaltschnäuzig (das ist aber natürlich nur eine Tendenz und es gibt auch sehr viele Ausnahmen). Wenn ich Leute anlächle, dann lächelt nur etwa jeder dritte zurück. Und viele wirken extrem gelangweilt. Und was etwas komisch ist, dass ich schon dreimal von Indern angesprochen und nach dem Weg oder sowas gefragt wurde – ich meine, normalerweise fragt man Touris nicht nach dem Weg und in anderen Reiseländern ist mir das noch nie passiert. Ich habe mich schon gefragt, ob ich mit meinem Aussehen möglicherweise als Inder durchgehen könnte (die Spanne an Erscheinungsbildern von Indern scheint sehr breit) aber dann würde es keinen Sinn machen, dass ich von anderen Indern wiederum manchmal angestarrt werde. Naja, egal.

Das Wetter wiederum ist fantastisch! Schön konstant 30° aber die Sonne brennt nicht zu stark (auch dank des dichten Smogs wie ich annehme :D)

Und übrigens habe ich in den bald 6 zurückliegenden Wochen kein einziges Mal Socken getragen! Bin immer nur in Flip-Flops oder meinen Barfußschuhen unterwegs. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal eine kleine Hommage an meine Barfußschuhe (Modell: Merrell Vapor Glove 2) aussprechen. Sind einfach perfekt zum Reisen: super leicht und luftig, man schwitzt nicht aber trotzdem bequemer und fester als Flip Flops, man kann damit auch Wandern und der große Bonus: sie sind auch für Sport geeignet, d.h. ich bin damit auch schon ein paar mal joggen gewesen. Die ultimativen Schuhe zum Reisen!

Abschließend noch ein paar verrückte Bilderchen:

Donnerstag mittag ging es dann schließlich zum Flughafen und diesmal bekam ich den allerletzten Platz im Flieger, Platz 30D! Das ist dann wohl die ausgleichende Gerechtigkeit des Universums :D
Dafür bekam ich dann aber immerhin als erster Essen.

Nun bin ich ziemlich lange alleine gereist und ich weiss, dass manchen das etwas ungewöhnlich vorkommen mag. Aber ich muss sagen, dass ich diese Zeit sehr genossen habe und mir nie langweilig war. So hatte ich die letzten Wochen sehr viel Zeit zum lesen (und quasi jede Woche ein Buch verschlungen), konnte viel nachdenken und in mich gehen. Dabei haben sich mir bereits einige neue Perspektiven und tiefere Erkenntnisse eröffnet (die aber natürlich strengster Geheimhaltung unterliegen).
Ich habe in dem Buch „Die Schriften von Accra“ von Paulo Coelho ein schönes Zitat gelesen, das mir diesbezüglich sehr aus dem Herzen sprach:
„Solitude is not the absence of company, but the moment when our soul is free to speak to us and help us decide what to do with our life.“ (Der volle Textauszug findet sich hier.)

Aber das alleine reisen hat sehr bald ein Ende denn bereits in wenigen Stunden werde ich Karl treffen und damit beginnt der zweite Teil meiner Reise.
Ich bin schon sehr gespannt! :D

In Indien!!!

Indien ist vollkommenes Chaos und das pure Leben!
Gefällt mir sehr gut! :D

Im Flieger aus Bangkok hatte ich tatsächlich den Sitzplatz A1 und bin als allererster dem Flugzeug entstiegen. Der Immigration Officer war aber extrem grimmig: "WHAT YOU WANNA DO IN INDIA?" - "äääh travelling?" - "WHAT YOU WANNA DO IN INDIA???" - "just travelling..." - "hmmmm... WHERE DO YOU COME FROM?" ...
Zum Glück wurde ich aber dann doch reingelassen und weiter ging es mit dem Bus ins Stadtzentrum. Es war bereits ziemlich spät, so gegen Mitternacht und bei der Fahrt düste der Bus über eine Schnellstrasse. Einmal kamen wir an einem umgekippten Kleinlaster vorbei, der die halbe Strasse blockierte, was den Verkehr aber nicht weiter zu stören schien. Fängt schonmal gut verrückt an, dachte ich!

Mein Handyakku war leider leer, sodass ich kein google maps zur Orientierung nutzen konnte. Ich hatte lediglich die Adresse von meinem Hotel und die ungefähre Position im Kopf, was mich ein bisschen hilflos machte. Als ich dann im ungefähr passenden Stadtteil an einer großen Strasse ausstieg war ich erstmal völlig verloren und fragte zwei Inder, die auch ausgestiegen waren um Hilfe. Tatsächlich wollten die beiden zum selben Hotel und luden mich sogar bei der TukTuk Fahrt dahin ein. Super nett und was für ein Glück für mich!

Es hatte sich ergeben, dass ein Chinese, Doaoran, den ich bei dem gescheiterten Meditationsretreat in Chiang Mai kennen gelernt hatte, auch gerade in Bengalore war und er hatte sich im selben Hotel ein Zimmer gemietet, sodass wir uns bei meiner Ankunft in der Lobby trafen und wahrscheinlich die nächsten Tage zusammen verbringen würden (eigentlich wollten wir uns ein Zimmer teilen, aber ich konnte meine Buchung nicht mehr rechtzeitig stornieren).

Daoran

Daoran

Am nächsten Tag gingen wir dann los, um die Umgebung zu erkunden. Als erstes wollte ich mir eine indische SIM Karte zulegen, was wie ich gelesen hatte, ein aufwändiger bürokratischer Akt sei, da diverse Unterlagen und Dokumente und sogar ein Passbild notwendig seien. Der kleine Laden bei dem ich schließlich eine Karte erwarb, nahm die Regierungsauflagen aber scheinbar nicht so genau und wollte dann gar nichts weiter von mir sehen außer eben der Bezahlung für die Karte. Da hatte ich wohl schon wieder Glück gehabt!

Mittlerweile waren wir beide ziemlich hungrig und ich bestellte bei einem Imbiss einen frittierten Teigkloß mit Curry. Zu meinem Unmut, nahm der Verkäufer den Teigkloß mit seinen bloßen Händen (an denen sicherlich viele böse indische Bakterien klebten), legte ihn in eine kleine Schale und zerdrückte ihn freudig mit den Fingern in kleine Teile, um dann das Curry daraufzugießen sowie diverse Gewürze und Marinaden drüberzustreuen und überreichte mir dann die Schale.
Puh - was tun?! Essen oder besser nicht essen?
Die Höflicheit und der Hunger obsiegten und ich aß das Teil, was ausgesprochen gut schmeckte. Dann würde ich die Magenverstimmung eben eher früher als später hinter mich bringen...
Die Inder scheinen übrigens generell mit den Händen zu essen.

Als nächstes ging es in einen nahegelegenen Park wo wir uns auf eine Parkbank setzten und etwas ausruhten. Schließlich kam eine kleine Gruppe Schüler vorbei und einer der Jungen fragte Daoran nach seiner Wasserflasche, welche er in den Händen hielt. Völlig verwirrt gab er dem Jungen die Flasche, welche diese entgegennahm, damit wegging und dann zurück bei seiner Gruppe ordentlich daraus trank. Wir beide waren völlig verwirrt und ich musste laut loslachen - auch aus Schadenfreude, dass es seine und nicht meine Flasche war. Schließlich kam der Junge zurück und gab Daoran nun die fast leere Flasche wieder und ging davon...
Später erfuhren wir von einem Tuktuk Fahrer, dass das in Indien normal sei und man sich von Fremden einfach Wasser geben lasse, wenn man durstig sei. Hier scheint also so eine Art Wasserkommunismus zu herrschen! :D Stark!

Weiter ging es zu einem eindrucksvollen Regierungsgebäude und mit dem TukTuk zu einem Palast, der dann aber leider geschlossen war. Bei dem Palast kam ein TukTuk Fahrer zu uns und bot an, eine Sightseeing Tour für umgerechnet nur 1€ zu machen. Er würde dafür zu Markt, Tempel, Moschee und Gerichtsgebäude fahren, was verdächtig günstig schien. Naja, wir nahmen das Angebot erstmal an und als wir los fuhren, machte ich heimlich ein Foto von seiner ID, die hinten im Wagen klebte und schickte diese an einen Freund - nur zur Sicherheit. Alles lief aber ordnungsgemäß und er fuhr uns zu diversen Sehenswürdigkeiten aber bot dann schließlich an, uns auch noch zu zwei Souvenirshops zu fahren. Die Fahrt sei dann sogar für uns umsonst, da er von den Eigentümern Geld dafür bekäme, wenn er Touris heranbringt. Leicht amüsiert willigten wir ein. Insgesamt fuhren wir dann sogar zu 4 Souvenirläden, die quasi allesamt das exakt gleiche Angebot hatten und deren Verkäufer die krassesten Feilsch-Skills hatten! So kaufte ich dann auch für umgerechnet 3€ einen kleinen Holzelefanten und ein Tuch.
Schließlich ging es zum Hotel zurück und wir mussten tatsächlich nichts für die Fahrt bezahlen! Eigentlich hatte ich ja eher damit gerechnet, dass die Inder die Touris krass ausnehmen aber gegenseitig scheint man das auch zu machen :D Ein etwas schlechtes Gewissen hatten wir beide dann aber irgendwie schon und im Nachhinein würde ich das wohl eher nicht wieder mitmachen - vielleicht schon fairer, wenn die vergleichsweise reichen Touris ausgenommen werden... ;-) 

Hier ein paar Bilder vom ersten Tag:

Am nächsten Tag durfte ich zahlreiche weitere Indien-Klischees erleben:
Erstmal bekam ich vom Hotel eine Wasserflasche, die offensichtlich schon mal geöffnet und aufgefüllt war. Ich war zum Glück vor meiner Reise vor genau dieser Praktik vorgewarnt worden, sodass ich es rechtzeitig bemerkte und eine Neue verlangte.
Dann machte ich einen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Daoran hatte sich bereits eine leichte Magenverstimmung eingefangen und war zurückgeblieben und so machte ich mich alleine auf zu einem Markt. Auf dem Weg sah ich Kühe gemütlich durch die Strassen spazieren und auf die Gehwege scheißen, eine indische Filmcrew, probierte ausgesprochen leckere indische Süßigkeiten, erblickte Berge von Müll, verstümmelte Bettler, verrücktesten Verkehr und eine Studentendemonstration mit Trommeln. Alles war unglaublich lebendig und überall Menschen. Eine Reizüberflutung war quasi allgegenwärtig.
Im Folgenden ein paar Impressionen:

Angenehm an Bengalore ist, dass es kaum Touris gibt und mir am Tag höchstens 10 Exemplare begegneten und alles einen sehr authentisch-indischen Eindruck machte. Ich wurde auch nur sehr selten von Bettlern oder (Teppich-)Händlern bedrängt, was in besser besuchten Städten eine einzige Plage sein soll. Außerdem soll die Stadt für indische Verhältnisse wohl vergleichsweise sauber und ordentlich sein, was mir den Einstieg damit natürlich einfacher macht aber wirklich Böses ahnen lässt bezüglich anderer Städte...

Nachmittags ging es Daoren dann wieder etwas besser und wir entschieden, ins Kino zu gehen und uns einen indischen Film anzusehen, um etwas Bollywood zu erleben. Es lief nur ein Film, sodass uns die Qual der Wahl abgenommen wurde. Dieser lief jedoch nur auf Hindu ohne englische Untertitel aber wir dachten: egal - hauptsache Bollywood! Es fing auch direkt super an, mit einer ordentlichen Tanz- und Gesangseinlage zu indischer Düdelidü-Musik. Danach wurde es aber eher zu einem x-beliebigen Action/Thriller Plot a la Hollywood (es ging um indische Flüchtlinge während Saddam Husseins Einfall in Kuwait und wie der Hauptdarsteller alle rettet) und da wir ja eh nichts von den Dialogen verstanden, hatten wir genug und verließen nach der Hälfte des Films den Kinosaal. Es war aber schon stark, dass die Filmqualität meinem Eindruck nach Hollywood in Nichts nachstand.

Der Film: Airlift

Der Film: Airlift

In den ersten beiden Tagen hatte ich somit bereits die volle Breitseite Indien erlebt :D
Mein Eindruck ist, Indien kann man nur hassen oder lieben - es gibt nichts dazwischen - aber ich gehöre wohl zur zweiten Sorte! :-) Ich hatte vor ein paar Wochen in einem Hörbuch etwas gehört wie "Viele Menschen meinen, die Welt müsste nach Ihren Plänen und Vorstellungen funktionieren (was offensichtlich verrückt ist). Eine gute Übung, um dies abzulegen, ist eine Reise nach Indien, denn in Indien funktioniert nichts nach Plan." :D

Witzig ist auch, dass viele Inder tatsächlich so komisch mit dem Kopf hin und herwackeln wenn man mit Ihnen redet. Ich habe im Internet recherchiert, was das bedeutet, aber bin immer noch völlig ratlos.

Und dann dieser verflixte indische Akzent! -.- Als ich zum Beispiel beim Flughafen angekommen war, bestellte ich bei einem Subway-Laden ein Sandwich aber verstand einfach überhaupt nichts, was der Typ mich bezüglich meiner Belags-Wünsche fragte. Das einzige was ich verstand, war als er seiner Kollegin genervt zuraunte "He doesn't understand me" -.- Vor allem passiert es mir häufig, dass ich nach dem dritten Mal Nachfragen noch immer nichts kapiere, dann einfach okay sage und dann nach einer komischen Pause registriere, dass das keine Frage war auf die ein okay passt...
Ich hatte gedacht, ich würde mich innerhalb weniger Tage daran gewöhnen aber da hatte ich wohl falsch gedacht! :-/

Dafür ist das Essen ein Traum! Ich schätze, die Hälfte der Inder sind Vegetarier, sodass die Auswahl für mich hervorragend ist und egal was ich bisher gegessen habe - es schmeckt fantastisch!
Das Essen ist nur leider verflucht scharf! Egal ob Brot, Curry oder Suppe - alles brennt! Manchmal bekomme ich absurderweise Schluckauf, weil es so scharf ist. Meine Mundnerven scheinen sich durch Thailand aber zum Glück schon etwas angepasst zu haben und zumindest verschwindet der Schmerz mittlerweile relativ schnell...
Manchmal hatte ich auch schon ein komisches Gefühl im Verdauungstrakt und dachte dann, jetzt kommt der Dünnpfiff, was sich dann aber nur als "Nachbrenner" herausgestellt hat :D

Ich bin tatsächlich sehr überrascht, dass ich es mittlerweile schon 4 Tage in Indien geschaffte habe, noch keine schwere Magenverstimmung zu entwickeln. Mein Verdauungstrakt verdient meinen vollsten Respekt! Auf Rat eines Freundes aus Norwegen hattee ich die letzten Tage auch schon vorbeugend Kapseln mit probiotischen Bakterien eingenommen und vielleicht war das auch eine gute Sache...

Hier noch ein paar Bilder vom indischen Essen!


Genug fürs Erste! Schüss!

Abschied von Thailand: Bars, Bahn und Bangkok

Nach dem Elefantenreservat gab es für mich den restlichen Tag noch einen krassen Kontrast zu erleben: Da ich alter Partybär es geschafft hatte, in knapp einem Monat Thailand kein einziges Mal abends auszugehen, beschloss ich einen Ausflug in die Barszene zu machen und spazierte in die nahegelegene Partymeile. Dort reihte sich eine Bar an die andere und bot mir ein neues Gesicht von Thailand: Zahreiche "Bar Girls" standen an den Eingängen der Lokale und waren aggressiv auf Besucherjagd. So wurde mir schon mal der Weg versperrt, der Arm festgehalten und auch einen Griff an den Po und von einem Ladyboy auch gleich in den Schritt musste ich über mich ergehen lassen. In den zahlreichen Massagesalons, in denen tagsüber eher ältere Frauen und Männer arbeiteten, standen jetzt vor allem junge Frauen, was mich vermuten ließ, dass nun auch gewisse andere Dienste im Angebot waren. Das Bild hatte sich somit ziemlich gewandelt!
Schließlich endete ich dann bei einem Thaibox-Ring und da ich mir noch nie irgendeine Art Kampfsport-Wettkampf live angeschaut hatte und ich auch dachte, dass sei ein guter Abschluss meiner Thailand Reise holte ich mir für 5€ ein Ticket und schaute dem Spektakel zu. Beim ersten Kampf ging es recht langsam und vorsichtig los, eskalierte dann aber immer weiter und endete schließlich in der dritten Runde, da sich einer der Kontrahenten den Arm verletzt (gebrochen?) hatte. Dann kam ein eher komisch-absurdes Getümmel mit 4 Typen von denen dreien die Augen verbunden wurden, sodass es ein orientierungsloses Luftschlag-Chaos gab und die Kämpfer sich teilweise in einem wilden Knäuel auf dem Boden rauften.
Der dritte Kampf hatte es dann in sich: Ein hämisch grinsender Thai wie aus dem Film gegen einen etwas stämmigeren Südländer. Und BAM BAM BAM wurden die Schläge verteilt. Ziemlich krass was die Typen so einstecken konnten! In der dritten Runde ging der Thai dann aber K.O. zu Boden und ich hatte auch erstmal genug.

Ich muss zugeben, dass mich die Kämpfe durchaus ziemlich fasziniert und gepackt hatten aber gleichzeitig fand ich es auch ziemlich abartig, so auf sich einzudreschen - wie ein modernes Kolosseum halt...

Für den Abend hatte ich damit genug erlebt und trat den Nachhauseweg an, auf dem ich dann auch nochmal einige offensive Bar Girls zurückweisen musste.

Am nächsten Tag (Sonntag) überfraß ich mich mittags erstmal völlig bei einem Indischen Restaurant. Danach musste ich mich vom Fresskoma auch erstmal ein paar Stunden ausruhen. Abends ging ich dann noch zu einem extrem großer Markt in der Nähe und kaufte mir für je ca. 3€ ein Schal-Tuch-Irgendwas und zwei T-shirts als Souvenirs für meine Reise. Es gab unglaublich viele verschiedenste Sachen und wenn ich nicht noch 2 Monate Reisen vor mir gehabt hätte, hätte ich mir die Taschen wahrscheinlich mit Souvenirs vollgepackt...
Als ich so durch den Markt spazierte, ertönte eine Lautsprecherdurchsage und plötzlich blieben alle wie erstarrt stehen (und ich dann auch) - es wurde nämlich die Thailändische Nationalhymne gespielt! Wie ich dann erfuhr, geschieht das auf öffentlichen Plätzen täglich um 8 Uhr morgens sowie 18 Uhr abends. Das wäre doch vielleicht auch mal was für Deutschland - fände die AfD bestimmt super! :D

Ich hatte tagsüber viel über das Geschehen des vorigen Abend in der Barszene nachgedacht und beschloss schließlich, noch einen weiteren Ausflug dorthin zu machen, um mir das Geschehen etwas aus der Nähe anzusehen und mich mit einem Bar-Girls zu unterhalten und sie etwas auszufragen. Das Ganze war mir aber dermaßen unangenehm, dass ich mehrere Anläufe brauchte, bis ich es schließlich über mich brachte, eine der besagten Bars zu betreten. Der Laden war nach draußen offen, es gab gerade Live-Musik und alles schien wie eine x-beliebige Bar, nur eben dass am Eingang einige der besagten Damen standen und so erkennbar machten, dass man hier noch mehr als nur Getränke bestellen konnte. So setzte ich mich an einen Tisch, bestellte eine Sprite und Fritten und wartete bis schließlich eine Thailänderin zu mir kam und fragte ob sie sich dazusetzen könnte. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde (sie war 21) kam dann auch gleich die Frage ob ich einen "horny evening" hätte, woraufhin ich mich entschuldigte, dass ich für so etwas nicht gekommen sei und ich mich nur unterhalten wolle. Ich hätte das Mädchen eigentlich zu gerne über ihren Job, ihr Leben und das ganze Geschehen ausgefragt aber ihr Englisch war leider sehr brüchig, sie war ganz neu in der Stadt und hatte den Job wohl erst vor 2 Tagen angefangen und wir fühlten uns beide offensichtlich extrem unwohl in unserer Haut. Die anderen Bar-Girls an den Nebentischen schienen deutlich lockerer und lachten und flirteten mit ihren Gästen (viele Männer zwischen 40-60) und ich vermutete, dass das Mädchen mir zugewiesen worden war, weil ich eher harmlos, jung und freundlich aussah und damit vielleicht besser geeignet für ihren "Berufseinstieg" als die älteren Herren. Ich gab ihr dann noch einen überteuerten "Lady-Drink" aus (das muss man scheinbar so machen als Preis für die Unterhaltung), während sie immer näher rückte und mein Bein betätschelte, was ich versuchte, freundlich zurückzuweisen. Nach noch ein bisschen kränkelndem Small Talk (ihr Lieblingssänger war tatsächlich Rod Stewart!) trat ich dann auch den Rückzug an.
Heilige Scheiße - ich hatte mich wirklich schon lange nicht mehr dermaßen unwohl gefühlt!

Ich habe mir mittlerweile viele Gedanken zu der Thematik gemacht und habe überlegt, ob ich hier einen kleinen Aufsatz schreibe aber mich dagegen entschieden. Nur kurz sei gesagt, dass ich zwar schon den Eindruck habe, dass für viele Thailänderinnen ein Job als Bar-Girls (gegeben die Berufsalternativen) wahrscheinlich durchaus oft eine Chance darstellen kann, der Armut zu entfliehen und wohl auch gar nicht so selten funktionierende Pärchen zwischen den (vergleichsweise) reichen, weißen Männern und hübschen, jungen Thailänderinnen entstehen, was eine win-win Situation ergeben kann.
ABER insgesamt ist das Ganze in meinen Augen auch einfach extrem abgefuckt! So wie ein Organhandel mit einer verhungernden Person auch komplett abgefuckt ist (vielen Dank an JiaXiaSha für diesen schönen Vergleich!).
Die extreme Ungleichheit zwischen den Ländern hat ihre Wurzeln definitiv auch in der historischen Ausbeutung und Kolonialisierung und andauernden institutionalisierten Machtstrukturen. Wer wo geboren wird und damit eben reich oder arm ist, ist letztendlich weitestgehend purer Zufall. Der Zustand, dass die mit dem glücklichen Los, in andere Länder reisen können, um sich eine schöne Frau zu "kaufen" hat etwas ziemlich menschenverachtendes an sich und selbst wenn eine Heirat mit einer Thailänderin deren Los objektiv verbessern kann, so erscheint es mir einfach falsch. Sollten wir Privilegierten unsere Mittel nicht viel eher darauf verwenden, das Leben der anderen zu verbessern, die Ungerechtigkeit abzumildern und uns damit würdig erweisen für unser glückliches Los und uns nicht mit dem Geld eine günstige Frau kaufen?

Am nächsten Tag, Montag ging es schon weiter mit dem Zug nach Bangkok. Überraschenderweise startete der Zug seine Reise sogar eine Minute zu früh, was wie ich hoffte, ein gutes Omen war. Der Zug tuckerte die nächsten Stunden mit gefühlten 30kmh vor sich hin aber bei der zweiten Fahrthälfte nahm er an Fahrt auf und fing krass an, hin und her zu wackeln. Als ich dann einmal zur Toilette ging, um meinem Außenminister die Hand zu schütteln, war das schon eine gewisse Herausforderung bei extremsten hin und her Geschwanke.

Brennende Felder

Brennende Felder

Übrigens stoße ich mir ungefähr ca. einmal täglich den Kopf (auch im Zug)...

Da ich in Bangkok erst abends (sogar relativ pünktlich) ankam, blieb nicht mehr viel zu tun aber für den nächsten Tag machte ich ein bisschen Sightseeing und besuchte einen Park und eine Schlangenfarm. Vor allem die Schlangenfarm war ziemlich cool und hatte eine Show, bei der Tiere diverser Größen und Aggressivitäts-Persönlichkeiten präsentiert wurden. Auch identifizierte man für mich die Schlange, die mir auf der Strasse von Pai begegnet war als nicht giftig. Wäre ich gebissen worden, dann hätte ich aber Glück gehabt!

Abends ging dann bereits mein Flug nach Indien und die Anreise zum Flughafen schaffte ich für nur 2,50€! 2€ für ein Rollertaxi zu einer Busstation und 0,50€ für die 90min Busfahrt zum Flughafen!

mit dem Rollertaxi Richtung Flughafen! Die Roller haben den Vorteil, dass sie zwischen den ganzen Autos einfach vorbeiziehen und so sehr viel schneller unterwegs sind - vor allem in der Rush-Hour wenn alles steht.

mit dem Rollertaxi Richtung Flughafen! Die Roller haben den Vorteil, dass sie zwischen den ganzen Autos einfach vorbeiziehen und so sehr viel schneller unterwegs sind - vor allem in der Rush-Hour wenn alles steht.

Somit hatte ich einen Monat Thailand bereits hinter mir liegen - unglaublich! Und an dieser Stelle muss ich auch nochmal zwei Aussagen aus vorherigen Blogposts revidieren:

Erstens muss ich zurücknehmen, dass Thailand mich nicht berührt hat, denn mittlerweile hat es das! Vor allem die Fahrt nach Pai hatte etwas magisches und auch das Gesamtpaket, die Vielfalt und die vielen exotischen Tiere waren großartig!
Ich denke, Thailand ist als bewährtes Reiseziel extrem lebenswert und vergleichsweise einfach, komfortabel und sicher. Die Menschen sind nett, die Natur überwältigend, das Leben günstig.

Zweitens muss ich wohl auch korrigieren, dass der Sextourismus nicht so präsent ist. Die Einschätzung war wohl etwas vorschnell und verzerrt durch meinen gering ausgeprägte Partytrieb.

Nun ein paar Infos zu meinen bisherigen Reisekosten: In Thailand habe ich ziemlich genau 1000€ ausgegeben, ausgenommen die Flüge, die 360€ für den Hinflug, 70€ für den Flug nach Chiang Mai und 100€ für den Flug nach Indien. Geht eigentlich ziemlich klar! Ich schätze, Indien wird sogar noch ein bisschen günstiger, vielleicht 800€ im Monat - mal schauen.

Und zum Abschlus noch kurz meine Pläne für Indien: Als erstes geht der Flug nach Bengalore, dann werde ich weiterziehen an die Küste nach Goa, wo mein Kumpel Karl in anderthalb Wochen dazustoßen wird und dann werden wir etwas Strandurlaub machen und uns an der Küste gen Norden nach Mumbai bewegen. Von dort wird Karl wieder nach Deutschland zurückfliegen und ich werde in der Nähe von Mumbai den ursprünglich geplanten 10 Tage Vipassana-Meditationsretreat machen (wenn ich durchhalte). Mitte-Ende März geht es dann für mich zurück nach Deutschland, vielleicht noch mit einem Zwischenstop in Dubai um das höchste Gebäude der Welt, das Burj Khalifa, zu erklimmen. So zumindest der Plan...

Im Elephant Nature Park!

Da meine zurückliegenden Erlebnisse im "Elephant Nature Park", einem Elefantenreservat dermaßen beeindruckend waren, gibt es jetzt schon wieder einen Blogpost!

Reparierte Frisur

Reparierte Frisur

Der erste Tag zurück in Chiang Mai war nicht besonders erlebnisreich, da ich hauptsächlich ein paar Dinge erledigte, Emails beantwortet und z.b. 3kg dreckige Wäsche zu reinigen hatte. Highlight des Tages war es aber immerhin, dass ich es erfolgreich schaffte, meinen Haarschnitt zu reparieren, indem ich die Seiten etwas kürzen liess und meine Frisur somit jetzt in militärisch ordentlicher Kürze erstrahlte.

Als ich vor einer Woche den Chiang Mai den Zoo besucht hatte, gab es auch schon die Möglichkeit, für nur 4€ einen kurzen Elefantenritt zu machen, aber da die Tiere dort in Ketten lagen und nicht allzu glücklich aussahen, hatte ich mich dazu durchgerungen, diesem Angebot trotz des Wahnsinnspreises zu entsagen. Später hatte ich dann aber im Internet nach ethischeren Alternativen gesucht und war dabei auf den "Elephant Nature Park" gestoßen. Der Park war von einer mehrfach ausgezeichneten Tieraktivistin gegründet worden und nahm sich primär verletzen oder misshandelten Elefanten an, aber auch zahlreiche Hunde, Katzen und andere Tiere finden dort ein Zuhause.

Ich hatte schon ein paar Tage mit mir gerungen, ob ich den Elephant Nature Park besuchen sollte, da der Preis von ~60€ für einen Tag mir recht üppig erschien, aber hatte mich dann kurzerhand doch noch dafür entschieden und das war eine sehr gute Entscheidung.

Morgens ging es mit dem Minibus los. Auf der Fahrt gab es noch einen kleinen amüsanten Info-film über den Park und die Verhaltensregeln: immer in Sichtkontakt der Elefanten stehen, nur interagieren wenn der Mahout (der persönliche Führer jedes Elefanten) dabei ist, nicht ärgern, immer achtsam sein ;-)

Dann kamen wir an und vor uns lag der Park mit weiträumigen Landschaften und einer eindrucksvollen Wildniskulisse. Als erstes durften wir die Dickhäuter von der Gebäudeveranda aus mit Wassermelonenstückchen füttern, sodass der rote Saft den Tieren nur so aus den Mäulern floss. Elefanten fressen wohl täglich ein Zehntel ihres Gewichts, haben auch eine sehr schnelle Verdauung und essen (und kacken) daher quasi den ganzen Tag.
In meiner Besuchergruppe waren noch 10 andere Leute und als nächstes ging es mit unserem Guide zu einer Führung durch die Anlage und zu verschiedenen Elefanten, von deren Hintergrundgeschichten und Erlebnissen er uns erzählte. So gab es zum Beispiel einen Elefanten, der von seinem Besitzer zur Strafe die Augen zerstochen bekommen hatte und nun blind war und mehrere Exemplare die von Landminen schwere Fußverletzungen hatten. Entsprechend wurde uns auch gesagt, dass einige Elefanten aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit Menschen weniger freundlich als andere seien und wir uns vor diesen Exemplaren eher zurückhalten sollten. Elefanten werden übrigens ähnlich alt wie Menschen, ein Exemplar das man uns zeigte war auch schon 70 Jahre alt. Interessanterweise verlieren Elefanten mit dem Alter auch ihre Zähne, was in der Natur dann normalerweise den Tod bedeutet aber in der Anlage bekamen die "Senioren" extra geschälte Wassermelonen, gekochten Kürbis oder Reisbällchen.

Hier ein paar Impressionen:

Dabei war ich überwältigt von der Atmosphäre der Anlage und wie liebevoll mit den Tieren umgegangen wurde. Es machte tatsächlich den Eindruck, dass diese Anlage primär den Tieren diente und die Besucher nur als Finanzierung für die Elefanten dienen und gerade nicht die Elefanten lediglich als Unterhaltung für die menschlichen Besucher. Daher werden in der Anlage auch keine Elefanten geritten, was ich ursprünglich etwas bedauert hatte, aber im Nachhinein war es viel besser so - nämlich gerade nicht die Tiere zu dominieren und zu benutzen, sondern auf Augenhöhe mit Ihnen in ihrer vollen Kraft zu interagieren. Genau so sollte die Beziehung zwischen Mensch und Tier aussehen.

Es war für mich ziemlich beeindruckend, die Tiere so frei und voll in ihrem Element zu sehen, in ihrer vollen Kraft und Schönheit. Dieses Erlebnis hatte eine ganz andere Qualität als etwa der Zoobesuch und auch die wunderbar gelebten Ideale des Parks berührten mich sehr.

Zur Stärkung gab es mittags ein sehr umfangreiches Buffet (natürlich vegetarisch) und dann ging es weiter mit der Führung zu einem Jungtier. Auch das war ziemlich stark, denn das Tier war unglaublich verspielt, kaum anders als ein Hunde- oder Katzenbaby. So rollte es einen Autoreifen vor sich her, zog wild an einem Seil herum in dem es sich dann regelmäßig verhedderte, rannte auf Besuchergruppen zu, um mit diesen zu toben (zu deren Schrecken) und strotzte nur so vor Energie.
Einmal ergab sich dabei eine ziemlich krasse Situation, in der das Junge energisch auf eine Gruppe zueilte und eine ältere Frau beim Zurückweichen stolperte, hinfiel und sich dabei scheinbar verletzte, da sie liegen blieb. Die Mahouts scheuchten den Elefanten von der Frau weg und im nächsten Moment war das Elefantenjunge von drei Hunden umgeben die neben ihm herrannten und seinem peitschenden Rüssel auswichen und dann trötete aus der anderen Richtung auf einmal lautstark einer der erwachsenen Elefanten und alle waren in heller Aufregung! :D
Es ist aber nichts weiter passiert und in den mittlerweile 20 Jahren des Parkbestehens wurde wohl auch noch kein einziger Mensch von Elefanten verletzt, da man schon sehr vorsichtig ist. Also alles tutti ;-)

Dann gingen wir weiter zu einem anderen Ort mit einer Wasserstelle, wo noch ein anderes Elefantenjunges war und auch dort ereignete sich ein aufregender Vorfall. Wir waren auf einem kleinen Aussichtspunkt und beobachteten die Tiere als in der Ferne ein Mann hervorkam. Als das Elefantenjunge ihn sah, rannte es auf ihn zu und scheinbar alarmiert, röhrte einer der älteren Elefanten und plötzlich setzte sich die ganze Horde in Bewegung auf den Mann und das Junge zu. Man hatte uns erzählt, dass die Herde sich typischerweise bei der kleinsten Gefahr schützend um das Junge stellen würde, um Angreifer abzuwehren und das war es offensichtlich, was gerade passierte, nur dass dieser vereinzelte Mann nun auch mittendrin in dem Meer aus Dickhäutern verschwunden war. Ich wurde bereits etwas verstört, aber unser Guide war völlig relaxed und erzählte uns, dass der besagte Mann der Ehemann von der Parkgründerin sei und keine Angst vor den Tieren habe - alles kein Problem. Kurz darauf tauchte der Mann auch wieder auf und später sah ich ihn auch nochmal aus der Nähe, vollgeschlammt und breit grinsend neben einem der Tiere sitzen. Starker Typ!

Zum Abschluss war Elefanten-Waschen angesagt. So bekamen wir jeder einen bunten Eimer und im anliegenden Flussufer bekam ein größeres Exemplar einen Trog mit Wassermelone vorgesetzt und während er so vor sich hin fraß bespritzen wir ihn mit Wasser, um ihn in der warmen Sonne ein wenig abzukühlen - zumindest bis er davon genug hatte und davon trottete.

Damit hatte der Ausflug sein Ende und zurück ging es mit dem Minibus in die Stadt.
Was für ein Tag!

Mit dem Roller nach Pai

Den Retreat vorzeitig abzubrechen, hatte den Vorteil, dass ich eine zusätzliche Woche in Thailand mit Rumreisen verbringen konnte und dafür hatte ich beim vielen Meditieren schon einige Pläne geschmiedet.
Erstmal ging es für mich aber zurück in die Stadt um mich vollzufuttern und dabei merkte ich, dass ich doch ganz schön fertig war von der Tempelerfahrung und vielleicht erstmal einen Tag Pause machen sollte. So zog ich in das gemütliche Bodhi Tree House, das ich dank dem anliegenden vegetarischen Restaurant entdeckt hatte und ließ mir Tipps für die weiteren Tage geben. Ich hatte mir überlegt, als nächstes noch weiter in den Norden in das gechillte Örtchen Pai zu fahren und rang noch mit mir, ob ich mir die ca. 4h Rollerfahrt durch die Berge alleine zutraute. Schließlich entschied ich, noch am Nachmittag einen Roller zu mieten und in der Stadt herumzufahren, um mich ein wenig auszutesten. Ich kam mit dem Gerät im dicht-chaotischen Verkehr der Stadt aber überraschend gut zurecht und fühlte mich sogar ziemlich sicher.
Also war ein Entschluss gefasst: Am nächsten morgen sollte es früh morgens los gehen nach Pai! Den Rest des Tages machte ich noch ein paar Erledigungen und verpasste mir einen neuen Haarschnitt. Die Frisörin nahm sich dabei sehr viel Zeit (was mich optimistisch stimmte) aber als sie fertig war und ich meine Brille aufsetzte, um das Werk zu begutachten hatte sich "gut Ding braucht Weil" leider nicht erfüllt. Der Pony viel zu kurz aber dafür die Seiten komisch lang - naaaaaaaaja! Aber Haare wachsen ja zum Glück nach...

Am nächsten Morgen stand ich um 7 Uhr auf, ließ mein großes Backpack bei der Unterkunft zurück und packte nicht viel mehr als ein paar Unterhosen, Badesachen und meinen Laptop in meinen Tagesrucksack, was wie ich hoffte, für die nächsten Tage reichen würde.
Und los ging die Fahrt! So früh am morgen war es noch ziemlich kalt und auch der Fahrtwind war ziemlich stark. Als ich daher nach ca. 50 min Fahrt das erste mal stoppte merkte ich, dass ich komplett ausgekühlt war - vom konzentrierten Fahren hatte ich scheinbar meine Körpertemperatur vergessen.... Also zog ich mir schnell alle Kleidung über, die ich noch im Rucksack hatte, suchte ich mir das nächste Cafe, bestellte mir einen heissen Tee und stellte mich in die Sonne um mich aufzuwärmen, was dann auch durchaus erstmal 15 min dauerte. 

Selfie beim Roller Fahren

Selfie beim Roller Fahren

Wieder aufgewärmt verließ ich nach ca. einer Stunde Fahrt die Hauptverkehrsstrasse, denn nun führte der weitere Weg durch die Berge mit wunderschönen Berg- und Waldkulissen, an denen ich vorbeidüste. Die Strasse war berühmt-berüchtigt für insgesamt 762(!) Kurven und hatte auch ein paar Schlaglöcher, aber mit entsprechend reduzierter Geschwindigkeit war das alles kein Problem und die Rollertour war insgesamt eine ziemlich spaßige Angelegenheit. Die Alternative wäre gewesen, mit einem Touri-Kleinbus zu fahren, aber laut Erfahrungsberichten übergibt sich bei der kurvenreichen Fahrt so mancher Fahrgast und ich war ziemlich froh, dass ich mir das ersparen konnte.

Inklusive Pausen war ich aber dann doch stolze 7 Stunden unterwegs, bis ich in Pai komplett erschöpft ankam. Als Unterkunft hatte ich ein ziemlich nettes, kleines Bungalow-Hüttchen am Ortsrand gebucht und den restlichen Tag verbrachte ich hauptsächlich mit Essen :D Übrigens komme ich immer besser mit der Schärfe des Essens klar, was für Indien vielleicht gar keine schlechte Vorbereitung ist - nicht, dass ich dort vor einem selbstmörderisch scharfen Gericht sitzend verhungern muss...

Den nächsten Tag, Sonntag, ging ich dann wandern zu einem Wasserfall. Die Natur war ziemlich beeindruckend und einmal trat ich tatsächlich fast auf eine Schlange die dann weghuschte und im Flusswasser verschwand! Uiuiuiuiuiui!
Auch vor wilden Krokodile, blutrünstigen Hornissen und angriffslustigen Nashörnern musste ich mich auf dem Weg mehrfach verteidigen, aber meiner Bambusstock-Kampftechnik hatten die Bister wenig entgegenzusetzen und eins nach dem anderen kickte ich todesmutig in das Flussbett zurück.

Die Schlange gab es sogar wirklich! Hier habe ich noch rechtzeitig ein BeweisFoto geschossen bevor sie ganz weg war...

Die Schlange gab es sogar wirklich! Hier habe ich noch rechtzeitig ein BeweisFoto geschossen bevor sie ganz weg war...

Meine thailändische Gastwirtin hatte mir gesagt, die übliche Wanderdauer sei ca. 4 Stunden und diese Zeit wurde von mir natürlich sofort als Herausforderung aufgefasst, die es deutlich zu unterbieten galt. So schaffte ich es auch tatsächlich mit 5 min Vorsprung vor den nächsten Wanderern als allererster des Tages zum Wasserfall, wo ich im sehr, sehr kalten Wasser badete und mir eine gratis Rückenmassage durch den beachtlich-starken Wasserfallstrahl genehmigte. Ein paar Bilder von der Wanderung:

Meinen eigentlichen Geschwindigkeitsrekord stellte ich jedoch beim Rückweg auf, den ich dank einiger Laufetappen in 80 Minuten schaffte und damit höchstvermutlich einen neuen Weltrekord aufstellte! Nach diesen sportlichen Höchstleistungen verbrachte ich den Rest des Tages mit Essen... :D

Am Montag wurden meine Pläne dann vom Wetter durchkreuzt, denn - man glaubt es kaum - es regnete heftig und wurde äußerst kalt (so ~12°), was für mich durchaus problematisch wurde. Ich hatte nämlich nur eine kurze Hose und dünne Kleidung eingepackt, für mein kleines Holzhüttchen war Isolierung ein Fremdwort und so etwas wie eine Heizung gehörte natürlich nicht zur Grundausstattung. Abgesehen von ein paar Restaurant-Fahrten verbrachte ich daher den Großteil des Tages im Bett und kuschelte mit mir selber und meiner aus irgendeinem Grund angenehm nach Melone riechenden Bettdecke. So war ich immerhin recht produktiv, bearbeitete einige Emails und abends guckte ich den Film "The Revenant" in der Leonardo DiCaprio als Trapper in bitterer Kälte ums Überleben kämpft - quasi genau meine Situation!

Den Vortag war ich auch umgezogen ins Tony Guesthouse und Tony stellte sich als sehr relaxter Thai mit Dreadlocks heraus, der den Anschein machte, gerne mal den ein oder anderen Joint zu rauchen. In Pai scheinen generell so einige Hippies zu leben...

Dienstag war das Wetter leider auch nicht viel besser, aber mit meinem kuschligen Bettchen hatte sich mittlerweile bereits eine intensive Freundschaft entwickelt, die es dann eben zu pflegen galt. 

Mein Hüttchen (nur die linke Seite) bei Tony

Mein Hüttchen (nur die linke Seite) bei Tony

Zur Neid-Erzeugung im Folgenden noch ein paar Bilder von lecker Happi-Happi für Lino für je ca. 1€!

Am Mittwoch wurde das Wetter zum Glück etwas besser und so konnte ich ein bisschen Sightseeing nachholen. Da es beim Roller-Fahren aufgrund des Fahrtwindes aber immer noch recht frisch war, kaufte ich mir vorher noch eine gebrauchte Jacke für 2,50€, die sehr gut zu meinem Haarschnitt passte - sah nämlich auch schön scheiße aus und auch zu kurz! :D ...aber wärmte ganz gut.

 Als erstes fuhr ich zu Pai's "Grand Canyon", der ganz nett war und gute Ausblicke bot (aber auch nicht viel mehr).

 

Pai's Grand Canyon - Fast wie das Amerikanische Original - naja ein kleines bisschen jedenfalls...

Pai's Grand Canyon - Fast wie das Amerikanische Original - naja ein kleines bisschen jedenfalls...

Ich trage meine neue Jacke auf!

Ich trage meine neue Jacke auf!

Dann fuhr ich noch zu einem kleinen Wasserfall (der aber auch nicht allzu spektakulär war) und besichtigte eine kleine Fruchtplantage, wo ich Papayabäume und Passionsfrucht-Pflanzen zu sehen bekam. Danach fuhr ich erstmal wieder zurück zu meinem Hüttchen und da mein Hals mittlerweile tatsächlich wieder gesundet war, war es mir nun endlich gestattet, ein bisschen zu socializen! Somit unterhielt ich mich den Rest des Tages mit der Chinesin Joanna, die im Nebenhüttchen wohnte und ihren Job in Peking aufgegeben hatte, um einige Monate zu reisen und sich neu zu finden. Insbesondere als Chinesin ist das eine ziemlich mutige Entscheidung und ich fand ihre positive Ausstrahlung und Lebensfreude bewundernswert. Wir führten einige ausgesprochen interessante Gespräche, fuhren abends noch zu einem Aussichtspunkt-Tempel und rundeten den Tag ab mit Völlerei bei einem ausgiebigen Abendessen.

Mit Joanna beim Aussichtspunkt-Tempel

Mit Joanna beim Aussichtspunkt-Tempel

Im Folgenden noch diverse Impressionen aus und von Pai:

Am nächsten Tag (Donnerstag) sollte es für mich bereits wieder zurück nach Chiang Mai gehen aber für den Vormittag war ich noch einmal mit Joanna verabredet, um gemeinsam einen Hotspring zu besuchen. Die Rollertour dahin war ziemlich cool und führte mal wieder durch wunderschöne Landschaften und auch der Hotspring war ganz cool - klein aber fein! Danach gingen Joanna und ich zum Abschied noch einmal Mittag essen. Es war wieder einmal faszinierend, wie schnell wir innerhalb zweier halber Tage Freundschaft und Vertrautheit entwickelt hatten. Beim Abschied war ich daher auch ein bisschen wehmütig, da ich gerne noch mehr Zeit mit ihr verbracht und sie noch besser kennen gelernt hätte. Aber wer weiss, vielleicht gibt es ja irgendwann ein Wiedersehen in Deutschland oder China.

Mit dem Roller zum Hotspring

Mit dem Roller zum Hotspring

Handstand im Hotspring!

Handstand im Hotspring!

Somit tankte ich nochmal voll auf und los ging die Fahrt durch wieder einmal 762 Kurven. Ich war durch die viele Fahrpraxis der letzten Tage mittlerweile mutiger geworden und fuhr deutlich schneller als bei dem Hinweg, auch da es kaum Verkehr gab. Die Landschaft düste nur so an mir vorbei! Wenn sich aber mal Verkehr irgendwo häufte, kannten die Thais keine Vernunft und ich sah große LKWs (das waren die schlimmsten) irgendwelche anderen Autos in der Kurve überholen, wo man wirklich nichts, gar nichts, kommen sah - völlig wahnsinnig!!! Aber als Rollerfahrer konnte ich in der Regel einfach auf dem Seitenstreifen fahren und war von sowas daher zum Glück weitgehend unbekümmert

Bei der Fahrt durchlebte ich einige sehr emotionale Momente und fühlte mich gleichzeitig ein bisschen wehmütig, über das was hinter mir lag, erwartungsvoll über das was vor mir lag und voll tiefer Freude über den intensiven gegenwärtigen Augenblick der Fahrt und der Landschaftskulissen um mich herum. Einfach verdammt geil dieses Rumreisen!

In einer Kurve sah ich dann plötzlich ein größeres Stück Schrott auf der Strasse liegen und wollte es mit meinem Fuss wegkicken, damit nicht der nächste Rollerfahrer darüber stürzt aber kurz bevor ich mein Bein für den Kick anwinkelte, bewegte sich das Teil plötzlich und ich erkannte dass es sich nicht um ein Stück Müll, sondern um eine Schlange handelte! Crazy shit!!! Das Gerät war auch gar nicht so klein und lag dort in Verteidigungsposition zusammengerollt mit dem Kopf angriffslustig herausgestreckt. Ich hielt direkt erstmal an, um völlig fasziniert ein paar Fotos zu schießen und versuchte sie dann auch von der Strasse zu vertreiben, damit sie nicht überfahren wird - aber ohne Erfolg. Naja, meiner Meinung nach nicht der beste Ort für einen Schlangen-Hangout aber das muss jeder selber wissen!

Das Teil war durchaus unterarmdick!

Das Teil war durchaus unterarmdick!

Insgesamt war ich diesmal statt 7h nur 4,5 h unterwegs aber das letzte Stück auf der Schnellstrasse nahm mich ziemlich mit. Ich war in die Rush-Hour geraten und vor allem aufgrund des Chaos-Fahrstils hier war das kein Zuckerschlecken. Die Strasse verlangte konstant 100% Konzentration, da ich sowohl auf Schlaglöcher vor mir achten musste, als auch auf verrückt-überholende LKWs hinter mir und sowieso den ganzen dichten Verkehr um mich herum. In der Stadt bei 20-30kmh war das kein Problem aber mit 60 Sachen wurde das schon ziemlich stressig und hier langsamer fahren bedeutete nur, dass man noch viel mehr überholt wurde, was die Sache wirklich nicht besser machte...

Sehr erleichtert, diesen Scooter-Trip unversehrt überstanden zu haben, erreichte ich schließlich am Abend Chiang Mai - aber davon dann berichte ich dann im nächsten Post!

Ein unerwartet kurzer Meditationsretreat im Wat Ram Poeng

Der Plan:
Beim Meditationsretreat im buddhistischen Tempel Wat Ram Poeng für 10 Tage nicht sprechen, schreiben, lesen und nur 2x/Tag essen aber dafür stundenlang meditieren.

Einen ähnlichen Retreat hatte ich bereits für Indien im März angesetzt, aber da ich die letzten Tage an einigen Dingen genagt hatte und sehr viele Gedanken in meinem Kopf kreisten und ich auch immer noch etwas Husten hatte, schien es mir eine gute Sache, um mich ein bisschen zu erden und vielleicht ein kleines bisschen Erleuchtung zu finden.

Abends: In der Halle sitzen die Mönche beim Chanting

Abends: In der Halle sitzen die Mönche beim Chanting

Tag 1:
Um kurz vor 8 Uhr morgens kam ich beim Tempel an und meldete mich beim Büro für ausländische Besucher. Wir waren dann irgendwann ca. 6 Leute, die an dem Tag einen Retreat beginnen wollten und in dem Büro warteten drei Europäer und drei Chinesen. Der für uns zuständige Mönch/Lehrer schien mir direkt ein wenig durchgeknallt. Zum Beispiel wurde ihm zwischenzeitlich ein Fruchtsaft gebracht, der ihm offensichtlich nicht schmeckte. Während wir warteten, war er jedenfalls die nächsten Minuten voll und ganz damit beschäftigt, jeweils einen kleinen Schluck zu nehmen, das Gesicht zu verziehen und laut "Noinoinoi!!!" zu rufen und dann der nächste Schluck. Er machte mehrere solch komischer Sachen und wir Neulinge tauschten Blicke aus und mussten tatsächlich ein bisschen an uns halten, nicht loszulachen, was uns nicht immer gelang - aber ihn wohl nicht weiter störte.

Dann ging es weiter mit einer Führung durch die Tempelanlage, bei der er uns mit einigen Grundregeln vertraut machte. Dank seiner wirren und langwierigen Erläuterungen dauerte die Einführung dann auch direkt den ganzen Tag, obwohl man es mit etwas Systematik und Struktur auch locker in 1-2 Stunden hätte schaffen können. Langsam schlug mein Amüsement dann auch in um in Genervtheit. Fragen schien er grundsätzlich nicht zu verstehen, aber antwortete dann beispielsweise auf die Frage, ob alles Essen aus Spenden komme etwas wie "Nooooow! Need more practice, öh! Thinking, there see! Jajaja! Here heaaaaart! Meditation important, understaaaaand? No suffering, there, there, there, see?...."

Aber immerhin war mein Zimmer super - sehr simpel und sauber mit Balkon und eigenem Bad. Und auch das Essen war gut. Es gab aber nur zwei Mahlzeiten pro Tag, nämlich einmal um 6 Uhr Frühstück und um 10:30 Uhr Mittagessen :-/
Vor jedem Essen musste aber erstmal Buddha durch drei Verbeugungen gegrüßt werden und diverse Sätze auf Pali (Indische Sprache) als "Chanting" aufgesagt werden, was sich durchaus sehr lange hinzog.
Mich verwunderte auch etwas, dass es die Wahl gab zwischen Fleischgerichten und vegetarisches Gerichten, denn einer der Vorsätze, zu dem man sich bekennen sollte, war, keine Lebewesen zu töten und dieser Vorsatz schien mir schwierig mit Fleischkonsum vereinbar.

Eine Nonne hatte nach dem Mittagessen noch eine "wichtige" Ankündigung für uns und zwar wurden wir instruiert, wie wir für den übernächsten Tag auf korrekte Weise dem vorsitzenden Mönch zu seinem Geburtstag an einem "money tree" Geld spenden könnten. Dies wurde uns in ca. 20 Minuten sehr ausführlich und nachdrücklich mitgeteilt, denn die Tempelanlage brauche eine neue und großere dining hall...

Dann kam die Einführungszeremonie mit dem vorsitzenden Mönch. Wir mussten uns vor ihm kniend mit gefalteten Händen gefühlte 100 mal verbeugen, irgendwelche Sätze auf Pali nachsprechen und ihm eine Opfergabe mit Kerzen und Räucherstäbchen überreichen.

Langsam kam in mir die etwas verstörende Frage auf, spinne ich oder alle anderen?

Danach trafen wir uns wieder mit unserem Lehrer, dem verrückten Mönch. Wenn er nicht gerade mit seinem Handy telefonierte, instruierte uns in der Gehmeditation, d.h. wie wir auf korrekte Weise besonders langsam gehen und uns danach auf korrekte Weise wieder hinknien sollten. Außerdem bekamen wir kleine Wecker, deren Alarm wir jeweils auf 15 Minuten stellen sollten, denn ab dann war im Wechsel 15min Sitzmeditation und 15min Gehmeditation praktizieren angesagt. Mit der Gehmeditation konnte ich allerdings nicht so viel anfangen und das andauernde Weckerpiepen von den ganzen Leuten machte die Sache nicht besser :-/
Außerdem gab es in den Meditationsräumen auch Überwachungskameras, welche unser Lehrer uns sehr stolz zeigte. Ich verstand jedoch nicht so recht, ob die dazu da waren, uns beim Meditieren zu überwachen oder wofür die sonst gut sein sollten...
Von draußen wurden wir zudem von Baulärm berieselt, sowie ab und an von Lautsprecheransagen, die durch die ganze Anlage schallten.

Übrigens liefen alle Leute im Tempel in weißer Kleidung herum, was mich ein bisschen an eine Nervenklinik erinnerte - aber vielleicht war der Vergleich auch gar nicht so unpassend.

Leute bei Sitz- und Gehmeditation

Leute bei Sitz- und Gehmeditation

Wie das Vorherige vielleicht vermuten lässt, wuchs bei mir sehr schnell die Entscheidung, dass ich diesen Retreat möglicherweise vorzeitig abbrechen würde und ich überlegte bereits intensiv, wie bald ich mich wohl am Besten verabschieden sollte. Naja, so schnell und spontan wie die Entscheidung für den Retreat gekommen war, so schnell ging sie nun scheinbar auch wieder dahin.

Zum Abendessen genehmigte ich mir noch heimlich eine Packung Kekse, die ich mir am Vorabend in weiser Voraussicht für den Notfall gekauft hatte und schrieb ein paar Gedanken nieder, womit ich dann auch direkt zwei Regeln brach. Das Schreiben half mir aber dabei, meine Gedanken ein wenig zu ordnen und auch die positiven Seiten wieder zu sehen. Der Lehrer-Mönch etwa hatte durchaus auch eine sehr liebenswürdige und herzliche Seite und der Laden konnte ja schließlich nichts dafür, dass ich andere Erwartungen gehabt hatte. Eine höchst interessante Erfahrung war es allemal und ich beschloss, zumindest noch den vollständigen nächsten Tag zu bleiben und dann am nächsten Abend eine Entscheidung zu fällen, wie lange ich dabei bleiben würde.

Tag 2:
Der Tag fing schon mal gut an: Um 4 Uhr morgens gingen die Morgenglocken. Völlig verstört von der Frühe schlief ich direkt wieder ein.
Als ich das nächste Mal die Augen aufschlug und auf die Uhr schaute war es 6:20. Shit! Um 6 Uhr war nämlich das Frühstück vorgesehen und die Regel war: Wer zu spät kommt, bekommt nix und ich sah mich schon vorlieb nehmen mit einem Keksfrühstück... 
Ich hetzte also zur dining hall, nur um festzustellen, dass niemand da war, ging etwas verwirrt zu meinem Zimmer zurück und kaum war ich wieder angekommen, klingelten die Glocken zum Frühstück. Mit der Zeit nahm man es also scheinbar nicht so genau.

Nach einem Nudelsuppen-Frühstück war für alle erstmal Fegen vor der Unterkunft angesagt. Danach ging ich zu einem großen Baum und meditierte dort für mich allein 40 Minuten lang, was mir sehr gut tat und mich für eine Weile in einen sehr entspannten, bewussten Zustand brachte. Sehr deutlich wurde mir damit auch nochmal der Unterschied vor Augen geführt, von einem gegenwärtigen Bewusstseinszustand einerseits, in dem man jeden einzelnen Schritt bewusst wahr nimmt und daher automatisch relativ langsam geht und dem gezwungen langsamen Gehen wie wir es als Gehmeditation tun sollten andererseits.

Um 10:30 war dann Mittagessen angesetzt. Aufgrund des ganzen Chantings und Verbeugen-Prozederes ging es aber effektiv erst um 11 los, sodass das Essen natürlich kalt geworden war :-/ Der Inhalt des Chantings befasst sich auch damit, dass man eben nicht für Genuss und Völlerei essen soll, sondern allein um den Körper am Leben zu erhalten. Für mich waren die Anreize hierfür aber durchaus etwas suboptimal gesetzt, denn wenn die letzte Mahlzeit des Tages um 11 Uhr ist und dann bis zur Nachtruhe noch 11 Stunden vor einem liegen, dann muss ich mich ja quasi komplett vollzufressen, soviel wie reingeht ;-)
Nach 4 Stunden hatte ich aber trotzdem wieder Hunger, genehmigte mir daher um 5 Uhr einen Snickers und um 7 Uhr wieder ein Keks-Abendessen.

Den Nachmittag verbrachten wir wieder mit unserem Lehrer-Mönch mit zahlreichen Sitz- und Gehmeditationen unter seiner etwas wirren Anleitung. Meine Knie machten mir dabei jedoch große Probleme. Alle Sitzpositionen waren extrem schmerzhaft und wurden mit der Zeit immer nur noch schmerzhafter, sodass ich mehr und mehr Kissen einbaute, um es irgendwie bequemer zu machen, während die anderen fünf lediglich auf Ihrer dünnen Matte auf dem Boden saßen. Aber dass ich mich bei sowas mit meinem inelastischen Körper nicht unbedingt mit Ruhm bekleckerte kannte ich schon...

Außerdem gab es nachmittags noch eine "Reporting" Session bei der wir dem vorsitzenden Mönch berichten sollten, wie viele Stunden wir meditiert hatten (sehr großzügig gerechnet kam ich auf 8h) und Ratschläge erteilt bekamen. 

Angenehm war für mich insgesamt aber die viele Zeit zum Nachdenken und ich hatte durchaus ein paar interessante Ideen und Überlegungen, auch für meine weitere Zukunft nach dem Reisen. Und schließlich reifte auch die Entscheidung, bereits am nächsten Morgen dem Kloster den Rücken zu kehren. In Gedanken machte ich schon zahlreiche Pläne dafür, was ich alles in der neu dazu gewonnenen Woche in Thailand machen könnte.

Abends war es schließlich soweit und ich ging entschlossenen Mutes zu meinem Lehrer-Mönch und teilte ihm meine Entscheidung mit. Er schickte mich dann zum vorsitzenden Mönch und als ich diesem meine Entscheidung mitteilte, versuchte er mich mit ein paar "weisen" Worten zu überzeugen, doch noch zu bleiben aber da war nix mehr zu machen. So machte er mit mir die Abschiedszeremonie, bei der ich wieder einmal vor ihm kniend ein paar Worte in Pali nachsprechen und mich ein Dutzend mal verbeugte.

Um 20 Uhr ging ich schließlich bereits ins Bett, weil es nichts, wirklich einfach gar nichts mehr zu tun gab. Bereits um 2 Uhr wurde ich dann auch direkt wach und konnte nicht mehr einschlafen. Juhu, der Schlafrhythmus war schon wieder ruiniert!
So lag ich dann erstmal wach in meinem Bett und philosophierte vor mich hin. Um 4 Uhr morgens läuteten schließlich die Morgenglocken und zack konnte ich wieder einschlafen! :D

Tag 3:
Pünktlich um 6 zum Frühstück wachte ich dann aber zum Glück wieder auf, packte danach meinen Krams zusammen und meldete mich ab. Eine deutsche Nonne des Tempels sprach auch noch mit mir, um meine Entscheidung zu ändern, aber ohne Erfolg.

Selfie mit meinem Lehrer-Mönch

Selfie mit meinem Lehrer-Mönch

Außerdem war es noch Zeit, meine Spende zu machen (das Ganze war im Prinzip kostenlos auf Spendenbasis) und ich entschied mich insgesamt 50€ dazulassen. 25€ hatte ich bereits am ersten Tag gezahlt, als Kosten für Kleidung etc. und gab jetzt nochmal die Gleiche Summe dazu auch als Entschädigung für Essen, Logie und Entertainment, was mir für die 2 Tage angemessen erschien.

Bevor ich die Tempelanlage verließ, sprach ich aber noch mit einem der anderen Schüler mit denen ich begonnen hatte, da ich neugierig über dessen Perspektive war. Es stellte sich heraus, dass er auch aus Berlin war und meine Kritikpunkte zwar ähnlich sah, aber trotzdem determiniert war, das Ganze durchzuziehen und das Beste daraus zu machen. Er hatte die letzten Wochen auch schon mehrere Meditations-Retreats gemacht und schien bereits ziemlich fortgeschritten. Außerdem tauschte ich noch Kontaktdaten mit einem Chinesen aus, der mir vorab bereits positiv aufgefallen war, da er immer ein breit-schelmisches Grinsen auf dem Gesicht hatte, das Ganze offensichtlich auch nicht so ernst nahm und die ganze Zeit Leute anquatschte und durch die Anlage schlenderte. Er hatte wie ich vor, die nächsten beiden Monate nach Indien zu reisen und vielleicht würden wir uns da mal irgendwo treffen.
Auf der Rückfahrt im Taxi zurück ins Stadtzentrum von Chiang Mai sprach ich auch noch mit zwei anderen, die das Ganze länger durchgezogen hatten, aber auch nicht so ganz zufrieden waren.

Fazit:
Der Buddha war sicherlich extrem weise und viele Elemente der buddistischen Philosophie halte ich für sehr überzeugend, aber das hier schien mir eher wie eine Ansammlung von meinem Empfinden nach leeren Gesten, Praktiken und Zeremonien. Möglicherweise hatte ich bisher eine etwas verklärte romantisierte Sicht auf die buddhistischen Mönche und Kloster, eben weil ich die buddhistischen Lehren sehr interessant finde, aber das muss ich wohl korrigieren. Wie überall (genau wie auch in der christlichen Kirche) gibt es wohl auch im Buddhismus einige sehr weise und tiefsinnige Menschen und viele Normal-Verrückte.
Auffällig ist aber, das der Buddhismus in Asien boomt und überall Tempelanlagen gebaut oder erweitert werden - ganz im Gegensatz zur christlichen Kirche, die ja eher so vor sich hin wurschtelt...

Insgesamt war das Ganze aber auf jeden Fall eine extrem interessante Erfahrung und auch wenn ich mir wahrscheinlich etwas Spott dafür werde anhören müssen, dass ich so früh abgebrochen habe, habe ich eigentlich das Gefühl, alles genau richtig gemacht zu haben und das Maximum an Erfahrungen rausgeholt zu haben. Als zweite Chance liegt ja auch noch der Meditationsretreat im März in Indien vor mir und immerhin hatte ich von anderen gehört, dass die Meditationstradition dort komplett anders und gewissermaßen "religionsbefreit" sei. Ich habe aber nun noch größere Bedenken, ob ich die 10 Tage dort schaffen kann, vor allem wegen der starken Knieschmerzen beim Sitzen. Vorgenommen habe ich mir aber, die nächsten Tage jeweils morgens und abends zu meditieren und auch täglich Sport zu machen, auch um etwas Routine in die Tage zu bekommen.

Als nächstes geht es für mich weiter mit dem Roller nach Pai und möglicherweise auch zu einer Elefantenstation. Bis dahin! ;-)

Auf nach Chiang Mai

Donnerstag begann ich frühmorgens mit einer Tour zum "Tiger Cave Temple". Das besondere daran war, dass sich dieser Tempel auf einer Bergspitze befand, mit 1237 Stufen hinauf. Durch den Aufstieg traf ich einen alten Bekannter wieder: Den lieben Herrn Zitterknie, mit dem ich bereits in China Bekanntschaft gemacht hatte!

Der Beweis: 1237 Stufen!

Der Beweis: 1237 Stufen!

Fast Lino-Beinlange Stufen

Fast Lino-Beinlange Stufen

Der Aufstieg war ein Kinderspiel!

Der Aufstieg war ein Kinderspiel!

Endlich Oben

Endlich Oben

Oben waren Streunende Hunde und dieses Exemplar hat sich mit so einer Intensität und Ausdauer den Eigenen Sack geleckt, dass ich es wert fand, ein Foto davon zu machen!

Oben waren Streunende Hunde und dieses Exemplar hat sich mit so einer Intensität und Ausdauer den Eigenen Sack geleckt, dass ich es wert fand, ein Foto davon zu machen!

Wieder unten entdeckte ich noch nebenan einen kleinen Dschungeltreck mit kleinen Höhlen, Riesenbäumen und nicht zuletzt natürlich wieder vielen hungrigen Äffchen.

Nach diesem Sportakt hatte ich mir natürlich wieder eine Massage verdient und beschloss, mich diesmal an eine Thaimassage zu wagen. Ich hatte bisher erst einmal in meinem Leben in einem Fitnessstudio in Berlin eine Thaimassage gehabt und das hatte ich eigentlich nur eingeschränkt positiv in Erinnerung: Die kleine Thailänderin hatte auf meinem Rücken gehockt und mir ihre Knie in die Schultern gerammt. Den nächsten Tag tat mein ganzer Körper weh. Aber ich dachte, alles verdient eine zweite Chance - auch die Thaimassage. Und das war keine schlechte Entscheidung, denn diesmal wurde die Schmerzgrenze nur ab und zu und nicht allgegenwärtig überschritten und insgesamt war das Ganze recht angenehm.

Dann war es bereits an der Zeit weiterzuziehen und Südthailand den Rücken zu kehren, denn ich hatte meine Reisepläne geändert und beschlossen, mich in den Norden nach Chiang Mai zu bewegen. Ich hatte bisher sehr Gutes von dieser Stadt gehört und außerdem hoffte ich (auch wenn es mir schwer fällt, das zuzugeben) auf etwas milderes Wetter. Denn bisher  brannte die Sonne selbst für meine Verhältnisse etwas zu stark. So war meine Angst vor Sonnenbrand omnipräsent und bedrohte mein eigentlich sehr gutes Verhältnis zur Sonne...

In Chiang Mai kam ich erst spätabends an, sodass meine Erkundung erst am nächsten Tag begann. Chiang Mai ist eine entspannte Stadt voller Bars, Cafes und Hostels für die vielen Touris und Auswanderer, die es scheinbar hierhin zieht. Am ersten Tag lieh ich mir ein Fahrrad (für 1,20€/Tag) und fuhr ziellos drauf los. Was mir schon mal auffiel war das interessante Ampelsystem an Kreuzungen. Es hatte immer nur eine einzige Strasse Grün (nicht eine Diagonale von beiden Seiten) und Ampelphasen dauerten durchaus eine ganze Weile, sodass ich teilweise extrem lange warten musste bis ich wieder fahren konnte. Schien mir erstmal ineffizient aber bei dem "whatever works" Verkehr hier vielleicht die einzige Lösung die funktioniert und nicht in heillosem Chaos endet.

Übrigens herrscht in Thailand Linksverkehr (was ich auch schon bei meiner Rollertour auf Ko Yao Yai festgestellt hatte). Ich gewöhnte mich aber schneller dran, als ich erwartet hätte und nur anfangs bei der Rollertour vergaß ich es beim Anfahren manchmal - zumindest immer solange bis mir "Geisterfahrer" entgegenkamen ;-)

Am ersten Tag wechselte ich auch meine Unterkunft und zog in Julie's Guesthouse wo ich für stolze 4€/Nacht ein eigenes Zimmer bekam! Zwar etwas schäbig und laut aber dafür gab es auch hier eine nette Dachterrasse mit Liegen und bei dem Preis kann man sich ja nun wirklich nicht beschweren. Generell ist es krass, wie günstig man hier leben könnte. Essen im Restaurant kostet auch nur 1-2€, also könnte man für 10-15€ pro Tag hier durchaus über die Runden kommen (zumindest wenn man auf all die anderen überflüssigen Dinge abseits von Essen und Schlafen verzichtet ;-) ).

Mein Zimmer bei Julie's Guesthouse

Mein Zimmer bei Julie's Guesthouse

Den nächsten Tag ließ ich, wie es sich gehörte, erstmal wieder ruhig angehen und fokussierte mich aufs Essen! So schaffte ich es auch, an diesem Tag gleich fünf mal essen zu gehen für insgesamt unter 10€ - so lässt sichs doch leben! Aber ich hatte ja auch noch ein bisschen was nachzuholen wegen dem Magen Darm Infekt...
Im Folgenden ein paar Impressionen vom Essen. Auf dem Programm stehen vor allem Nudelsuppen, Currys und Reisgerichte. Sehr hilfreich war für mich die App "Happy Cow" mit der sich vegetarische Restaurants finden lassen und das nutzte ich sehr viel, da die Auswahl in der Regel doch sehr fleischlastig ist und ich natürlich vegetarische Restaurants finanziell unterstützen möchte ;-)

Gestärkt und erholt, war es wieder Zeit für ein bisschen Action und für den nächsten Tag beschloss ich zu wandern. Im Westen der Stadt lag ein Nationalpark, der Doi Suthep, wie es sich gehört natürlich mit einem Tempel auf der Spitze.

Gestärkt durch ein Keksfrühstück und Nudelsuppe nahm ich ein Taxi zum Berg und ignorierte die Angebote der Taxifahrer, mich für 40 Baht(1€) hochzufahren. Die 12km krieg ich jawohl auch alleine hin, der Weg ist das Ziel!
Belohnt wurde ich dafür auch direkt mit einem kleinen Wasserfall und anschaulicher Natur.

Doch nach kurzem führte der Wanderweg zurück auf die Hauptstrasse und ich musste mir mit zahlreichen lärmenden Autos und Mofas den Weg teilen :-/
Das wars dann also mit der stillen Idylle und da nach einer Stunde Aufstieg keine Besserung in Sicht war, kapitulierte ich und winkte das nächste Taxi heran, das bereits eine Horde Touris den Berg hochfuhr. Oben wars ganz nett aber sehr überfüllt mit Touris, sodass ich relativ bald wieder mit dem Taxi runterfuhr aber dafür spontan beschloss, den Zoo zu besuchen, der direkt zu den Füßen des Berges lag. Und der Zoo war ein ziemliches Highlight! Vor allem gefiel mit die Möglichkeit, sehr billig Tierfutter zu kaufen und dann Giraffen, Elefanten und Rehe zu füttern.

Inzwischen hatte ich die Unterkunft gewechselt und war in ein Hotel etwas abseits des Stadtzentrums (man könnte auch sagen, am Arsch der Welt) abgestiegen, da ich nach Julie's Guesthouse das Bedürfnis nach ein bisschen Komfort und Ruhe hatte. Komfort bekam ich, aber Ruhe nur eingeschränkt dank einer lärmenden chinesischen Familie im Nebenzimmer, Bauarbeiten in der Nähe und einer Horde Hunde die regelmäßig in ein verstörendes Geheule verfiel.

Abschließend noch ein paar Worte zu meinem bisherigen Gesamteindruck von Thailand:
Thailand ist zweifellos wunderschön, sehr lebenswert und günstig aber bisher fühle ich mich nicht in der Form magisch berührt wie ich das z.B. in Taiwan, Japan oder China erlebt hatte. Ich glaube das könnte mit den vielen Touris hier zu tun haben, durch die meinem Empfinden nach doch einiges an Authentizität verloren geht.

Ökonomisch geht es den Leuten meinem Eindruck nach gar nicht so schlecht für die Region. Ein typisches Einkommen beträgt wohl so um die 300€/Monat aber dafür ist ja auch alles sehr günstig, die Leute scheinen einen sehr lockeren Bezug zur Arbeit zu haben, überall sind Hängematten und es wird viel gechillt. Auch habe ich bisher keinen einzigen Obdachlosen oder Bettler gesehen! Mein Eindruck ist, Abwesenheit von materiellem Reichtum ja, harte Armut nein.

Übrigens habe ich bisher kaum etwas vom Sextourismus erlebt, der das Land ja zumindest etwas in Verruf bringt. Zwar habe ich einige alte weiße Säcke mit verdächtig gutaussehenden, jungen Thailänderinnen an deren Seite gesehen, wo ich mich dann doch frage ob da Geld im Spiel ist und in vielen Bars sind wohl "bar-girls" unterwegs, die gewisse Dienste für die Abendstunden anbieten aber das ist alles überhaupt nicht so an der Oberfläche wie ich das erwartet hätte.

Im Folgenden noch ein paar visuelle Impressionen von Thailand:

Thailändische Pfadfinder?

Thailändische Pfadfinder?

Irgendein komisches Strassenfest bei em die Leute sehr interessant gekleidet waren und sich hier paarweise Bälle zuwarfen...

Irgendein komisches Strassenfest bei em die Leute sehr interessant gekleidet waren und sich hier paarweise Bälle zuwarfen...

Typische Impression des Stadtlebens an einer größeren Strasse

Typische Impression des Stadtlebens an einer größeren Strasse

Nachtmarkt, sehr viel los

Nachtmarkt, sehr viel los

Während mein Magen sich ja wieder beruhigt hatte, bin ich meinen hartnäckigen Husten immer noch nicht losgeworden. Da ich den Eindruck habe, dass Sprechen den Husten verschlimmert, habe ich deshalb bereits während der gesamten bisherigen Reise Gespräche mit anderen Reisenden vermieden und eher die Einsamkeit gesucht. An dieser Stelle auch nochmal eine kleine Entschuldigung an alle, von denen ich mich kaum anständig in Deutschland verabschiedet habe, bzw. die ich die letzten Wochen möglicherweise etwas vernachlässigt habe. Ich hab es irgendwie geschafft, seit Ende Oktober quasi die ganze Zeit mehr oder weniger stark erkältet zu sein und daher meine ganzen sozialen Kontakte stark vernachlässigt...

Und nun noch eine überraschende Wendung. Heute morgen bin ich beim Frühstück an einem Tempel vorbeigekommen, der auf einem Banner mit Meditationsretreats warb, habe mich direkt informiert und kurzfristig beschlossen, ab morgen ein zusätzliches 10-tägiges Meditationsretreat im Tempel Wat Ram Poeng zu machen. Da ich mit der Erkältung ja eh kaum rede, passt mir das Schweigen dann eigentlich ganz gut und falls das Ganze nichts für mich sein sollte, dann brauche ich die Erfahrung nicht mehr in Indien machen bzw. kann das absagen oder falls es super ist, kann ich die Erfahrung dort gleich nochmal machen :-)
Ich werde die nächsten Tage also nicht erreichbar sein, aber dann wieder ab dem ca. 30.01. Über die weiteren Beweggründe und Erfahrungen berichte ich dann etwas ausführlicher im nächsten Post ;-)

Bis dahin!
Euer Lino

Inseln, Haustiere, Krankheiten

Die letzten Tage habe ich auf der Insel Koh Yao Yai verbracht, deren Name so viel heisst wie große lange Insel und der Name ist Programm! ;-)

FÜR EINE WOCHE DER STRAND VOR MEINER HAUSTÜR! "KANN MAN NICHT MECKERN", WIE EIN DEUTSCHER SAGEN WÜRDE

FÜR EINE WOCHE DER STRAND VOR MEINER HAUSTÜR! "KANN MAN NICHT MECKERN", WIE EIN DEUTSCHER SAGEN WÜRDE

Aufgrund der vielen "Haustiere"bat ich um ein besseres Zimmer und bekam dann das hier mit Balkon mit Meerblick :D

Aufgrund der vielen "Haustiere"bat ich um ein besseres Zimmer und bekam dann das hier mit Balkon mit Meerblick :D

Die Insel war mir empfohlen worden als abseits der Tourimassen und das hat sich sehr bewahrheitet. Ich habe das "Heaven Resort" bezogen, wo ich für 20€/Nacht ein eigenes Doppelzimmer 20 Meter vom Strand hatte und da es kaum andere Gäste gab, hatte ich den auch fast für mich allein.

So ganz allein war ich aber dann doch nicht, denn ich hatte Haustiere! Darunter eine Echse, die ich abends hinter meinem Bett erblickte und spontan Jimmy taufte sowie eine Ameisenkolonie, die in meinem Zimmer eine Strasse gebaut hatte. Davon liess ich mich aber nicht weiter stören (sonst hätte ich mir eine teurere Unterkunft suchen müssen) und verteidigte mein Essen erfolgreich gegen die hungrigen Mitbewohner.

Verteidigungsbastion gegen Ameisen: Auf dem unteren Teller ist wasser, sodass sie nicht zum Essen hoch können.

Verteidigungsbastion gegen Ameisen: Auf dem unteren Teller ist wasser, sodass sie nicht zum Essen hoch können.

Von Jimmy habe ich leider kein Foto aber seinen Kumpel traf ich am nächsten Tag

Von Jimmy habe ich leider kein Foto aber seinen Kumpel traf ich am nächsten Tag

Doch der Anfang meiner Reise begann leider nicht so rosig, wie ich das vielleicht gehofft hatte, denn schon nahte das Siechtum! Mich plagten noch aus Deutschland ein hartnäckiger Husten und dazu gesellte sich nachts spontan ein Magen-Darm Infekt (und zu guter letzt natürlich auch ein bisschen Sonnenbrand). Die Magenverstimmung weckte mich in der Nacht und brachte mich zeitweise sogar kniend vor die Toilette wo ich außer einem einsamen Würger aber nichts hervorbrachte aber zumindest die weitere Nacht mit Magenschmerzen zubringen durfte. Möglicherweise war es meinem Leichtsinn geschuldet, das Zähneputzen mit dem Leitungswasser gemacht zu haben, aber die Macht der Gewohnheit war zu stark gewesen...

Einen Lichtblick gab es jedoch, denn immerhin gab es hier Mücken nur nachts bei Dunkelheit und wohl auch keine Gefahr von Malaria oder Dengue. Positiv denken!

Den übernächsten Tag (vorher ein Tag im Bettchen) lieh ich mir für 6€/Tag einen Roller und erkundete die Insel. Interessanterweise ist die Bevölkerung auf der Insel fast vollständig muslimisch (Thailand hat sonst ca. 90% Buddhisten) und es gab dort einige Moscheen und die Frauen trugen Kopftücher.

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Viel Müll! Mir war schon auf Reisen in anderen weniger entwickelten Ländern aufgefallen, dass die leute scheinbar weniger abneigung gegen Müll haben und den Eindruck hatte ich wieder. Teilweise war es auch um die Wohnhäuser herum so zugemüllt

Viel Müll! Mir war schon auf Reisen in anderen weniger entwickelten Ländern aufgefallen, dass die leute scheinbar weniger abneigung gegen Müll haben und den Eindruck hatte ich wieder. Teilweise war es auch um die Wohnhäuser herum so zugemüllt

Auch die nächsten Tage verbrachte ich sehr entspannt, lag viel am Strand, hörte Hörbücher und relaxte extrem hart! Doch nach knapp einer Woche hatte ich langsam genug von der Abgeschiedenheit der Insel und den eher eingeschränkten Möglichkeiten dort und so zog es mich weiter, zurück zum Festland nach Krabi. Meine Unterkunft hier war das "Smile" Guesthouse, scheinbar ein Geheimtipp unter Deutschen, denn der extrem freundliche und hilfsbereite Besitzer sprach Deutsch und bot sehr nette und günstige, wenn auch sehr simple Unterkünfte mit dem Bonus einer idyllischen Dachterrasse. 

Den ersten Tag ließ ich, wie es sich gehört, erstmal ruhig angehen, gönnte mir eine Massage und erkundete das kleine Städtchen :D Generell muss ich sagen, dass ich von mir selbst überrascht war, wie krass ich dieser Tage die Ruhe weg hatte. Ich lebte einfach komplett in den Tag hinein, nichts konnte mich aus meiner Tiefenentspannung bringen.

Am nächsten Tag heuerte ich nachmittags dann spontan einen Bootsmann an, um mir das Flussdelta anzusehen. Für 15€ hatte ich so für 2 Stunden meine eigene private Bootstour.

Bootstour

Bootstour

Tropfsteinhöhle

Tropfsteinhöhle

Fette Echse!

Fette Echse!

Mangroven im Flussdelta

Mangroven im Flussdelta

Mein Magen begann auch langsam sich wieder zu normalisieren und so tastete ich mich vorsichtig an das Essen heran. Gefiel mir gar nicht schlecht und auch sehr vielseitig, leider aber sehr Fleisch- und Meeresfrüchtelastig, sodass für mich die Auswahl deutlich eingeschränkt war.

Für den nächsten Tag buchte ich dann eine "7 Island Sunset Tour". Um 12 ging es los, damit wir dann auch pünktlich um 12:30 am Pier erstmal eine Stunde auf das Boot warten durften... so läuft das hier eben. Die Bootstour war dann aber extrem cool und führte uns zwischen wunderschönen Inselchen und Felsen vorbei an denen wir immer wieder stoppten um zu schnorcheln oder auch an einer steilen Felswand hochzuklettern und aus der Höhe ins Wasser zu springen. Der letzte Stop war dann an einem Strand, von wo wir uns den Sonnenuntergang anschauen konnten. Dort fand ich auch noch eine Gelegenheit zum Klettern und viele putzige Affen.

Klettern!

Klettern!

Phallische Opfergaben für die Göttin der Fruchtbarkeit!

Phallische Opfergaben für die Göttin der Fruchtbarkeit!

Karl Dall als Affe! (mit extra langen Nippeln)

Karl Dall als Affe! (mit extra langen Nippeln)

Schließlich ging es dann unter Sternenhimmel zurück aber nicht ohne einen letzten Stop zum Schwimmen und Schnorcheln mit fluoreszierendem Plankton! Das Zeug leuchtete auf, wenn man das Wasser bewegte, also vor allem um die Arme beim Schwimmen - ziemlich cool.

Abends zufrieden und erschöpft blieb mir nur noch, ins Bett zu fallen - inzwischen war ich in ein noch kleineres Zimmer umgezogen, da es nur noch 7€/Nacht kostete.

Mein Zimmer im Smile Guesthouse für 250 Baht =~7€/Nacht

Mein Zimmer im Smile Guesthouse für 250 Baht =~7€/Nacht

Abschließend noch ein paar Worte zum Alleine Reisen: Ähnlich wie bei meiner vorherigen Reise in Asien, bei der ich auch zum Teil alleine unterwegs war, mache ich wieder die Erfahrung, dass ich alleine "offener" bin für meine Umgebung und Erlebnisse. Es ist als wäre meine Schale zur Außenwelt dünner und es fällt mir so leichter, mich vollständig auf einen atemberaubenden Augenblick einzulassen und mich davon überwältigen zu lassen. Im Guten aber genauso wie im Schlechten. Es wechseln sich Empfindungen wie Überwältigung von der Schönheit dessen was ich sehe und tiefe Dankbarkeit für die Möglichkeit diese Erfahrungen zu machen, auch mit kurzen Momenten der Überforderung oder Einsamkeit. Gefühlsachterbahn ist vielleicht der richtige Ausdruck, wenngleich die positiven Emotionen deutlich überwiegen (außer vielleicht in der Magen-Darm Nacht ;-) ). Auf jeden Fall fühle ich mich extrem lebendig, meine Flamme brennt lichterloh!

Auch empfinde ich die Zeit sehr wertvoll als Selbstbesinnung, denke viel nach und kann in mich gehen. Bisher hatte ich auch wenig Bedürfnis nach Gesellschaft und habe Kontakte mit anderen Reisenden eher gemieden. Doch irgendwann reicht es dann ja auch mit der Selbstbesinnung und ich mich schon außerordentlich darauf, wenn mein Kumpel Karl dann in 2-3 Wochen dazustößt - zu zweit ist es vielleicht nicht so besinnlich aber auf jeden Fall lustiger :D

So, das wars - als nächstes geht es weiter in den Norden nach Chiang Mai.

Wer in Zukunft über neue Blogposts per Email informiert werden möchte, kann sich für meinen Reiseblog-Newsletter hier eintragen:
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Schüss!

Ankunft in Thailand, Reiseroute und Erwartungen

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Und plötzlich hatte der Schnee sich verwandelt in sonnige 30° mit Palmen, Sand und Meer -Lihong in Thailand! Höchste Zeit also für den nächsten Reiseblog!

vorher

vorher

nachher

nachher

Mein Flug hatte mich in 11h von Frankfurt nach Phuket gebracht. Wie üblich war mir beim Fliegen jede Art von Schlaf verwehrt geblieben, sodass ich komplett zermatscht in Thailand ankam und mein Hotelzimmer sehnsüchtigst erwartete. Mit dem Bus ging es weiter zu meinem Hotel in der Touri-Hochburg Patong Beach. Endlich angekommen, durfte ich dann jedoch hocherfreut feststellen, dass es noch 3h bis zum Hotel Check-In um 14 Uhr (8 Uhr morgens deutscher Zeit) waren. Die Zeit überbückte ich mit einem kleinen Spaziergang durch die Gegend, einer unerwartet scharfen und knoblauchreichen Mahlzeit und natürlich mit einer Massage für 7,50€/h! :D

Als es endlich soweit war und ich todmüde in mein Hotelbettchen fallen konnte, schlief ich bis 20 Uhr Thai Zeit und war damit offensichtlich weniger optimal in den Tagesrhythmus integriert. In den folgenden Tagen sollte mein Schlafrhythmus nicht unbedingt viel besser werden und in den ersten Tagen verfiel ich zeitweise sogar in ein doppeltes 4h Schlafblock System mit einem Block von sowas wie von 9-13 Uhr, sowie den anderen von 20-24 Uhr - optimal! :-/

Abends aufgestanden, machte ich erstmal einen größeren Spaziergang durch das Örtchen und zum Strand. Der breite Strand war ein Traum und wieder mal das Gefühl von Sand zwischen den Füßen zu haben und das Meer vor mir zu erblicken, beglückte mich zutiefst! Auf dem Rückweg schlenderte ich noch durch die Partymeile, die mich ein wenig abschreckte - bisschen wie Ballermann mit lauter Atzen auf der Suche nach "party & fun".

Patong Beach Partymeile

Patong Beach Partymeile

Am nächsten Tag ging es daher dann auch schon mit dem Boot weiter auf das Inselchen Ko Yao Yai, wo ich mir als erstes einen Magen Darm Infekt zulegte. Toll!

Doch zu meinen wundersamen Erlebnissen auf Ko Yao Yai gibt es im nächsten Blogpost mehr.

Ko Yao Yai

Ko Yao Yai

Im Folgenden ist meine Route veranschaulicht:

A: Phuket Airport, B: Patong Beach, C: Phuket Town, D: Ko Yao Yai

A: Phuket Airport, B: Patong Beach, C: Phuket Town, D: Ko Yao Yai

Und im nächsten Bild der große Masterplan:

Route 2.JPG

Von Ko Yao Yai soll es weitergehen nach Krabi, dann langsam durch Thailand hinauf nach Bangkok, von da mit dem Flieger nach Bengaluru und ab da zusammen mit meinem Kumpel Karl durch Indien, wahrscheinlich Goa und Kerala bis es mich über Mumbai dann irgendwann zurückführt. Vielleicht mache ich auf dem Rückweg auch noch einen Stopp in Dubai, damit ich die Gelegenheit habe, das Burj Khalifa zu ersteigen, ich habe ja schließlich eine Schwäche für hohe Türme mit gutem Ausblick ;-)

Aber wozu eigentlich der ganze Spaß? In den vergangenen Wochen wurde ich oft gefragt, was ich eigentlich vorhabe und hier so Treiben will und das überwiegend so ganz allein. Auch weil ich das Gefühl hatte, den meisten bisher eher unvollständige und unklare Antworten gegeben zu haben, möchte ich nochmal einen Erklärungsversuch wagen:

Erstens suche ich mit der Reise eine persönliche Herausforderung und Abenteuer. Ich will neue Länder und Kulturen entdecken, meine Perspektive weiten und auch an der Herausforderung wachsen, in weniger entwickelten Ländern auf mich allein gestellt zu sein.

Zweitens hoffe ich auch auf etwas Selbstfindung und Selbstbesinnung. Sehr gespannt bin ich in diesem Zusammenhang auf einen Meditationsretreat in Indien für den ich mich angemeldet habe: Bei der sogenannten "Vipassana Meditation" wird 10 Tage lang durchmeditiert ohne Reden, Lesen oder irgendwelche anderen "Ablenkungen". Ich war durch diverse faszinierende Erfahrungsberichte darauf gestoßen, in denen das Ganze von Teilnehmern als eine der schwierigsten und gleichzeitig besten Erfahrungen ihres Lebens beschrieben wurde. Ich bin ja sehr gespannt.

Drittens will das Leben genossen werden und der "fun" soll natürlich auch nicht zu kurz kommen. Daher habe ich mir als Reisziele auch Länderchen mit Sonne und Traumstränden ausgesucht - es gilt ja schließlich auch, der Härte des deutschen Winters zu entfliehen!

Viertens will ich tatsächlich aber auch ein bisschen produktiv sein und ein paar Dinge erledigen. Vor allem ein paar Texte und Artikel will ich noch verfassen, wie z.B. eine überarbeitete Version meiner Masterarbeit für ein VWL Journal, Blogbeiträge für meinen eigentlichen (nicht-Reise) Blog sowie diverse Texte für Monetative und Plurale Ökonomik. Mal schauen was daraus wird... ;-)